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Politik

Krise am Persischen Golf

Amerikas brandgefährliches Kräftemessen mit Iran

Die USA rüsten in der Golfregion massiv auf, die Geheimdienste befürchten offenbar Anschläge. Iran hat eine teilweise Abkehr vom Nuklearabkommen mit dem Westen verkündet. Wie groß ist die Kriegsgefahr?

Foto: AFP PHOTO / HO / IRANIAN PRESIDENCY
Von , Washington
Mittwoch, 08.05.2019   05:02 Uhr

Mehr diplomatisches Drama geht kaum: Erst sagte US-Außenminister Mike Pompeo völlig überraschend eine Visite in Berlin ab, "aufgrund dringender Angelegenheiten", wie es hieß. Dann flog er mit seinem Flugzeug von Finnland aus zu einem geheimen Ziel. Und plötzlich tauchte er nach mehreren Stunden wieder auf: in Bagdad. Dort traf sich Pompeo mit irakischen Regierungsvertretern.

Die Hauruck-Aktion passt zur derzeitigen Politik der US-Regierung im Nahen und Mittleren Osten. Präsident Donald Trump, Außenminister Pompeo und ihre Berater schalten in den Krisenmodus: Schritt für Schritt scheinen die USA auf eine weitere Eskalation des Konflikts mit Iran zuzusteuern. Sogar eine direkte militärische Auseinandersetzung ist nicht mehr ausgeschlossen.

Es ist ein brandgefährliches Pokerspiel: Mit immer schärferer Rhetorik und immer härteren Sanktionen will Washington dem Regime in Teheran seinen Willen aufzwingen. Teheran wiederum schaltet - noch - auf stur.

Der Forderungskatalog der Amerikaner ist lang: Iran soll nicht nur sofort die massive Einmischung in regionale Konflikte wie im Jemen oder in Syrien beenden, sondern auch der Entwicklung von ballistischen Raketensystemen abschwören. Ziel sei es, dass sich Iran endlich wie eine "normale Nation" verhalte, sagt Pompeo.

Öl-Sanktionen setzen Teheran zu

Iran gerät durch die Sanktionen spürbar unter Druck. Vor allem die Entscheidung der USA, vom 1. Mai an praktisch den gesamten Ölhandel des Landes zu blockieren, setzt den Mullahs zu. Die Iraner halten gleichwohl weiter dagegen: Man werde sich vor "wirtschaftlichem Terrorismus" zu schützen wissen, heißt es aus Teheran trotzig.

Heute hat Irans Präsident Hassan Rohani eine erste - wenn auch sehr begrenzte - Abkehr seines Landes von dem Nuklearabkommen verkündet, das sein Land noch unter Präsident Barack Obama unterzeichnet hatte. Nachdem sich die USA unter Donald Trump vor genau einem Jahr einseitig aus dem Nukleardeal verabschiedet hatten, wollte Iran zunächst eigentlich voll und ganz an der Vereinbarung festhalten. Doch damit ist nun Schluss.

Zwar werde man sich weiterhin im Grundsatz an das Abkommen halten, sagte Irans Außenminister Mohammad Zarif. Jedoch sollten einige "freiwillige" Zusagen seiner Regierung in dem Abkommen zurückgenommen werden.

Carlo Allegri/ REUTERS

Irans Außenminister Mohammad Zarif

Dazu passt, dass sowohl in Teheran als auch in Washington das Säbelrasseln immer lauter wird. In Iran drohen Offizielle in diesen Tagen damit, die für den weltweiten Ölhandel wichtige Straße von Hormus zu blockieren. Als der Nachbarstaat Bahrain jüngst Protest dagegen anmeldete, erklärte ein iranischer Regierungsvertreter auftrumpfend, das kleine Land solle sich gefälligst nicht mit einem Staat anlegen, "der viel größer ist".

Die Amerikaner wiederum haben den Flugzeugträger Abraham Lincoln und mehrere Begleitschiffe vom Mittelmeer an den Persischen Golf verlegt. Der Einsatz war wohl bereits seit längerer Zeit geplant, wurde nun aber beschleunigt. Außerdem sollen zusätzliche US-Bomber vom Typ B-52 in der Region stationiert werden.

Plant Teheran Anschläge?

Die genauen Hintergründe für die militärische Machtdemonstration der Amerikaner sind unklar. Stück für Stück sickern auf amerikanischer Seite jedoch Informationen über angebliche Geheimdiensterkenntnisse durch, nach denen Iran oder mit Iran verbündete Gruppierungen Angriffe auf amerikanische Einrichtungen in der Region planen sollen. Konkret wurde im US-Sender CNN über die Lieferung von Raketen auf Segelbooten aus Iran in Richtung Irak berichtet. Im Irak gibt es mehrere von Iran unterstützte Milizen, gleichzeitig sind dort immer noch insgesamt 5000 US-Soldaten stationiert.

Beim Blitzbesuch von US-Außenminister Mike Pompeo ging es deshalb wohl auch darum, die irakische Regierung über die amerikanischen Geheimdiensterkenntnisse ins Bild zu setzen. Der Irak solle in die Lage versetzt werden, die Amerikaner im Land ausreichend zu schützen, sagte Pompeo.

Die Amerikaner lassen keinen Zweifel daran, dass sie im Falle eines Angriffs auf US-Einrichtungen in der Region sofort mit einem Vergeltungsschlag reagieren würden. Daraus könnte sich innerhalb kürzester Zeit ein Krieg entwickeln. Vor allem der Sicherheitsberater im Weißen Haus, John Bolton, gilt seit Langem als Anhänger einer besonders harten Linie gegenüber dem Regime in Teheran. Ihm ist zuzutrauen, dass er wohl vor einem Waffengang nicht zurückschrecken würde.

AFP

Donald Trump und John Bolton im Weißen Haus

Ob am Ende auch sein Chef Donald Trump zu einem Großkonflikt bereit wäre, darf bezweifelt werden. Auch Trump weiß: Ein Krieg in der hochsensiblen Region würde die globale Wirtschaft massiv erschüttern und könnte so auch den Aufschwung in den USA gefährden.

Zudem hat Trump bereits in seinem Wahlkampf immer wieder deutlich gemacht, dass er von militärischen Aktionen der USA im Grundsatz nichts hält. Seine Anhänger sind - wie die meisten Amerikaner - eher kriegsmüde.

Allerdings sollte sich auch niemand allzu sicher sein, dass Trump gegenüber Iran nur blufft. Wenn bei ihm eine Sache berechenbar ist, ist es seine Unberechenbarkeit. Das wissen sie auch in Teheran.

insgesamt 205 Beiträge
bernteone 08.05.2019
1. Und immer wieder Bolton
der den UN Sicherheitsrat nur mut einem Land besetzen möchte und der wirklich glaubt die USA könnten einen nuklearen Erstschlag gegen die Russen gewinnen . Der hat nur Krieg im Kopf , der Rest der Welt ist ihm.egal . Der Iran [...]
der den UN Sicherheitsrat nur mut einem Land besetzen möchte und der wirklich glaubt die USA könnten einen nuklearen Erstschlag gegen die Russen gewinnen . Der hat nur Krieg im Kopf , der Rest der Welt ist ihm.egal . Der Iran ist in meinen Augen keine größe Gefahr wie Saudi Arabien , die ihre Weltanschauung aggressiv in der Welt verbreiten . Der 1 bekommt Waffen , sogar nuklear Technologie und der andere wir als Teufel gebranntmarkt . Bei einem Krieg wird die Region auf Jahrzehnte in Chaos und Gewalt versinken . Wahrscheinlich ist genau das was Amerika will . Der Ölpreis steigt , die Schutzmacht USA wird gebraucht , Waffengeschäfte . Ist wie Schutzgelderpressung im großem Stil .
rosinenzuechterin 08.05.2019
2. Schurkenstaat USA
Nun sind aber endgültig die USA der Schurkenstaat, nicht der Iran. Man stelle sich mal den selben Konflikt mit vertauschten Akteuren vor und die eigene Blickweise darauf auf den Prüfstand!
Nun sind aber endgültig die USA der Schurkenstaat, nicht der Iran. Man stelle sich mal den selben Konflikt mit vertauschten Akteuren vor und die eigene Blickweise darauf auf den Prüfstand!
rgw_ch 08.05.2019
3. Chance packen
Die einzige Chance, die der Iran hat, einen US-Überfall nach dem Muster Iraks zu vermeiden, ist eine glaubwürdige atomare Abschreckung. Und Europa sollte sehr deutlich machen, dass es diesmal nicht auf der Seite des Aggressors [...]
Die einzige Chance, die der Iran hat, einen US-Überfall nach dem Muster Iraks zu vermeiden, ist eine glaubwürdige atomare Abschreckung. Und Europa sollte sehr deutlich machen, dass es diesmal nicht auf der Seite des Aggressors steht, um nicht selber zum Ziel schlecht gezielter Vergeltungsaktionen zu werden.
JDR 08.05.2019
4.
Es soll ja Menschen gegeben haben, die davor warnten, dass "Peace for our time" den zugehörigen Präsidenten nur kurz überleben könnte. Das iranische Atomwaffenprogramm wurde nur energisch angegangen, weil eine Nation [...]
Es soll ja Menschen gegeben haben, die davor warnten, dass "Peace for our time" den zugehörigen Präsidenten nur kurz überleben könnte. Das iranische Atomwaffenprogramm wurde nur energisch angegangen, weil eine Nation immer wieder behauptet hat, dass es existierte. Das wollte am Anfang niemand glauben. Und die Betonung liegt hier auf "wollte". Als die Beweise eindeutig waren, wurde der Druck ausreichend, um die Iraner zum einknicken zu bewegen - sie legten das Programm auf Eis - aber an der entscheidenden Stelle war man bereit, für einen kurzen Freeze genau jene Nation auszuschließen, welche von Anfang an mit jeder Behauptung recht behalten hatte. Präsident Trump ist definitiv zum Krieg bereit. Wer immer noch glaubt, dass er nur blufft und pokert, hat in seiner ganzen bisherigen Amtszeit fest die Augen verschlossen. Die Iraner haben Bahrain gedroht. Ein weiser Mann sollte immer Ratschläge geben, welche er auch selbst befolgen würde. Teheran zuckt gerne zurück, wenn es erwischt wurde, um es dann sofort auf andere Art neu zu versuchen. Es sollte sich keine Illusionen machen: Werden die Vereinigten Staaten von Amerika angegriffen, schlagen sie zurück. Und unter Präsident Trump bedeutet das nicht einen monatelangen Slalom durch UN Institutionen. Dass Präsident Trump das Regime in Teheran direkt für die Handlungen seiner Vasallen verantwortlich zu machen bereit ist, ist ein großer Fortschritt. Müsste man wetten, wäre die erste Annahme, dass Teheran nicht so dumm ist, den Krieg gegen eine Weltmacht zu beginnen. Aber das Regime hat Gründe, Krieg zu wollen. Und viele Kriege haben schon mit wesentlich geringeren Ursachen begonnen.
turiman 08.05.2019
5. Krieg für die Wiederwahl 2020?
So sehr dem iranischen Volk eine Regierung zu wünschen ist die sie nicht unterdrückt, alles Geld in die eigne Tasche stopft oder Hamas etc. unterstützt, liegt doch der Grund für die Eskalation Kinder US Innenpolitik, wer wäre [...]
So sehr dem iranischen Volk eine Regierung zu wünschen ist die sie nicht unterdrückt, alles Geld in die eigne Tasche stopft oder Hamas etc. unterstützt, liegt doch der Grund für die Eskalation Kinder US Innenpolitik, wer wäre der Nutznießer eines Krieges, Trump der seine Zusagen gegenüber der Saudis einhalten kann, der aber vor allem sich dem Druck innenpolitisch entziehen kann. Trump ist kein Freund des iranischen oder sonstigen Volkes, er ist eigentlich nur einer der sich selber über alles liebt, wenn er könnte würde er die USA abschaffen und sich bis zu seinem Tod krönen! Er ist ein brandgefährlicher Mensch, nicht nur für die Region sondern für die ganze Welt

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