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Politik

Nachwahlen in Großbritannien

Labour verliert jahrzehntelange Hochburg

Erstmals in der Geschichte muss die britische Labour-Partei den Wahlkreis Copeland abgeben. Bei Nachwahlen siegten die Konservativen. In einer anderen Hochburg konnten die Linken eine Blamage abwenden.

Getty Images

Siegerin Trudy Harrison, Verlierin Gillian Troughton

Freitag, 24.02.2017   11:40 Uhr

Seit 1983 gibt es den britischen Wahlkreis Copeland, seit 1983 ging das Direktmandat immer an Kandidaten der Labour-Partei. Bis jetzt. Bei Nachwahlen musste sich die linksgerichtete Partei zum ersten Mal in ihrer Traditionshochburg geschlagen geben.

In der nordenglischen Stadt siegte die Kandidatin der Tories, Trudy Harrison, mit gut 44 Prozent der Stimmen vor ihrer Labour-Rivalin Gillian Troughton, die auf etwa 37 Prozent kam. Damit gelang es erstmals seit Jahrzehnten einer Bewerberin aus den Reihen der Regierungspartei, der Opposition einen Parlamentssitz abzunehmen. Auch deshalb gilt das Ergebnis als historisch.

Am Donnerstag war in Copeland und im mittelenglischen Stoke-on-Trent, ebenfalls seit Jahrzehnten Labour-Kernland, nachgewählt worden, weil sich die amtierenden Mandatsträger zurückgezogen hatten. Labour befindet sich in einer katastrophalen Lage. Intern ist die Partei zerstritten, vor allem wegen der unklaren Haltung zum bevorstehenden Brexit. Landesweit liegt Labour mittlerweile in den Umfragen nur noch bei 26 Prozent - 18 Punkte hinter den regierenden Tories.

Mit Spannung war erwartet worden, ob es den Konservativen gelingt, in das Kernland der Linken vorzustoßen - oder sogar den Rechtspopulisten. Buchmacher hatten für die Arbeiterstadt Stoke-on-Trent einen knappen Ausgang vorhergesagt und dem neuen Ukip-Chef Paul Nuttall Chancen eingeräumt. Hier konnte sich Labour allerdings behaupten - und einen weiteren Rückschlag verhindern.

Nuttall verlor am Donnerstag gegen den Labour-Kandidaten Gareth Snell. Snell kam auf gut 37 Prozent der Stimmen, Nuttall erhielt knapp 25 Prozent. In der wirtschaftlich angeschlagenen Stadt hatte eine große Mehrheit im Juni für den Austritt aus der EU gestimmt.

kev/AFP/dpa

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