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Politik

Twitter-Tiraden, Börse auf Talfahrt, Haushaltsstreit

Trump allein zu Haus

Streit mit Noch-Verteidigungsminister Mattis, sinkende Börsenkurse angesichts der Haushaltsdebatte mit den Demokraten: US-Präsident Trump ist umgeben von Problemen - und mokiert sich über seine Einsamkeit im Weißen Haus.

AP

Weißes Haus

Montag, 24.12.2018   21:19 Uhr

US-Präsident Donald Trump schlägt Weihnachten offenbar aufs Gemüt. Eigentlich wollte er in Florida sein, mit seiner Familie dort die Feiertage verbringen, golfen gehen. Stattdessen sitzt er nun in Washington fest. Der Grund: Wegen eines erbitterten politischen Streits ist der Haushalt für mehrere Bundesministerien blockiert. Das bedeutet Stillstand in Teilen der Regierung. Der Präsident musste deshalb seinen Florida-Trip absagen.

"Ich bin ganz allein (ich Armer) im Weißen Haus und warte darauf, dass die Demokraten zurückkommen und eine Vereinbarung treffen zur dringend nötigen Grenzsicherung", schrieb Trump auf Twitter. Dass der Präsident die Eskalation selbst ausgelöst hat, weil er sich weigerte, ein Haushaltsgesetz zu unterzeichnen, wenn darin nicht Milliarden für eine Mauer an der Grenze zu Mexiko enthalten sind - das verschwieg Trump. Er gibt seit Tagen den oppositionellen Demokraten die Schuld für den Stillstand.

Überhaupt nutzte der Präsident die unverhoffte zusätzliche Zeit im Weißen Haus am Wochenende und am Montag, um ausgiebig per Twitter Frust abzulassen und auszuteilen - gegen die Demokraten, gegen die Medien, gegen Andersdenkende, gegen die US-Notenbank Fed, gegen Leute aus seiner Administration, die das Weite suchen.

Der Ausverkauf an den US-Börsen setzt sich derweil fort. Die Anleger seien wegen der jüngsten Entwicklungen in Washington verunsichert, sagten Händler. Kurzfristig einberufene Beratungen von Finanzminister Steven Mnuchin mit einer Krisengruppe aus Vertretern von Aufsichtsbehörden verstärkten die Befürchtungen noch.

Der schwärzeste Dezember seit 1931

Der Standardwerteindex Dow-Jones-Index schloss in einer vor Weihnachten verkürzten Handelszeit 2,9 Prozent tiefer bei 21.792 Punkten. Der breiter gefasste S&P 500 verlor 2,7 Prozent auf 2351 Zähler. Der Index der Technologiebörse Nasdaq büßte 2,2 Prozent auf 6192 Stellen ein. Allerdings war das Handelsaufkommen in der vor Weihnachten auf dreieinhalb Stunden verkürzten Börsenzeit deutlich geringer als sonst. Der Wall Street droht damit aber weiter der schwärzeste Dezember seit 1931 in Zeiten der damaligen Weltwirtschaftskrise.

Die "Washington Post" schrieb, nach der Absage seines Florida-Trips habe Donald Trump indessen das Wochenende damit verbracht, Stunden und Stunden Fernsehen zu schauen und sich über die Berichterstattung zu ärgern.

"Es wird repariert"

Trump teilt auch erneut gegen seinen Noch-Verteidigungsminister James Mattis aus. Der habe die internationale Dynamik hinter der militärischen Rolle der USA in der ganzen Welt nicht erkannt, erklärte Trump auf Twitter. "Wir subventionieren die Militärs vieler sehr reicher Länder auf der ganzen Welt erheblich, während diese Länder gleichzeitig die USA und unsere Steuerzahler im Handel völlig ausnutzen", schrieb Trump in seiner Kurznachricht.

"General Mattis sah darin kein Problem. Ich schon, und es wird repariert." Trump kritisiert seit langem, dass es in Militär- und Wirtschaftsfragen ein Ungleichgewicht mit US-Verbündeten wie etwa Deutschland zulasten der USA gebe.

Mattis hatte wegen Differenzen mit Trump über dessen Plan für einen Abzug der US-Truppen aus Syrien seinen Rücktritt erklärt, aber zugleich angeboten, noch zwei Monate im Amt zu bleiben. Trump kündigte aber am Sonntag an, Mattis schon zum 1. Januar zu ersetzen. Vizeminister Patrick Shanahan soll den Posten kommissarisch übernehmen.

Trumps turbulente Weihnachten könnten sich immerhin privat zum Guten wenden: Das Weiße Haus hatte mitgeteilt, dass First Lady Melania Trump, die schon nach Florida vorausgereist war, nach Washington zurückkommen werde, um die Feiertage mit ihrem Mann zu verbringen. Ganz allein muss Trump Weihnachten also nicht feiern. Ein Gefühl politischer Vereinsamung kann sich freilich trotzdem einstellen. Vor allem wenn das Jahr derart ungeschmeidig zu Ende geht wie für Trump. Er ist umgeben von Problemen.

tin/dpa/Reuters

insgesamt 64 Beiträge
rantanplan12 25.12.2018
1. Trump ist nicht
nur umgeben von Problemen sondern als Hauptproblem meist die Ursache dieser Lage.
nur umgeben von Problemen sondern als Hauptproblem meist die Ursache dieser Lage.
claus7447 25.12.2018
2. Da kann man ihm nur wünsche:
MERRY CHRISTMAS Selbst eingebrockt.
MERRY CHRISTMAS Selbst eingebrockt.
User2177 25.12.2018
3.
Dieser Präsident ist nicht umgeben von Problemen, er ist das Problem. Und wie ein kleines Kind sucht er die Ursache bei allen Anderen. Die Folgen: Stillstand im Land, die Bevölkerung tief gespalten. Putin sitzt sicher grinsend [...]
Dieser Präsident ist nicht umgeben von Problemen, er ist das Problem. Und wie ein kleines Kind sucht er die Ursache bei allen Anderen. Die Folgen: Stillstand im Land, die Bevölkerung tief gespalten. Putin sitzt sicher grinsend unterm Weihnachtsbaum, sein Plan ist aufgegangen. 'Make America Great Again', dass ich nicht lache!
verständigerBeobachter 25.12.2018
4. Trump, der Verkannte
Klar, in Stilfragen kann man als Europäer über Trump nur den Kopf schütteln - aber eine Mehrheit der Amerikaner hat damit offenbar keine Probleme. Man sollte sich davon allein aber nicht verleiten lassen. Die großen [...]
Klar, in Stilfragen kann man als Europäer über Trump nur den Kopf schütteln - aber eine Mehrheit der Amerikaner hat damit offenbar keine Probleme. Man sollte sich davon allein aber nicht verleiten lassen. Die großen Trump-Aufreger dieser Tage, nämlich die Themen Mauer und Truppenabzug, sind nichts anderes als der Versuch, schon längst bekannte Wahlversprechen umzusetzen. Bei Lichte betrachtet macht Präsident Trump (von Stilfragen abgesehen und zumindest im Ergebnis) sogar manches richtig. Und es ist doch gerade zu aberwitzig, dass nahezu die gesamte Presse den Truppenabzug kritisiert, obwohl gerade im Fall von Afghanistan viele dieser Stimmen die Entscheidung zum Militäreinsatz seinerzeit heftig kritisiert hatten. Klar, kann man Trumps Einstellung zu Bündnissen kritisieren. Wahr ist aber auch, dass längst nicht jede Bündnisaktion richtig, sondern gerade im nahen und mittleren Osten vermutlich sogar die meisten dieser Entscheidungen in den letzten Jahrzehnte falsch waren. Weniger US-Präsenz tut der Welt eher gut als schlecht.
holzspalter-1 25.12.2018
5. Trump Logik
wenn er twittert "Wir subventionieren die Militärs vieler sehr reicher Länder auf der ganzen Welt erheblich, während diese Länder gleichzeitig die USA und unsere Steuerzahler im Handel völlig ausnutzen" [...]
wenn er twittert "Wir subventionieren die Militärs vieler sehr reicher Länder auf der ganzen Welt erheblich, während diese Länder gleichzeitig die USA und unsere Steuerzahler im Handel völlig ausnutzen" unterschlägt er total im Glauben, dass seine Anhänger samt und sonders sooo dumm sind, diesen Unsinn zu glauben. Nach dem 2. Weltkrieg hat sich Amerika zum Weltherrscher aufgemacht, mit allen Mitteln. Notfalls auch durch Kriegsführung. Das wollen allerdings unsere Atlantiker nicht wahrhaben. Amerika hat aus reinster Nächstenliebe seine Politik betrieben. Wer daran glaubt, ist selbst Schuld. Nun hat sich allerdings die Weltlage verändert. Amerika ist nicht mehr der selbst ernannte Weltherrscher, dem alle zu folgen haben. Nun sind alle Schuld, denn alle haben Amerika ausgenutzt? Ich persönlich kann das kranke Geschwätz nicht mehr hören. Leider ist es gefählich. Will er einen 3. Weltkrig anzetteln, wenn selbst Europäer FEINDE sind? Wer fällt diesem kranken Mann in den Arm???

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