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Politik

Präsidenten-Stichwahl in Guatemala

Drehen sie Trumps Deal zurück?

Wer südlich von Mexiko in die USA will, muss Guatemala passieren. Der jetzige Präsident schloss ein fragwürdiges Abkommen mit Donald Trump. Jetzt wird ein neues Staatsoberhaupt gewählt. Wie positionieren sich die Kandidaten?

Moises Castillo; Santiago Billy/ AP

Zwischen ihnen wird es sich entscheiden: Sandra Torres und Alejandro Giammattei gehen in Guatemala in die Stichwahl

Von , Mexiko-Stadt
Samstag, 10.08.2019   19:39 Uhr

Guatemala hatte wenig Glück mit seinen Präsidenten in den vergangenen Jahren. Drei der vier Staatschefs, die das zentralamerikanische Land seit 2000 regiert haben, landeten im Gefängnis oder es wurde wegen Korruption, Geldwäsche und Veruntreuung von Staatsgeldern gegen sie ermittelt.

Auch die Sozialdemokratin Sandra Torres und der Rechtsaußen-Bewerber Alejandro Giammattei, die sich am Sonntag in der Stichwahl um das Präsidentenamt gegenüberstehen, haben schon einschlägige Erfahrungen:

Santiago Billy/ AP

Alejandro Giammattei war früher Gefängnisdirektor, nun will er Präsident Guatemalas werden

Im Wahlkampf dominierte aber ein anderes Thema: Der scheidende Staatschef Jimmy Morales - ein früherer TV-Komiker - unterzeichnete Ende Juli mit US-Präsident Donald Trump ein "Drittstaaten-Abkommen".

Träte es in Kraft, würden Honduraner, Salvadorianer und Nicaraguaner, die auf ihrer Route Guatemala passieren, das Recht verlieren, in den USA um Asyl nachzusuchen. Stattdessen müssten sie ihren Antrag in dem Transitland stellen. Morales Kniefall vor Trump kommt der Errichtung einer bürokratischen Mauer weit weg von der US-Südgrenze gleich.

Auch die beiden Kandidaten, die Morales Nachfolge antreten wollen, sprachen sich gegen das Abkommen aus. Es ist vermutlich der einzige Punkt, an dem sie einer Meinung sind. Guatemala sei kein sicherer Drittstaat, sondern das Land, das am stärksten unter Armut und Unterernährung leide, schrieb die 63-jährige Torres auf Twitter. Giammattei kritisierte: "Wir können ja nicht mal die Sicherheit der eigenen Landsleute garantieren, die anderer dann noch weniger".

"Guatemala ist weit davon entfernt, ein sicherer Drittstaat zu sein"

Besonders deutlich äußerte sich die Uno. Das "Büro der Vereinten Nationen für Drogen- und Verbrechensbekämpfung" (UNODC) hält das Übereinkommen zwischen Trump und Morales für falsch. Guatemala steht auf Platz neun der gewalttätigsten Länder weltweit. Da sei es schlicht Unsinn, Hunderttausende Flüchtlinge aufzunehmen.

"Guatemala ist weit davon entfernt, ein sicherer Drittstaat für diejenigen zu sein, die aus ihren Ländern vor der Kriminalität der Jugendbanden fliehen", betont auch der Gewaltforscher Carlos Mendoza.

"Wir sind dazu weder sozioökonomisch noch demografisch oder politisch in der Lage." Zudem fehlten die administrativen Kapazitäten. Zwischen 2017 und Juni 2019 haben die guatemaltekischen Behörden gerade einmal 94 der 639 gestellten Asylanträge bearbeitet.

60 Prozent der Bevölkerung von Guatemala lebt in Armut

Zudem bekommt das bevölkerungsreichste Land Zentralamerikas seit dem Ende des Bürgerkriegs 1996 die eigenen Probleme kaum in den Griff:

Sowohl Torres als auch Giammattei gehören in unterschiedlichem Maße zu dieser Machtelite. Beide haben schon mehrfach versucht, das Präsidentenamt zu erringen. Torres kam vor vier Jahren in die Stichwahl, unterlag aber damals Morales.

Luis Echeverria/ REUTERS

Sandra Torres - ihr Ex-Mann war schonmal Präsident, sie will ihm nun folgen

Die Kandidatin verfügt im Land über eine breite Bekanntheit, da sie als frühere Ehefrau von Präsident Álvaro Colom (2008 bis 2012) die Sozialprogramme der Regierung koordinierte und dafür ganz Guatemala bereiste. Sie schob viele Projekte zur Armutsbekämpfung an.

"Unbegrenzten Liebe zum Vaterland"

2011 ließ sie sich von ihrem Mann scheiden, um ihre eigene Karriere starten zu können. Torres rechtfertigte ihren Schritt seinerzeit mit der "unbegrenzten Liebe zum Vaterland", die größer sei als die zu ihrem Mann.

Nun ist die machtbewusste Politikerin ihrem Ziel nahe wie nie zuvor. In den Umfragen liegt sie mit ihrem Kontrahenten gleichauf. Die erste Runde der Wahl vor knapp zwei Monaten hatte Torres in einem Feld von rund 20 Kandidaten klar mit 22 Prozent der Stimmen für sich entschieden.

Giammattei kam seinerzeit auf zwölf Prozent der Stimmen, die für den zweiten Platz reichten. Der gelernte Mediziner tritt inzwischen zum vierten Mal bei einer Präsidentenwahl an, jedes Mal für eine andere Partei. Er ist Vertreter der Law- and-Order-Fraktion und macht sich für den kompromisslosen Kampf gegen Banden und Schutzgelderpresser stark. Mit sich selbst ist er großzügiger.

insgesamt 4 Beiträge
gigi76 10.08.2019
1. Lustig
und geradezu absurd, sein eigenes Land schlecht zu reden und gleichzeitig für die Zustände verantwortlich zu sein. Trump sollte einfach damit drohen, die finanziellen Hilfen für Guatemala zu streichen.
und geradezu absurd, sein eigenes Land schlecht zu reden und gleichzeitig für die Zustände verantwortlich zu sein. Trump sollte einfach damit drohen, die finanziellen Hilfen für Guatemala zu streichen.
Stäffelesrutscher 10.08.2019
2.
Der Autor hat ganz vergessen zu erwähnen, dass die Machteliten dafür gesorgt haben, dass die ehemals oberste Korruptionsbekämpferin nicht antreten darf.
Der Autor hat ganz vergessen zu erwähnen, dass die Machteliten dafür gesorgt haben, dass die ehemals oberste Korruptionsbekämpferin nicht antreten darf.
Nubari 11.08.2019
3. Bananenrepublik
Guatemala ist der Klassiker amerikanischer Wirtschaftspolitik. Einst war Chiquita (damaliger Name: United Fruit Co.) der größte Landbesitzer des Landes, auch heute ist deren Wirtschaftmacht ungebrochen. Daneben sind Standard [...]
Guatemala ist der Klassiker amerikanischer Wirtschaftspolitik. Einst war Chiquita (damaliger Name: United Fruit Co.) der größte Landbesitzer des Landes, auch heute ist deren Wirtschaftmacht ungebrochen. Daneben sind Standard Fruit und Dole weitere US-Konzerne, die den Grund und Boden, sowie die billige Arbeitskraft des Landes ausbeuten. Wertschöpfung: Fehlanzeige. 1954 wurde durch einen massiv von der CIA gestützten Putsch der demokratisch gewählte Reformpräsident beseitigt und die guatemaltekische Revolution beendet. Die USA haben, nolens volens, einen Failed State herbeigeführt, um die Interessen der genannten Konzerne langfristig zu sichern. Der Zustand des Landes und die Situation der Menschen spielen für die USA traditionell keine Rolle. Korrupte Machteliten sind dagegen die Garanten des Status Quo, die USA halten sich einfach die Nase zu.
gatopardo 11.08.2019
4. Es ist immer dasselbe,
solange die wirtschaftlichen Interessen der USA gewahrt bleiben, ändert sich nichts an den Zuständen in ihrem Hinterhof. Und es kann befürchtet werden, dass mit beiden guatemaltekischen Kanditaten alles so bleibt, wie es [...]
Zitat von NubariGuatemala ist der Klassiker amerikanischer Wirtschaftspolitik. Einst war Chiquita (damaliger Name: United Fruit Co.) der größte Landbesitzer des Landes, auch heute ist deren Wirtschaftmacht ungebrochen. Daneben sind Standard Fruit und Dole weitere US-Konzerne, die den Grund und Boden, sowie die billige Arbeitskraft des Landes ausbeuten. Wertschöpfung: Fehlanzeige. 1954 wurde durch einen massiv von der CIA gestützten Putsch der demokratisch gewählte Reformpräsident beseitigt und die guatemaltekische Revolution beendet. Die USA haben, nolens volens, einen Failed State herbeigeführt, um die Interessen der genannten Konzerne langfristig zu sichern. Der Zustand des Landes und die Situation der Menschen spielen für die USA traditionell keine Rolle. Korrupte Machteliten sind dagegen die Garanten des Status Quo, die USA halten sich einfach die Nase zu.
solange die wirtschaftlichen Interessen der USA gewahrt bleiben, ändert sich nichts an den Zuständen in ihrem Hinterhof. Und es kann befürchtet werden, dass mit beiden guatemaltekischen Kanditaten alles so bleibt, wie es immer war.

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