Schrift:
Ansicht Home:
Politik

Streit mit NFL-Stars

Trumps Täuschungsmanöver

Die Attacken des Präsidenten gegen Spitzensportler spalten das Land. Für Trump erfüllen sie jedoch einen ganz anderen Zweck: Wenn alle über die Nationalhymne streiten, redet keiner über seine Probleme.

AFP

Donald Trump

Ein Kommentar von
Montag, 25.09.2017   15:43 Uhr

Es sind die großen Stars des amerikanischen Sports, mit denen sich Donald Trump diesmal angelegt hat: Stephen Curry und LeBron James, die Basketballspieler, Football-Asse wie Von Miller (Denver Broncos) und gut 200 seiner Kollegen sind empört über den Präsidenten. Mit ein paar Tweets hat Trump einen Streit ausgelöst, der das Land - wieder einmal - spaltet. Das Verrückte ist: Es geht gar nicht um Sport oder um die Nationalhymne. Zumindest nicht für Trump.

Trumps hasserfüllte Kommentare gegen Sportler, die bei der Nationalhymne niederknien, um gegen Rassismus und Polizeigewalt zu protestieren, haben nur einen simplen Zweck: Er will mit einer dröhnenden Debatte von seinem politischen Versagen in der konkreten Regierungsarbeit ablenken. Und man muss leider sagen, es funktioniert. Sie sind wieder alle auf den Präsidenten hereingefallen.

Der Präsident übertönt sein Versagen

Das ganze Land streitet über die alte Wunde Rassismus, über die Meinungsfreiheit, über emotionale Themen mit hohem Symbolgehalt, zu denen jeder eine Meinung hat. Das ist ganz in seinem Sinne: Kaum noch jemand redet darüber, dass dem Präsidenten eine ganze Serie von bitteren politischen Niederlagen droht.

Seine Mauer zu Mexiko, das große Projekt und Wahlversprechen, wird er vermutlich nicht so bald bauen können, wie er es eigentlich versprochen hat. Der letzte, verzweifelte Versuch der Republikaner, Trumps Wahlversprechen umzusetzen und die Gesundheitsreform "Obamacare" abzuschaffen, ist ebenfalls so gut wie tot. Am vergangenen Freitag erklärte Senator John McCain, dass er dagegen stimmen wolle. Seine Stimme könnte entscheidend sein. Kurz darauf startete Trump seinen Twitter-Sturm gegen die Sportler. Alles Zufall?

Am Dienstag wird in Alabama ein Kandidat für einen vakanten Senatsposten gewählt. Trump unterstützt den Establishment-Mann Luther Strange. Doch sein Favorit hat kaum noch Chancen, zu gewinnen. Ein radikaler rechter Außenseiter, unterstützt von Trumps ehemaligem Chefstrategen Stephen Bannon, wird vermutlich das Rennen machen. Trump droht eine weitere Blamage, die er offenbar übertönen will.

Das ist ihm einigermaßen gelungen. Trump diktiert den Medien, auch Twitter und Facebook, die Football-Agenda. Alle folgen ihm brav mit Sondersendungen und Liveinterviews aus den Stadien der Nation.

Ganz der alte nationalistische Krawallbruder

Der schöne Nebeneffekt für Trump: Mit seinen Hasskommentaren gegen die (zumeist schwarzen) Sportler kann er zugleich seiner Basis demonstrieren, dass er weiterhin der alte nationalistische Krawallbruder ist, den sie gewählt haben. Manch einer hatte schon die Befürchtung, Trump könnte wegen seiner punktuellen Zusammenarbeit mit den Demokraten vom "rechten" Weg abgekommen sein. Nun dürfte die republikanische Basis in Texas und Tennessee wieder glücklich sein.

Einmal mehr zeigt sich an diesem Fall Trumps ganzer Zynismus, seine eiskalte Berechnung. Er bricht seine Wahlversprechen, er scheitert als Präsident, er spaltet das Land. Aber das ist ihm völlig egal. Hauptsache, er gewinnt.

Video: Spitzensportler gegen Trump

Foto: AP
insgesamt 8 Beiträge
hansMontreal 25.09.2017
1. Eiskalte Berechnung
Na, da scheint ein Spon-Journalist zu kapieren, dass Donald Trump kein Irrer ist, sondern eiskalt berechnet. Wer sich gegen Leute stellt, die die amerikanische Flagge und Hymne beleidigen, kann nur gewinnen - ein leichtes Spiel [...]
Na, da scheint ein Spon-Journalist zu kapieren, dass Donald Trump kein Irrer ist, sondern eiskalt berechnet. Wer sich gegen Leute stellt, die die amerikanische Flagge und Hymne beleidigen, kann nur gewinnen - ein leichtes Spiel für Donald Trump, obwohl dies hier im Spon gestern noch völlig anders dargestellt wurde. Wieso die Niederlage eines republikanischen Establishment Kandidaten und der Sieg eines radikalen Aussenseiters eine Blamage sein soll, entzieht sich jedoch jeglicher Logik.Mit jedem Abschuss eines Establishment Republikaners konsolidiert Donald Trump seinen Präsidentschaft. In Deutschland sollte man nicht nur mit Wutschaum vor dem Mund wenn man über Donald Trump redet, sondern gelegentlich auch mal das Gehirn einschalten.
airfresh 25.09.2017
2. Stimme nicht zu
Mag ja sein, dass Trump das will. Mag ja sein, dass es ein paar Tage funktioniert. Da er aber in der Zwischenzeit keine Erfolge einfahren wird, geht es danach einfach weiter. Im ersten Jahr der Präsidentschaft schon auf Zeit zu [...]
Mag ja sein, dass Trump das will. Mag ja sein, dass es ein paar Tage funktioniert. Da er aber in der Zwischenzeit keine Erfolge einfahren wird, geht es danach einfach weiter. Im ersten Jahr der Präsidentschaft schon auf Zeit zu spielen ist ja nun wirklich nichts, was man irgendwie als genialen Schachzug hinstellen müsste...
rabbijakob 25.09.2017
3. Das stimmt.
Schmeiß dem dummen Volk ein paar Brocken hin, und sie zerfleischen sich selbst. Alter Trick....klappt immer wieder.
Schmeiß dem dummen Volk ein paar Brocken hin, und sie zerfleischen sich selbst. Alter Trick....klappt immer wieder.
w.diverso 25.09.2017
4. Ich war immer schon der Meinung,
dass Trump als Medienprofi speziell solche emotionalen Themen zur Ablenkung von seinen Russland-Geschichten benutzt. Ob es ihm langfristig nutzt ist eine andere Geschichte. Eigentlich wäre zu erwarten gewesen, dass er mehr [...]
dass Trump als Medienprofi speziell solche emotionalen Themen zur Ablenkung von seinen Russland-Geschichten benutzt. Ob es ihm langfristig nutzt ist eine andere Geschichte. Eigentlich wäre zu erwarten gewesen, dass er mehr versuchen würde die Glaubwürdigkeit der Untersuchungstruppe zu beschädigen. Aber scheinbar ist ihm ein direkter Angriff auf Mueller doch zu gefährlich. Aber warten wir ab, was Trump noch für Einfälle produzieren wird. Ihm ist zuzutrauen, dass er das mit einem Angriff auf Nordkorea, das aber hoffentlich doch nicht mit taktischen Atombomben, sich als großer Retter Amerikas hinstellen will, der doch nicht mit solchen Kleinigkeiten wie ein paar Besprechungen mit russischen Agenten belästigt werden darf.
Celestine 25.09.2017
5.
Na ja, so ganz wird die Rechnung wohl doch nicht aufgehen. Denn noch ist nichts entschieden, weder beim Health Care noch bei der Wahl in Alabama. In der schnellebigen Medienwelt sind das in nur ein paar Tagen yesterday's news, und [...]
Na ja, so ganz wird die Rechnung wohl doch nicht aufgehen. Denn noch ist nichts entschieden, weder beim Health Care noch bei der Wahl in Alabama. In der schnellebigen Medienwelt sind das in nur ein paar Tagen yesterday's news, und nichts ist älter als das. Die Amerikaner werden sehr genau darauf achten, was aus "repeal and replace" werden soll, schließllich geht es um ein Thema, bei welchem es um Leben und Tod geht, wortwörtlich. Aber vielleicht fällt dem Trump noch eine richtig ausgeflippte, närrische Geschichte ein, oder er lässt eine kleine Bombe östlich von Nordkorea im Meer hochgehen. ;-) Ich traue diesem Mann jeden Irrsinn zu, wenn es darum geht, sein riesiges Ego zu befriedigen.

Verwandte Artikel

Artikel

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung
TOP