Schrift:
Ansicht Home:
Politik

Guam in Nordkoreas Fokus

Militärisches Drehkreuz im Pazifik

Nordkorea droht mit einem Angriff auf Guam, dort gibt es einen US-Stützpunkt. Die Pazifikinsel ist von großer militärischer Bedeutung. Die Fakten.

TECH. SGT. RICH/REX/Shutterstock
Mittwoch, 09.08.2017   16:18 Uhr

Nordkorea und die USA übertrumpfen sich mit militärischen Muskelspielen. Auf die jüngste Aussage des US-Präsidenten Donald Trump, dem Regime von Machthaber Kim Jong Un im Ernstfall mit "Feuer, Wut und Macht" begegnen zu wollen, folgte prompt die Antwort aus Pjöngjang. Das Militär drohte den Vereinigten Staaten mit einem Raketenangriff auf die US-Pazifikinsel Guam. "Eine solche Attacke" ziehe man "ernsthaft in Erwägung", meldete die staatliche Nachrichtenagentur KCNA.

Laut einem Sprecher der nordkoreanischen Armee kann der Plan zum Angriff auf Guam "jederzeit" ausgeführt werden, sobald Staatschef Kim Jong Un die Entscheidung treffe. Zuvor hatten Berichte über Fortschritte des kommunistischen Staats bei seinem Atom- und Raketenprogramm das Ausland beunruhigt.

Doch warum nimmt Nordkorea gerade diese Insel ins Visier? Und wieso betreibt die US-Regierung dort überhaupt eine Militärbasis?

Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Seit wann ist die Pazifikinsel Guam offiziell US-Territorium?

Die 1521 von Ferdinand Magellan entdeckte Insel wurde später mehr als 300 Jahre lang von Spanien kontrolliert; seit 1898 ist sie Außengebiet der USA. Die Bewohner der Insel sind amerikanische Staatsbürger, haben bei Präsidentschaftswahlen aber kein Stimmrecht.

Mehr als 12.000 Kilometer westlich von Washington - und nur 3200 Kilometer von Nordkorea - gelegen, ist Guam das am weitesten entfernte Territorium und eines der wenigen Gebiete der USA, das je von einer fremden Macht erobert wurde. 1941 überfiel Japan die Insel, im Sommer 1944 holte sich die US-Armee Guam zurück. Auf Guam leben heute mehr als 162.000 Menschen.

Welche Rolle spielt die Insel für das US-Militär?

Guam ist eine Art Drehkreuz für die US-amerikanische Luftwaffe. Von dort brachen die Verbände bereits in verschiedene Konflikte auf: nach Korea und Vietnam. Die Luftwaffenbasis Andersen ist eine der größten Basen, die Washington außerhalb des amerikanischen Festlandes unterhält - und die gleichwohl auf US-Territorium liegt.

Für Amerikas Militärstrategen ist der Wert der Insel enorm. Verglichen mit den Festlandbasen der Air Force verkürzt der Standort auf Guam den Anflug amerikanischer Kriegsflugzeuge auf Ziele im westlichen Pazifik um viele Stunden.

Gab es in der Vergangenheit bereits ähnliche Warnungen?

Ja. Bereits 2013 kam es zwischen Nordkorea und den USA zu großen Spannungen: Damals hieß es aus Pjöngjang, ein Atomangriff auf die USA sei endgültig genehmigt worden. Der Generalstab erklärte, bei dem "gnadenlosen Einsatz" könnten "moderne" Waffen verwendet werden. Die Regierung in Washington werde formal darüber informiert, dass dies eine Reaktion auf Drohungen aus den USA sei.

Nordkorea verfügte 2013 nach Ansicht von Experten allerdings nicht über die technischen Mittel, das amerikanische Festland mit Langstreckenraketen anzugreifen. Doch ein Angriff mit Mittelstreckenraketen etwa auf die US-Truppen in Südkorea oder Militärstützpunkte in Japan läge durchaus im Bereich des Möglichen. Dabei nannte Nordkorea auch konkret Guam und Hawaii als mögliche Ziele. Das US-Verteidigungsministerium kündigte daraufhin an, ein Raketenabwehrsystem auf Guam aufzustellen.

Was macht die Situation heute so gefährlich?

Waren die Drohungen vor vier Jahren noch wenig mehr als verbale Kraftmeierei, hat sich seitdem technisch einiges getan. Nordkoreas Atom- und Raketenprogramm hat laut einer japanischen Studie "eine neue Phase der Bedrohung" erreicht. Nordkorea habe bedeutsame Fortschritte in seinem Atomprogramm gemacht und sei "möglicherweise" in der Lage, kleinere Atomsprengköpfe zu entwickeln, die auf eine Rakete passten, heißt es in einem am Dienstag veröffentlichten Weißbuch des Verteidigungsministeriums in Tokio. US-Experten kommen zu einer ähnlichen Einschätzung. Sollte dies tatsächlich der Fall sein, könnte es die Führung in Pjöngjang zu riskanten militärischen Provokationen verleiten.

Wie gehen die Bewohner von Guam mit der Situation um?

"Wann immer es einen Konflikt in dieser Region gibt, spielt Guam eine Rolle", sagte der Präsident der Universität von Guam, Robert A. Underwood, der "Washington Post". Wenn man von der Insel stamme oder dort lebe, sei das zwar "beunruhigend, aber nicht ungewöhnlich". Underwood bemerkte aber auch, dass derart "überhitzte Rhetorik" normalerweise aus Pjöngjang komme - und eben nicht aus Washington.

Im Video: Die Spirale der Drohungen

Foto: Getty Images/ iStockphoto

mho

Verwandte Artikel

Mehr im Internet

Artikel

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung
TOP