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Politik

EU-Austritt

Tony Blair fordert zweites Brexit-Referendum

Der britische Ex-Premier Tony Blair hält den Austritt Großbritanniens aus der EU für katastrophal - und hat einen Vorschlag: Die Briten sollten einfach noch einmal abstimmen.

Getty Images/ Starkey Hearing

Tony Blair, britischer Ex-Premier

Freitag, 28.10.2016   17:12 Uhr

Der frühere britische Regierungschef Tony Blair hat die Möglichkeit eines zweiten Brexit-Referendums ins Spiel gebracht. Die Entscheidung der Briten Ende Juni, aus der EU auszutreten, sei eine Katastrophe, sagte der Labour-Politiker Blair dem Sender BBC.

Wenn deutlich werde, was ein Ausscheiden tatsächlich bedeute, solle man die Menschen nochmals entscheiden lassen, "entweder durch das Parlament oder eine Wahl oder möglicherweise durch ein weiteres Referendum", forderte Blair. 16 Millionen Menschen hätten für einen Verbleib in der EU gestimmt, die dürfe man nicht ignorieren, so Blair.

Blair sagte weiter, er sei überzeugt, dass die Verhandlungen "sehr, sehr hart" würden. Diejenigen, mit denen Großbritannien verhandle, seien "die politischen Führer der EU und ihrer Parlamente". Blair war von 1997 bis 2007 britischer Regierungschef. Laut BBC kündigte der Politiker jüngst an, seine privatwirtschaftlichen Aktivitäten einstellen und sich nur noch ehrenamtlicher Arbeit zu widmen.

Die Tory-Regierung von Premierministerin Theresa May lehnt eine zweite Volksabstimmung kategorisch ab. Ein Sprecher der Regierung wies Blairs Äußerungen entschieden zurück. "Die Premierministerin hat sich sehr deutlich ausgedrückt", sagte er. "Die Briten haben gesprochen, wir hören zu, wir werden die EU verlassen." Tony Blair spreche nur für sich selbst. "Brexit heißt Brexit", lautet Mays Slogan. Erst am Dienstag hatte die britische Zeitung "The Guardian" allerdings berichtet, May habe sich vor dem Pro-Brexit-Votum leidenschaftlich gegen den Ausstieg aus der EU ausgesprochen. Nach dem Rücktritt von Premier David Cameron bildete May eine neue Tory-Regierung. Darin band die frühere Innenministerin mehrere Brexit-Befürworter ein.

Die Austrittsverhandlungen mit der EU will May bis spätestens Ende März beginnen. Bei dem historischen Referendum am 23. Juni stimmten knapp 52 Prozent der Briten für einen EU-Austritt.

cht/dpa

insgesamt 208 Beiträge
alois.hingerl 28.10.2016
1. ein krudes Demokratieverständnis
"Man dürfe die 16 Millionen Menschen, die für eine Verbleib in der EU gestimmt hatten, nicht ignorieren." Besser man ignoriert die, die gegen einen Verbleib gestimmt haben; war ja nur die einfache Mehrheit ...
"Man dürfe die 16 Millionen Menschen, die für eine Verbleib in der EU gestimmt hatten, nicht ignorieren." Besser man ignoriert die, die gegen einen Verbleib gestimmt haben; war ja nur die einfache Mehrheit ...
ackergold 28.10.2016
2.
England kann gehen, Schottland, Wales und Nordirland bleiben, denn dort haben riesige Mehrheiten für den Verbleib gestimmt. Gehen wollte eigentlich nur die dumme Landbevölkerung, weil die Angst vor den Polen haben.
Zitat von alois.hingerl"Man dürfe die 16 Millionen Menschen, die für eine Verbleib in der EU gestimmt hatten, nicht ignorieren." Besser man ignoriert die, die gegen einen Verbleib gestimmt haben; war ja nur die einfache Mehrheit ...
England kann gehen, Schottland, Wales und Nordirland bleiben, denn dort haben riesige Mehrheiten für den Verbleib gestimmt. Gehen wollte eigentlich nur die dumme Landbevölkerung, weil die Angst vor den Polen haben.
jjcamera 28.10.2016
3. Probleme
Das Grundproblem der Demokratie: die klugen Menschen sind immer in der Minderheit. Das gilt praktisch für jedes Land.
Das Grundproblem der Demokratie: die klugen Menschen sind immer in der Minderheit. Das gilt praktisch für jedes Land.
i.dietz 28.10.2016
4. Klar, es wird so lange gewählt
bis das Ergebnis stimmig ist ?!
bis das Ergebnis stimmig ist ?!
Sandlöscher 28.10.2016
5. Das letzte Wort
Zu diesem Thema ist noch längst das letzte Wort nicht gesprochen. Spätestens, wenn die Einheit des UK in Gefahr gerät, wird es richtig Interessant.
Zu diesem Thema ist noch längst das letzte Wort nicht gesprochen. Spätestens, wenn die Einheit des UK in Gefahr gerät, wird es richtig Interessant.

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