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Politik

Gipfeltreffen von Trump und Kim

Schaulaufen in Hanoi

Donald Trump und Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un sind zu ihrem zweiten Gipfel in Hanoi eingetroffen. Für beide steht viel auf dem Spiel - der US-Präsident spekuliert offenbar auf den Friedensnobelpreis.

REUTERS

Trump auf dem Flughafen von Hanoi

Aus Hanoi berichtet
Dienstag, 26.02.2019   22:06 Uhr

Schon am Anfang gibt es Ärger. Kurz bevor Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un in seinem Luxushotel in Hanoi eintrifft, muss sein Vorabtrupp feststellen, dass dort auch schon ein Großteil des US-Pressekorps wohnt. Überall stehen Kameras und Scheinwerfer, und im siebten Stock hat das Weiße Haus sein Medienzentrum eingerichtet.

In der Lobby kommt es zur hitzigen Auseinandersetzung zwischen Kims Leibwächtern und Hotelvertretern. Schließlich werden die amerikanischen TV-Crews ausquartiert, das Medienzentrum wird geschlossen, und das Weiße Haus muss sich kurzfristig ein paar Straßen weiter einrichten.

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Kim trifft Trump: Die Spannung vor dem Gipfel

Dagegen verläuft wenige Stunden später die Ankunft von Donald Trump in der vietnamesischen Hauptstadt kurz und schmerzlos. Tausende Schaulustige säumen die Straßen, als die Kolonne des US-Präsidenten vorbeirauscht, sie winken mit Fähnchen und schießen Souvenirfotos.

So einen Aufstand erlebt Hanoi selten: Zwei Staatschefs auf einmal, dazu noch zwei - bisherige - Erzfeinde, die sich lange mit gegenseitiger Vernichtung gedroht hatten. Auf den Gehwegen und an den Ecken der quirligen Innenstadt sind Panzerfahrzeuge stationiert, während sich vor den Hotels noch spätabends neugierige Menschenmengen scharen.

Für alle steht viel auf dem Spiel. Trumps und Kims erstes Treffen in Singapur war eine PR-Show, nun müssen sie fassbarere Erfolge bringen. Blumige Absichtserklärungen reichen nicht mehr. Ohne "konkrete, überprüfbare Fortschritte bei der Denuklearisierung", wie es nicht nur die US-Demokraten fordern, wäre auch dieser Gipfel eine Luftnummer.

Für Trump werden diese zwei Tage im schwülen Hanoi zu einer der wichtigsten Bewährungsproben seiner Präsidentschaft - die zugleich diese Woche mal wieder überschattet wird von den immer dramatischeren Skandalen daheim. Doch Trump liebt das Risiko: Er selbst soll diesen Gipfel forciert haben - mit Blick auf die Wahlen.

Das Weiße Haus hielt die Details des Programms denn auch bis zuletzt unter Verschluss. Am Mittwochabend (Ortszeit) sollen sich Trump und Kim erstmals begrüßen, gefolgt von einem Dinner im legendären Hotel Metropole, in dem schon Dutzende Staatschefs und gekrönte Häupter abstiegen. Der Terminplan für Donnerstag war jedoch noch offen.

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Als weiterer Schauplatz ist das Gästehaus der vietnamesischen Regierung avisiert. Dieser Kolonialbau ist mit viel Symbolik befrachtet, am Zaun sind bis heute Einschussdellen von Gewehrkugeln zu sehen. Die berühmten Lokalitäten sollen den Gästen aus Pjöngjang suggerieren, dass es für Nordkorea einen ähnlichen Weg aus der Isolation gibt wie für Vietnam, vom geteilten Feindstaat zum florierenden Freundesland.

Keiner weiß, was beide erreichen wollen

Doch keiner in der US-Delegation hat eine schlüssige Antwort auf die Frage, was Trump und Kim hier überhaupt erreichen sollen - und wie. Die Erklärung von Singapur benannte vier schwammige Wunschziele: verbesserte Beziehungen, ein Ende des Koreakriegs, "komplette" Denuklearisierung Nordkoreas, Rückführung der US-Kriegstoten.

Seither hat sich wenig getan. Man hat sich nicht mal auf eine Definition von "Denuklearisierung" verständigt. "Ich hoffe, dass die Gespräche Früchte tragen", twitterte Senator Lindsey Graham, einer der lautesten Cheerleader Trumps, "denn sie sind unsere letzte, beste Chance, den Atomkonflikt mit Nordkorea auf friedliche Weise zu beenden".

Zudem hat jeder seine eigene, konfuse Agenda. Die Pläne der Amerikaner ändern sich zum Beispiel je nachdem, wen man fragt. Seit Singapur verschiebt Trump selbst immer wieder die Messlatte.

Mal besteht er, wie zuletzt kurz vor dem Abflug nach Hanoi, auf der kompletten Denuklearisierung Nordkoreas, mal hat er damit "keine besondere Eile", mal spricht er bereits von einem "großartigen Gipfel", dann setzt er prompt hinzu: "Aber vielleicht auch nicht." Seine Berater mühen sich, dieses Hin und Her als Verhandlungslinie zu kaschieren.

Auch Trumps Chefberater sind sich uneins, was man wie erreichen will. Selbst der nach außen so optimistische Außenminister Mike Pompeo, der ebenfalls hier ist, hat US-Medienberichten zufolge private Zweifel.

Kim wiederum sucht internationale Anerkennung und das Ende der Sanktionen. Die US-Geheimdienste bezweifeln allerdings, dass er dafür sein Atomprogramm opfern werde. "Das Regime ist entschlossen, eine nukleare Langstreckenrakete zu entwickeln, die eine direkte Bedrohung der USA darstellen würde", sagte CIA-Direktorin Gina Haspel dem Kongress. Auch ist fraglich, ob sich Kim auf eine Fremdinspektion seines Arsenals einlassen würde. Doch Trump hört ja nicht auf seine Spione, wenn sie seinen Interessen in die Quere kommen.

Komplimente und Schmeicheleien

Ein Kompromiss könnte eine Friedenserklärung sein, die den Koreakrieg offiziell beenden würde, notfalls die Eröffnung einer US-Gesandtschaft in Pjöngjang. Das könnte vor allem Trump zu Hause als historischen Erfolg verkaufen. Er lässt oft durchblicken, dass er auch, wie sein Vorgänger Barack Obama, einen Friedensnobelpreis verdiene, weil er - so behauptet er - schließlich einen Atomkrieg verhindert habe.

Einstweilen überhäufen sich Trump und Kim mit Komplimenten und Schmeicheleien. Wie ein "verknallter Teenager", so die "Washington Post", zeige Trump gerne Kims "Liebesbriefe" herum. Darin preise Kim die Ausdauer und Weisheit des mehr als doppelt so alten US-Präsidenten. Im Gegenzug ignoriert Trump Nordkoreas Menschenrechtsverletzungen.

Manche bezweifeln, dass diplomatisches Turteln zum Ziel führen wird. Trump laufe Gefahr, den Konflikt durch eine "rosarote Brille" zu sehen und Kim keine Konzessionen abzuringen, sagte Ned Price, der Ex-Sprecher des Sicherheitsrats Obamas, der "New York Times".

Mitoji Yabunaka, ein Unterhändler Japans bei früheren Verhandlungen, warnte vor einer "halbgaren, trügerischen Vereinbarung": Das, sagte er dem Wirtschaftsdienst Bloomberg, wäre ein "Albtraum-Szenario".

insgesamt 26 Beiträge
Dustinthewind 26.02.2019
1. Ein despotisch veranlagter Politiker ...
... stabilisiert mit seiner Politik eines der schlimmsten autokratischen Systeme auf dem Erdkreis und will dafür den Friedensnobelpreis? Sonst noch irgendwelche Wünsche? Ohne Freiheit kann niemals Frieden sein. [...]
... stabilisiert mit seiner Politik eines der schlimmsten autokratischen Systeme auf dem Erdkreis und will dafür den Friedensnobelpreis? Sonst noch irgendwelche Wünsche? Ohne Freiheit kann niemals Frieden sein. Beides bedingt einander. Trump hat nichts begriffen, wie immer.
Teutonengriller 26.02.2019
2. Also wenn der Trump
den Nobelpreis bekommt, ist der nix mehr wert für nachfolgende Preisträger. Wer will mit dem in einer Reihe stehen?
den Nobelpreis bekommt, ist der nix mehr wert für nachfolgende Preisträger. Wer will mit dem in einer Reihe stehen?
klausvonallen 26.02.2019
3. Gebt ihn ihm!
Sollen Sie ihm den Friedensnobelpreis doch geben, dem geltungssüchtigen Deppen. Schlimmer kanns nicht mehr werden. Und vielleicht tritt er dann nach seiner ersten Amtszeit mit großer Geste ab bzw. nicht mehr an. Weil er glaubt, [...]
Sollen Sie ihm den Friedensnobelpreis doch geben, dem geltungssüchtigen Deppen. Schlimmer kanns nicht mehr werden. Und vielleicht tritt er dann nach seiner ersten Amtszeit mit großer Geste ab bzw. nicht mehr an. Weil er glaubt, die Geschichte wird einen großen Präsidenten aus ihm machen. Weil er glaubt einen Friedensnobelpreisträger sperren sie auch dann nicht ein, wenn er seine Immunität verliert. Meinetwegen können sie ihn auch einen Platz am Mount Rushmore geben. Der Teil rechts schaut ihm ohnehin schon ähnlich.
radbodserbe 26.02.2019
4. Friedensnobelpreis für beide - wäre wenigstens konsequent absurd
Donald und Kim sind sich ähnlicher als es den eigenen devoten Anhängern lieb sein dürfte. Am Besten für die Welt, sie ziehen sich beide zum gemeinsamen Golfspielen aus der Politik zurück und lassen sie dabei weiter fanatisch [...]
Donald und Kim sind sich ähnlicher als es den eigenen devoten Anhängern lieb sein dürfte. Am Besten für die Welt, sie ziehen sich beide zum gemeinsamen Golfspielen aus der Politik zurück und lassen sie dabei weiter fanatisch feiern. Wäre interessant, wer alles seinen Friedensnobelpreis zurück geben würde, sollte wirklich einer von diesen beiden Despoten jemals diesen Preis erhalten. Eine wirkliche Annäherung würden wohl beide Fanlager nicht nachvollziehen können und würde eventuell sogar schädlich für das jeweilige Ansehen sein. Aber zumindest Donalds Fans würden es ihrem Führer wohl doch verzeihen und als Erfolg feiern, wenn er ihnen klar machen kann, das dies ganz ganz ganz fantastisch (wenn wohl auch nicht von langer Dauer) wäre, allein sein Verdienst sei und dabei 3 mal "America first" sagen würde. Berater des US Präsidenten muß momentan ein richtig spannender Job sein.
KaroXXL 26.02.2019
5. Unsinn
Ein Krieg wäre Ihnen lieber?! Tatsächlich hätte (nicht hat!) Trump im Gegensatz zu seinen Vorgängern tatsächlich den Friedensnobelpreis verdient, er hat schlicht und einfach noch keine Kriege angefangen oder sonstige [...]
Zitat von Dustinthewind... stabilisiert mit seiner Politik eines der schlimmsten autokratischen Systeme auf dem Erdkreis und will dafür den Friedensnobelpreis? Sonst noch irgendwelche Wünsche? Ohne Freiheit kann niemals Frieden sein. Beides bedingt einander. Trump hat nichts begriffen, wie immer.
Ein Krieg wäre Ihnen lieber?! Tatsächlich hätte (nicht hat!) Trump im Gegensatz zu seinen Vorgängern tatsächlich den Friedensnobelpreis verdient, er hat schlicht und einfach noch keine Kriege angefangen oder sonstige Interventionen mit vielen Toten gestartet. Bis jetzt.

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