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Politik

Neue Balkanroute

Kroatien meldet Ankunft Tausender Flüchtlinge

Ungarns Abschottungspolitik wirkt sich massiv auf die Lage in Kroatien aus. Rund 5600 Flüchtlinge sind bereits in dem Balkanstaat angekommen - deutlich mehr, als die Regierung in Zagreb erwartet hatte.

Donnerstag, 17.09.2015   11:24 Uhr

Kroatische Reporter melden aus dem Grenzort Tovarnik: "Hier ist es ganz schön voll geworden." Nach der Abriegelung der serbisch-ungarischen Grenze trafen schon rund 5600 Menschen in dem Balkanland ein, das zur EU gehört. Das berichtete das öffentlich-rechtliche Fernsehen HRT am Donnerstag in Zagreb unter Berufung auf das nationale Rote Kreuz. Weitere 4000 würden in den kommenden Tagen erwartet. Die Zahl der ankommenden Flüchtlinge ist damit höher, als von der Regierung erwartet.

Am frühen Morgen wurden 800 Flüchtlinge von Tovarnik an der Grenze zu Serbien mit dem Zug nach Dugo Selo östlich von Zagreb gebracht. Dort sollen sie in einem Erstaufnahmezentrum unterkommen.

Nach der Schließung der ungarischen Grenze zu Serbien hatte Kroatiens Premier Zoran Milanovic erklärt, sein Land werde die Menschen auf ihrem Weg in den Westen Europas ungehindert passieren lassen. Sollte es notwendig werden, werde in Absprache mit Slowenien ein Korridor in Richtung Österreich eingerichtet, sagte der kroatische Innenminister Ranko Ostojic.

Die Flüchtlinge versuchen von Griechenland kommend, durch Kroatien über die sogenannte Balkanroute nach Mittel- und Nordeuropa zu gelangen. Ungarn war bisher Haupt-Transitland auf der Flüchtlingsroute über den Balkan. Zu Wochenbeginn hatte das Land jedoch seine Grenze zu Serbien abgeriegelt. Die in Serbien Festsitzenden suchen deshalb nach Alternativen.

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Kroatien ist im Gegensatz zu Slowenien noch kein Schengenland. Um das Entstehen neuer Flüchtlingsrouten aus der Türkei zu verhindern, kündigten die EU-Länder Griechenland und Bulgarien an, Grenzzäune zu verstärken.

In Deutschland nimmt die Zahl der an der Grenze zu Österreich ankommenden Flüchtlinge wieder zu. Die Anzahl der illegal Eingereisten Flüchtlinge verdoppelte sich am Mittwoch gegenüber dem Vortag: Nach Angaben der Bundespolizei in Potsdam wurden 7266 "unerlaubte Grenzübertritte" registriert.

Video: Transit durch das minenverseuchte Kroatien

Foto: REUTERS

als/dpa/Reuters

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