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Politik

Angriff auf Synagoge

Europaparlament legt Schweigeminute für Opfer von Halle ein

Nicht nur in Deutschland, auch international herrscht Entsetzen über die tödlichen Schüsse von Halle. Politiker aus Österreich, Großbritannien und Frankreich gedenken des Angriffs - und schicken Kampfansagen.

Ronny Hartmann/ AFP

Polizei in der Nähe von Halle:

Mittwoch, 09.10.2019   18:00 Uhr

Das Europaparlament hat wenige Stunden nach den tödlichen Schüssen in Halle den Opfern des Angriffs gedacht. Es herrsche "Schock und Betroffenheit" nach den tragischen Vorkommnissen, twitterte EU-Parlamentspräsident David Sassoli am Mittwoch. Bei einem womöglich antisemitisch motivierten Angriff hatte es zuvor in Halle an der Saale zwei Tote und zwei Schwerverletzte gegeben.

Das Entsetzen über die Taten ist nicht nur in Deutschland groß. Mehrere österreichische Politiker drückten ihr Mitgefühl aus. "Ich bin in Gedanken bei den Angehörigen der Opfer und hoffe, die Polizei fasst den/die Täter schnell", schrieb Sebastian Kurz bei Twitter. "Null Toleranz für #Antisemitismus!" Auch der österreichische Präsident Alexander Van der Bellen betonte, es müsse alles getan werden, damit Jüdinnen und Juden in Sicherheit leben können.

Ein Täter gab oder mehrere Täter gaben am Mittwochmittag in Halle an der Saale Schüsse ab, die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe übernahm die Ermittlungen. Bei den Todesopfern handelt es sich nach den Worten einer Polizeisprecherin um einen Mann und eine Frau. Der Mann sei in einem Dönerimbiss erschossen worden, die Frau in der Humboldtstraße, in der sich auch die Synagoge befindet.

Nach Angaben der Jüdischen Gemeinde zu Halle wollte der Täter die Türen zur Synagoge aufschießen. In dieser befanden sich am höchsten jüdischen Feiertag Jom Kippur zu der Zeit demnach 70 bis 80 Menschen.


Alle aktuellen Entwicklungen zur Lage in Halle und Landsberg können Sie in unserem Newsblog verfolgen.


Die deutsche Regierung solle ihren Kampf gegen Antisemitismus ausweiten, forderte der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanyahu nach Angaben des Journalisten Raphael Ahren.

Der kanadische Premier Justin Trudeau sprach von einer "sinnlosen Attacke", ein unbeschreiblicher und inakzeptabler Akt des Hasses. Die Kanadier seien in Gedanken bei den jüdischen Mitbürgern auf der ganzen Welt.

In Großbritannien zeigte sich Labour-Chef Jeremy Corbyn schockiert. Die schändliche Tat sei ausgerechnet am Jom Kippur, dem höchsten jüdischen Feiertag im Jahr, ausgeführt worden. Seine Gedanken seien bei den Trauernden in Halle und der ganzen Welt.

Der französische Politiker und Präsident des Regionalrats von Hauts-de-France, Xavier Bertrand, schrieb bei Twitter, der Kampf gegen Antisemitismus, den es 2019 immer noch gebe, dürfe nicht aufgegeben werden.

Die Bundesanwaltschaft übernahm bereits kurz nach Bekanntwerden der Schüsse die Ermittlungen. Ein Sprecher begründete dies mit der "besonderen Bedeutung des Falls", ermittelt werde wegen Mordes. Es gehe hier um "die innere Sicherheit der Bundesrepublik Deutschland".

Die genauen Hintergründe der Tat blieben zunächst ebenso unklar wie die Identität eines Verdächtigen, den die Polizei festnehmen konnte. Die Angaben des Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde, Max Privorozki, deuteten aber auf einen antisemitschen Hintergrund hin.

Im Video: Erste Erkenntnisse zum Angriff in Halle

Foto: Sebastian Willnow/dpa-Zentralbild/dpa

vks

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