Schrift:
Ansicht Home:
Politik

Russlandgeschäfte

US-Präsident soll Ex-Anwalt zur Lüge vor Kongress aufgefordert haben

Hat US-Präsident Donald Trump seinen Ex-Anwalt Michael Cohen angewiesen, den Kongress anzulügen? Das berichtet die US-Nachrichtenseite "Buzzfeed". Die Demokraten sind empört.

AP

Donald Trump

Freitag, 18.01.2019   12:01 Uhr

Donald Trump gerät in der Russlandaffäre immer stärker unter Druck: Der US-Präsident soll seinen ehemaligen Anwalt Michael Cohen zur Lüge gegenüber dem Kongress angestiftet haben. Das berichtet die US-Nachrichtenseite "Buzzfeed" und beruft sich auf zwei namentlich nicht genannte Ermittler.

Demnach habe Cohen in Gesprächen mit dem Büro von Sonderermittler Robert Mueller ausgesagt, der Präsident habe ihn angewiesen, den Kongress über wichtige Fakten zu täuschen, die Trumps Russlandgeschäfte während des Wahlkampfs betreffen. Das Weiße Haus hat bislang nicht auf den Bericht reagiert.

US-Demokraten reagierten empört. Wenn der Bericht stimme, müsse es eine Untersuchung geben. Die Vorwürfe gegen Trump seien die bislang schwersten in der Russlandaffäre, schrieb der Abgeordnete Adam Schiff bei Twitter. Sein Parteifreund Joaquín Castro ging noch weiter: "Wenn die Buzzfeed-Geschichte stimmt, müsste Präsident Trump zurücktreten oder es müsste ein Amtsenthebungsverfahren eingeleitet werden", schrieb der Demokrat bei Twitter.

Trumps Ex-Anwalt hatte bereits im November 2018 gegenüber dem US-Bezirksgericht in New York zugegeben, über seine und Trumps geschäftliche Russlandkontakte gelogen zu haben. Laut Cohen hat er als Vizepräsident von Trumps Immobilienfirma noch mitten im Wahlkampf 2016 engen Kontakt zu russischen Vertrauensleuten und Mitarbeitern von Präsident Wladimir Putin unterhalten, um den möglichen Bau eines Trump-Apartmenthauses in Moskau voranzutreiben.

REUTERS

Michael Cohen, Donald Trump (Archivbild von September 2016)

Unter anderem kontaktierte er dafür im Frühsommer 2016 das Büro von Putins Pressesprecher. Sogar eine Russlandreise wurde geplant. Auch unterrichtete er Donald Trump und andere Mitglieder der Trump-Familie über den Fortgang des Projekts.

Trump versuchte im November, Cohen als Zeugen zu diskreditieren. Dieser sei ein notorischer Lügner und eine "schwache Person", sagte der Präsident. Zugleich versuchte er, die Sache herunterzuspielen: "Es gab ja das Risiko, dass ich die Wahl nicht gewinne. Dann wäre ich wieder in die Firma gegangen, warum sollte ich mir also Chancen für gute Geschäfte verbauen."

Laut "Buzzfeed" hat Sonderermittler Mueller mehr Beweise für die Anstiftung Trumps als nur Cohens Aussage. Demnach verfügten die Ermittler über zahlreiche Zeugenaussagen aus Trumps Unternehmen, interne Firmenmails, SMS und eine Reihe weiterer Dokumente.

SPIEGEL ONLINE

cte

Verwandte Artikel

Mehr im Internet

Artikel

© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung
TOP