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Politik

Proteste in Sonderverwaltungszone

Hongkongs Regierungschefin warnt die USA vor Einmischung

Demonstranten in Hongkong haben US-Präsident Trump um Hilfe gebeten. Doch die Regierungschefin der Sonderverwaltungszone warnt Washington davor - "gemeinsame Vorteile" seien dann in Gefahr.

Liau Chung-Ren/ZUMA Wire/ DPA

Demonstranten schwenken US-Fahnen in Hongkong: Washington soll helfen

Dienstag, 10.09.2019   13:41 Uhr

Hongkongs Regierungschefin Carrie Lam hat die USA eindringlich vor einer "Einmischung" in die Proteste in der Sonderverwaltungszone gewarnt. Das sei "für jedes Land extrem unangebracht", sagte sie.

Seit drei Monaten demonstrieren Millionen Hongkonger gegen eine Beschneidung ihrer im Vergleich zu Festlandchina größeren bürgerlichen Freiheiten. Dabei gab es wiederholt gewaltsame Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und Polizisten sowie mehr als 1100 Festnahmen. Am Sonntag waren zahlreiche Demonstranten in Hongkong zum amerikanischen Konsulat gezogen. Sie forderten, dass der US-Kongress einem jüngst vorgelegten Vorschlag folgt, die Protestbewegung in Hongkong ausdrücklich zu unterstützen.

Vincent Yu / AP

Hongkongs Regierungschefin Carrie Lam: "Gemeinsame Vorteile" nicht gefährden

Aktivist Wong fordert in Berlin weltweite Hilfe

Lam warnte, dass jegliche Änderung in der wirtschaftlichen Beziehung mit Washington "gemeinsame Vorteile" gefährde. Das vorgeschlagene Gesetz könnte die mit den USA festgelegten Handelsprivilegien Hongkongs untergraben, indem es regelmäßige Kontrollen vorschreibt, ob Behörden den Sonderstatus Hongkongs respektieren.

Hongkongs Regierungschefin verurteilte außerdem die jüngste Eskalation einer friedlichen Großkundgebung am Sonntag. "Die zunehmende und andauernde Gewalt kann nicht die Probleme lösen, die wir in Hongkong haben", sagte Lam.

Der bekannte Hongkonger Aktivist Joshua Wong forderte kurz nach seiner Ankunft in Berlin größere Unterstützung für die Demokratiebewegung in Chinas Sonderverwaltungszone. "Ich hoffe, dass Menschen weltweit die Leute in Hongkong unterstützen, die für Freiheit und freie Wahlen kämpfen", sagte der 22-Jährige der "Bild"-Zeitung.

Es sei an der Zeit, dass sich mehr Menschen in Deutschland auf Hongkong konzentrierten. "Wir haben den Eindruck, dass Hongkong wie Ost-Berlin zur Zeit des Kalten Krieges ist. Und gerade weil die Deutschen besonders in Berlin für die Freiheit gekämpft haben, bitte ich die Deutschen um Hilfe in unserem Kampf."

Die frühere britische Kronkolonie wird seit der Rückgabe 1997 an China in ihrem eigenen Territorium mit einem eigenen Grundgesetz nach dem Prinzip "ein Land, zwei Systeme" autonom regiert. Die Hongkonger stehen unter Chinas Souveränität, genießen aber - anders als die Menschen in der kommunistischen Volksrepublik - mehr Rechte wie Meinungs- und Versammlungsfreiheit. Viele fordern auch freie Wahlen, wie es ihnen einst in Aussicht gestellt worden war.

Peking beschwert sich über Maas

China hat derweil verärgert über eine Begegnung von Bundesaußenminister Heiko Maas mit Wong reagiert. Das chinesische Außenministerium habe gegen das Treffen Beschwerde eingelegt, teilte eine Ministeriumssprecherin in Peking mit. Maas war Wong am Montagabend bei einer Veranstaltung im Bundestagsgebäude Maas begegnet und hatte sich gemeinsam mit ihm ablichten lassen.

als/dpa/AFP/Reuters

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