Schrift:
Ansicht Home:
Politik

Großbritannien vor der Wahl

Tories streiten über Islamhass in ihrer Partei

Im Sommer schlug ein führender Politiker der britischen Tories vor, die Partei solle sich mit dem Islamhass in ihren Reihen befassen. Boris Johnson stimmte zu. Jetzt, kurz vor der Wahl, wird der Vorstoß zerredet. Die Wut darüber ist groß.

Samstag, 09.11.2019   17:02 Uhr

Bei den Tories ist ein Streit über eine Untersuchung der Islamophobie in der Partei ausgebrochen. Gesundheitsminister Matt Hancock und die ehemalige Vizegeneralsekretärin Sayeeda Warsi lieferten sich nun einen Schlagabtausch.

Hintergrund für den Streit ist ein Vorstoß von Finanzminister Sajid Javid. Er hatte als Mitbewerber von Boris Johnson um die Parteiführung bei einer Live-TV-Debatte im Sommer vorgeschlagen, die Islamophobie in der Partei zu untersuchen. Seine Konkurrenten, einschließlich Johnson, stimmten ihm zu.

Inzwischen will der Regierungschef davon aber nichts mehr wissen. Am Freitag sagte er der BBC, es werde eine "allgemeine Untersuchung zu Vorurteilen aller Art" geben.

David Levenson/ Getty Images

Die ehemalige Vizegeneralsekretärin Sayeeda Warsi (Archivbild): Schlagabtausch mit Gesundheitsminister Hancock

Warsi, die zu den prominentesten Musliminnen in der Partei gehört und inzwischen für die Tories im Oberhaus sitzt, zeigte sich über den Rückzieher empört. "Ja, es stimmt, meiner Partei ist Rassismus in den eigenen Reihen sch...egal. Wir sind nur antirassistisch, um politischen Vorteil daraus zu schlagen", twitterte sie.

Nun geht der Streit weiter: Gesundheitsminister Hancock sagte in einem BBC-Radiointerview, er respektiere Warsi, andere Parteimitglieder würden aber einen "ausgewogeneren Ansatz" verfolgen.

Warsi reagierte sofort: Auf Twitter bezichtigte sie Hancock des "whitesplaining". Mit dem Kunstwort aus "white" (weiß) und explaining" (erklären) wird das Kleinreden von Diskriminierung dunkelhäutiger Minderheiten durch Mitglieder einer hellhäutigen Mehrheit bezeichnet.

Johnson war immer wieder selbst dem Vorwurf der Islamophobie ausgesetzt, unter anderem, weil er in einer Zeitungskolumne Frauen mit Vollverschleierung als "Briefkästen" und "Bankräuber" verspottet hatte.

Am 12. Dezember sollen die Briten ein neues Parlament wählen.

brt/dpa

Verwandte Artikel

Mehr im Internet

Verwandte Themen

Artikel

© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung
TOP