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Politik

Gesperrte Balkanroute

Hunderte Migranten stoßen mit Polizisten zusammen

Hunderte Migranten folgten einem Gerücht im Internet, demzufolge die Balkanroute über Nordmazedonien wieder geöffnet würde. Doch sie wurden enttäuscht - und protestieren nun.

REUTERS

Proteste in Diavata in Griechenland

Samstag, 06.04.2019   19:27 Uhr

In Griechenland nahe der Grenze zu Nordmazedonien ist es erneut zu gewalttätigen Zusammenstößen von Migranten mit der Polizei gekommen. Zahlreiche Migranten schleuderten Steine auf Polizisten. Die Beamten setzten ihrerseits Tränengas und Blendgranaten ein, um die Randalierer auseinander zu treiben und zurückzudrängen, wie griechische Medien übereinstimmend meldeten.

In der Region haben sich rund 2000 Ausländer versammelt, die über Nordmazedonien nach Mitteleuropa weiterreisen wollen. Sie übernachteten zuletzt in Zelten rund um ein Flüchtlingslager bei Diavata.

Grenze zu Nordmazedonien ist offen?

In den vergangenen Tagen hatte im Internet das Gerücht die Runde gemacht, die Grenze zu Nordmazedonien sei offen. Das griechische Migrationsministerium erklärte dagegen, die Grenze werde nicht geöffnet. Alle Migranten sollten in ihre Unterkünfte zurückgehen, dazu stünden Busse bereit.

Ansammlungen von Migranten, die gen Norden reisen wollten, gab es auch in Athen. Dort besetzten am Freitag rund 300 Menschen den Hauptbahnhof der griechischen Hauptstadt. Der Bahnverkehr wurde für mehrere Stunden eingestellt. Die Besetzung wurde jedoch in der Nacht zum Samstag beendet, teilte die Eisenbahndirektion mit. Alle Züge fuhren wieder.

Sicherheitsvorkehrungen an der Grenze werden verstärkt

Bereits am Freitag war es in der Gegend zu Zusammenstößen zwischen Migranten und Sicherheitskräften gekommen. Am selben Tag hatten rund 200 Asylbewerber vorübergehend die Gleise des Athener Hauptbahnhofs besetzt, um nach Thessaloniki und von dort nach Diavata zu gelangen. Nordmazedonien kündigte angesichts der Ereignisse an, die Sicherheitsvorkehrungen an der Grenze zu verstärken.

Während des Höhepunkts der Migrationskrise war entlang der Grenze zwischen Griechenland und Nordmazedonien ein Grenzzaun gebaut worden. Dieser steht noch und wird überwacht. Damit ist die sogenannte Balkanroute nach Mitteleuropa weitgehend geschlossen worden. Sie führt von Griechenland über Nordmazedonien, Serbien und Ungarn nach Mitteleuropa. 2015 und 2016 waren mehr als eine Million Menschen über diese Route nach Deutschland gereist.

tin/dpa/AFP

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