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Politik

Großbritannien

Brexit-Partei in Umfrage stärker als Tories und Labour zusammen

Den beiden großen Parteien des Vereinigten Königreichs droht bei der Europawahl eine derbe Niederlage. Nicht einmal gemeinsam würden sie laut einer Umfrage so viele Stimmen erhalten wie die neu gegründete Brexit-Partei.

Danny Lawson/PA Wire/dpa

Brexit-Partei-Chef Nigel Farage bei Wahlkampfauftritt in Durham: Stärker als Tories und Labour zusammen

Sonntag, 12.05.2019   10:21 Uhr

Bei der anstehenden Europawahl könnte die Brexit-Partei von Nigel Farage mit Abstand die meisten Stimmen in Großbritannien erhalten. In einer Umfrage der Zeitung "The Observer" kommt die erst im Januar gegründete Partei auf eine Zustimmung von 34 Prozent. Das sind sechs Prozentpunkte mehr als zwei Wochen zuvor.

Damit erreichen die beiden großen britischen Volksparteien - die Tories genannte Konservative Partei und die Labour-Partei - nicht einmal gemeinsam die Zustimmungswerte der Brexit-Partei. Labour verliert mit 21 Prozent im Vergleich zu Ende April sieben Prozentpunkte. Die Tories verlieren drei Prozentpunkte und landen mit nur noch elf Prozent Zustimmung auf Platz vier der Wählergunst.

Die dezidiert europafreundlichen Liberaldemokraten gewinnen hingegen mit fünf Prozentpunkten fast so stark hinzu wie die Brexit-Partei und schieben sich an den Tories vorbei auf Platz drei. Auch die Grünen gewinnen zwei Prozentpunkte und erreichen nun acht Prozent.

Eigentlich hätten die Briten bei dieser Europawahl schon gar nicht mehr teilnehmen sollen. Für den 29. März dieses Jahres war der Austritt des Landes aus der EU geplant, an diesem Tag vor zwei Jahren hatte die konservative Premierministerin Theresa May die schriftliche Erklärung dazu abgegeben. Doch sie hat es bis heute nicht geschafft, eine parlamentarische Mehrheit für ihr ausgehandeltes Abkommen - ihren Deal - mit den bisherigen EU-Partnern für die Zeit nach dem Austritt zu organisieren.

Weil dem Land bei einem Austritt ohne ein Abkommen dramatische Folgen für die Wirtschaft und andere Lebensbereiche drohen, verzögert sich der Brexit. Die EU hat Großbritannien nun eine neue Frist bis zum 31. Oktober eingeräumt. Daher wird das Land nun doch an den Wahlen zum Europaparlament teilnehmen.

Die Brexit-Partei hatte sich erst im Januar dieses Jahres gegründet - als immer klarer wurde, dass der Austrittstermin Ende März nicht gehalten werden würde. Inzwischen ist der frühere Ukip-Politiker Nigel Farage Parteichef. Er ist der profilierteste Europagegner der britischen Politik und selbst Europaabgeordneter.

Die Umfrage zeigt die Unzufriedenheit vieler Briten mit der Brexit-Politik von Theresa May und von Labour-Chef Jeremy Corbyn. Dass auch die größte Oppositionspartei im britischen Parlament nicht von der tiefen Zerstrittenheit der konservativen Partei profitieren kann, hat auch mit Corbyns uneindeutiger Haltung zum Brexit zu tun. Wer Labour wählt, weiß nicht, ob die Stimme letztlich für oder gegen einen Austritt des Landes aus der EU ins Gewicht fällt.

Der frühere Labour-Chef und Premierminister Tony Blair rief die Anhänger der Partei auf, zur Europawahl zu gehen - auch wenn sie dann einer Partei die Stimme geben sollten, die sich noch klarer zur EU bekenne. "Das ist eine Stimme für oder gegen einen Farage-Brexit", schrieb Blair im "Observer" in Anspielung auf den Brexit-Partei-Chef.

fdi

insgesamt 196 Beiträge
interessierter10 12.05.2019
1. Immer wieder beängstigend,
wozu Desinformation und fehlende Bildung führen kann. Bezüglich eines Brexit nicht verschmerzbar, angesichts der Herausforderung der Klimakatastrophe macht es aber wenig Hoffnung.
wozu Desinformation und fehlende Bildung führen kann. Bezüglich eines Brexit nicht verschmerzbar, angesichts der Herausforderung der Klimakatastrophe macht es aber wenig Hoffnung.
hausfeen 12.05.2019
2. Da steht alles drin. Labour und Tories haben keine Pro oder ...
... Kontra-Linie in ihrer eigenen Partei. Die Strukturen sind zudem auf das britischen Verhältniswahlrecht ausgerichtet. Da kann Farage mit seiner Brexit-Partei richtig schmerzlich reinbrettern. Die EU hat mit den [...]
... Kontra-Linie in ihrer eigenen Partei. Die Strukturen sind zudem auf das britischen Verhältniswahlrecht ausgerichtet. Da kann Farage mit seiner Brexit-Partei richtig schmerzlich reinbrettern. Die EU hat mit den Terminverlängerungen einen riesen Fehler gemacht. Der fällt ihnen verdammt auf die Füße.
mm2112 12.05.2019
3. Wasser reden.....
...und als gut situierter EU Abgeordneter im Parlament sitzen. Und keiner der Brexit Fans durchschaut den Multimillionär, der so gerne einen auf 'Kumpel im Pub' macht. Scheint so als wird die EU Wahl eher zum Intelligenztest [...]
...und als gut situierter EU Abgeordneter im Parlament sitzen. Und keiner der Brexit Fans durchschaut den Multimillionär, der so gerne einen auf 'Kumpel im Pub' macht. Scheint so als wird die EU Wahl eher zum Intelligenztest für die Bevölkerung. Das läßt wenig Raum für Hoffnung - der IQ-Test hat in den USA schon nicht geklappt.
shardan 12.05.2019
4. Immer wenn man glaubt..
Immer wenn man glaubt, dümmer geht es nicht mehr, kommt jemand wie Nigel Farage aus dem Sumpf gekrochen und beweist, dass die Briten immer noch auf solche Hohlschwätzer hereinfallen. Um es mit Obelix zu sagen: Die spinnen, die [...]
Immer wenn man glaubt, dümmer geht es nicht mehr, kommt jemand wie Nigel Farage aus dem Sumpf gekrochen und beweist, dass die Briten immer noch auf solche Hohlschwätzer hereinfallen. Um es mit Obelix zu sagen: Die spinnen, die Briten. Da leben noch zu viele in den Tagträumen des Great Empire. Man könnte ja versuchen, Indien und China wieder als Kolonien einzugliedern, gelle? Und nebenbei verschafft man Farage &Co noch ein nettes Einkommen nebst Pension. Wenn ich mir diese elende Dauerscharade ansehe, wird mir langsam aber sicher speiübel. Bitte keine weiteren Verlängerungen, die EU ist den Briten ohnehin schon fast zu weit entgegengekommen. Wenn sie wieder keinen Beschluss fassen können, muss Schluss sein.
Alternator 12.05.2019
5. Immernoch nur 34% Pro-Brexit
…und hier sieht man den Webfehler, en politischen Hack, den Extremistische Ein-Thema-Parteien für sich nutzen: Die Stimmen gegen sie sind auf mehrere Parteien verteilt, so dass derartige Knalltütenvereine wie Gewinner [...]
…und hier sieht man den Webfehler, en politischen Hack, den Extremistische Ein-Thema-Parteien für sich nutzen: Die Stimmen gegen sie sind auf mehrere Parteien verteilt, so dass derartige Knalltütenvereine wie Gewinner aussehen. Ich bin, bei aller Liebe zu Großbitannien (Und von der gibt es bei mir an isch wirklich viel! Mich hat es zu all meinen Urlauben immer dorthin gezogen, weil ich Land und Leute einfach mag!), langsam müde, zuzusehen, wie dieses Land sich hilflos gegenüber solchen Tricksern zeigt, und Hetztern in der Regierungspartei auch noch frei den Boden überlässt. Dann halt Brexit. Die alten Freunde können ja hinterher, wenn die Nummer in die Hose gegangen ist, Beistand leisten und die Trümmer aufräumen. DIe EU bietet ja Förderfonds für Strukturschwache. Wäre mir tatsächlich lieber, als die Rechtspopulisten in Ungarn, Polen etc. aus EU-Geldern zu finanzieren.

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