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Politik

US-Regierung

Was hinter dem Abgang von John Bolton steckt

Der Nächste, bitte: Donald Trump trennt sich von seinem Sicherheitsberater. In wichtigen Fragen der Außen- und Sicherheitspolitik waren beide seit Langem zerstritten - am Ende kam es offenbar zum Eklat.

Foto: Carlos Barria/ REUTERS
Von , Washington
Mittwoch, 11.09.2019   04:43 Uhr

In Washington haben sie schon fast aufgehört zu zählen. Wie viele Minister, Berater, persönliche Referenten hat US-Präsident Donald Trump in seiner Amtszeit jetzt gefeuert oder verloren?

Es ist eine halbe Armee, und nun hat Trump schon wieder einen Sicherheitsberater verschlissen, es ist der Dritte. John Bolton ist raus.

Erneut zeigt sich, Kontinuität, verlässliche Regierungsführung, all dies sind Fremdwörter in einem Weißen Haus, in dem die Unberechenbarkeit Programm ist. Typisch auch, dass es jetzt wieder einmal unterschiedliche Versionen über die Umstände von Boltons Demission gibt.

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Prominente Abgänge der Trump-Regierung: Und raus bist du

Trump verkündete via Twitter, er habe mit Bolton in vielen Punkten keine Übereinstimmung gefunden. Er habe ihn daher am Montag "um den Rücktritt gebeten", seine Dienste seien im Weißen Haus nicht länger "notwendig". Daraufhin habe Bolton dann abgedankt.

Bolton dagegen erklärte, er habe Trump am Montag seinen Rücktritt von selbst angeboten und der Präsident habe daraufhin geantwortet: "Lass uns darüber morgen reden." Er habe dann eine Nacht darüber geschlafen und am Dienstagmorgen sein Rücktrittsschreiben übersandt.

Heftiger Streit über Afghanistan

Wie auch immer: Offenbar waren die beiden kurz zuvor bei einer Besprechung heftig aneinandergeraten. Nach US-Medienberichten soll es bei dem Streit um Trumps Plan gegangen sein, am vergangenen Wochenende Friedensgespräche mit den Taliban auf dem Landsitz des Präsidenten abzuhalten, Camp David. Also ausgerechnet wenige Tage vor dem 11. September, dem Jahrestag des Angriffs auf das World Trade Center.

Der Gipfel wurde von Trump zwar wieder abgesagt. Aber danach fanden sich in der US-Presse auffällig viele Hinweise, dass Bolton Trump dringend von dem Treffen abgeraten habe, weil er die ganze Sache von Anfang an für eine Schnapsidee gehalten habe.

Die Berichte waren zusätzlich mit vielen bunten Details versehen. Das kann Trump, der kaum etwas mehr hasst, als Durchstechereien aus seinem engsten Zirkel, kaum gefallen haben. Vermutlich hatte er hier den eigenen Sicherheitsberater oder dessen Entourage als Informanten unter Verdacht.

Im Video: Und plötzlich war John Bolton weg

So endet nach nicht einmal zwei Jahren eine merkwürdige Allianz, auf der von Beginn an kein Segen lag. Trump und Bolton, das passte einfach nicht zusammen.

Der Präsident, der versprochen hatte, das militärische Engagement der USA weltweit massiv zurückzufahren und Probleme mit anderen Staaten durch geniale "Deals" zu lösen, erschien in vielen außenpolitischen Fragen wie der genaue Gegenentwurf zu Bolton.

Es passte einfach nichts zusammen

Der Mann mit dem auffälligen Schnauzer ist ein "Falke" durch und durch. Sein Glaube an die Bereitschaft von Staaten wie Russland, Iran oder Nordkorea, mit den USA nette "Deals" zu machen, ist begrenzt. Ebenso wenig traut er den Taliban über den Weg. Grundsätzlich hält er den harten Einsatz militärischer Macht und die Einmischung in die inneren Angelegenheiten anderer Länder für die besseren Mittel, um die Interessen der USA weltweit durchzusetzen.

Zunächst soll Trump den augenscheinlichen Widerspruch noch amüsant gefunden haben. Wenn es allein nach Bolton ginge, hätten die USA wohl schon vier Kriege angefangen, soll Trump gewitzelt haben. Doch die unterschiedlichen Ansichten wurden über die Zeit immer augenfälliger und problematischer. Bolton, der eigentlich der wichtigste Berater des Präsidenten in allen Fragen der Außen- und Sicherheitspolitik sein sollte, war die meiste Zeit mit seinem Boss über Kreuz:

Wie geht es nach dem Abgang des Hardliners Bolton nun weiter? Schon in der kommenden Woche will Trump einen neuen Sicherheitsberater vorstellen. Im Gespräch sind Diplomaten aus der zweiten und dritten Reihe. Fest steht: Der Abgang von Bolton dürfte den Einfluss von Außenminister Mike Pompeo stärken. Er gilt als braver Anhänger des Präsidenten, der seinem Herrn nur selten widerspricht. Mit Bolton lag er in einer Dauerfehde.

Der Präsident dürfte nun erst recht darauf setzen, außenpolitische Probleme mit "Deals" zu lösen, auch wenn er so zumindest bislang noch keine wirklichen Lösungen zustande gebracht hat. Schon gibt es Gerüchte, Trump wolle sich Ende September am Rande der Uno-Sitzungswoche in New York mit dem iranischen Präsidenten Hassan Rohani zu Friedensgesprächen treffen.

Allein die Vorstellung ist für John Bolton mit Sicherheit ein Graus.

insgesamt 153 Beiträge
chillimarie 11.09.2019
1.
Trump und seine Hire-and-Fire Personalpolitik sind eine Katastrophe. Aber in diesem Fall - höchste Zeit dass Bolton weg ist. Augen auf bei der Personalwahl!
Trump und seine Hire-and-Fire Personalpolitik sind eine Katastrophe. Aber in diesem Fall - höchste Zeit dass Bolton weg ist. Augen auf bei der Personalwahl!
benutzer1000 11.09.2019
2. Wer nicht spurt fliegt.
Das ist Amerika, hire and fire. Kontinuität und verlässliche Regierungsführung macht doch Trump. Er trennt sich von allen, die seine Wahlversprechen nicht umsetzen wollen. Kein Gemauschel hinter verschlossenen Türen und [...]
Das ist Amerika, hire and fire. Kontinuität und verlässliche Regierungsführung macht doch Trump. Er trennt sich von allen, die seine Wahlversprechen nicht umsetzen wollen. Kein Gemauschel hinter verschlossenen Türen und wegloben von unbequemen Mitarbeitern.
casper2019 11.09.2019
3. Keine Überraschung
Also ich hatte schon erwartet das es dazu kommen wird. Trump will die Konflikte mit Deals Bolton mit Kriege lösen. Ende September wäre es zu erwarten das Trump mit İran 'einen Vertrag' macht. Die Türkei ist jetzt [...]
Also ich hatte schon erwartet das es dazu kommen wird. Trump will die Konflikte mit Deals Bolton mit Kriege lösen. Ende September wäre es zu erwarten das Trump mit İran 'einen Vertrag' macht. Die Türkei ist jetzt vorgerückt und İran kann tief atmen. Die US-Präsidentschaftswahlen 2020 werden zeigen ob das Volk zufrieden ist. Die Demokraten können mit einen neuen und jungen Kandidat Trump/Republikaner schlagen.
thequickeningishappening 11.09.2019
4. Ein bisschen Frieden
Genießen wir es solange es anhält. Vielleicht braucht Herr Trump ja starke Egos um sich abzureagieren. Bei Bolton hat es definitiv Den Richtigen getroffen!
Genießen wir es solange es anhält. Vielleicht braucht Herr Trump ja starke Egos um sich abzureagieren. Bei Bolton hat es definitiv Den Richtigen getroffen!
msc75 11.09.2019
5. Offensichtlich hat Trumph Angst …
… denn wahrscheinlich weiß er, dass er vom Krieg wirklich keine Ahnung hat und lässt es lieber. Tote GI's können die Stimmung zu Hause schnell kippen lassen. Und Krieg kostet eine Menge Geld. Alles gegen seine [...]
… denn wahrscheinlich weiß er, dass er vom Krieg wirklich keine Ahnung hat und lässt es lieber. Tote GI's können die Stimmung zu Hause schnell kippen lassen. Und Krieg kostet eine Menge Geld. Alles gegen seine Grundüberzeugung "Was geht mich fremdes Elend an?". Dadurch wird sein ständiges Säbelgerassel zwar noch unglaubwürdiger, aber das ist wahrscheinlich die erste Eigenschaft an ihm, die ich gut finde…

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