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Politik

Vormarsch der Terroristen im Irak

Ein Staat scheitert

Im Irak übernehmen militante Islamisten in ganzen Regionen das Kommando, die Regierung in Bagdad kann dem Vormarsch der Dschihadisten nichts entgegensetzen - trotz jahrelanger US-Präsenz. Wie konnte das passieren?

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Mittwoch, 11.06.2014   18:33 Uhr

Fast neun Jahre lang waren US-Kampftruppen im Irak stationiert. Der Kriegseinsatz hat die Vereinigten Staaten nach vorsichtigen Schätzungen eine Billion Dollar gekostet. Knapp 4500 amerikanische Soldaten haben den Einsatz mit ihrem Leben bezahlt. Die Errichtung eines demokratischen Musterstaats im Nahen Osten war einst das Ziel Washingtons.

Die ernüchternde Realität: Zweieinhalb Jahre nach Abzug der letzten US-Kampfeinheiten sind die Terroristen im Irak so stark wie nie zuvor. Die Dschihadisten der Terrorgruppe Islamischer Staat im Irak und in Syrien (Isis) kontrollieren inzwischen den Nordwesten des Landes, sie haben die Großstädte Mossul und Tikrit erobert, türkische Diplomaten als Geiseln genommen und die größte Ölraffinerie in Baidschi eingenommen. Wie konnte es so weit kommen?

Die USA haben bei ihrem Abzug aus dem Irak 2011 einen Staat hinterlassen, der nicht im Stande ist, die Sicherheit seiner Bürger zu gewährleisten. Die Fehler, die zu dieser Entwicklung führten, wurden jedoch lange vorher gemacht:

Heute ist die Provinz Anbar mit ihren Städten Falludscha und Ramadi das Herzland des "Islamischen Staat im Irak und in Syrien". Von hier aus drangen ihre Kämpfer entlang des Euphrat erst nach Syrien vor, nun haben sie Mossul und Tikrit in ihre Gewalt gebracht und stehen vor der Einnahme von Samarra.

Trotz Militärhilfen der USA hat die staatliche Armee den Dschihadisten wenig entgegenzusetzen. Elf Jahre Bürgerkrieg, in dem die Truppen zwischen den Fronten zerrieben wurden, haben die Moral der Soldaten zersetzt. Das hat auch Premier Maliki erkannt. Er will nun Freiwillige bewaffnen, die sich der Isis in den Weg stellen sollen.

Der angeschlagene Regierungschef ist auf die Hilfe seines Erzfeindes Muktada al-Sadr angewiesen. Jahrelang lieferte sich Maliki mit dem schiitischen Prediger einen erbitterten Machtkampf, dem Tausende Menschen zum Opfer fielen. Nun hat Sadr, der eigentlich längst seinen Rückzug aus der Politik erklärt hatte, zur Bildung von Bürgerwehren aufgefordert, um heilige Stätten von Muslimen und Christen zu schützen. Noch immer kann Sadr Tausende schiitische Milizionäre mobilisieren.

Maliki muss auch auf die Hilfe der Kurden hoffen. Hunderttausende Iraker sind vor den Isis-Terroristen in die Autonome Region Kurdistan geflüchtet. Die dortigen Peschmerga, die Sicherheitskräfte der kurdischen Regierung, haben sich in den vergangenen Jahren als disziplinierte und gut aufgestellte Kampfeinheiten erwiesen. Im Nordirak sind sie inzwischen die letzte Bastion gegen den weiteren Vormarsch der Dschihadisten.

insgesamt 186 Beiträge
haltetdendieb 11.06.2014
1. trotz jahrelanger US-Präsenz
wegen jahrelanger US-Präsenz. Die USA zerstören die ganze islamische Welt. Herrscher, die ihr Volk normal regieren, werden verfolgt und getötet. Siehe Irak, Lybien, Tunesien, Syrien. Die USA sind die dümmsten, der jetzige [...]
wegen jahrelanger US-Präsenz. Die USA zerstören die ganze islamische Welt. Herrscher, die ihr Volk normal regieren, werden verfolgt und getötet. Siehe Irak, Lybien, Tunesien, Syrien. Die USA sind die dümmsten, der jetzige Präsident der dümmste in einer Reihe extrem dummer Präsidenten. Wenn die USA etwas sagen, kehre man es in das Gegenteil, und vielleicht nähert man sich dann der Wahrheit. Letztes Beispiel: die Ukraine. Es kommt nicht von ungefähr, dass die Deutschen Putin zum großen Teil "bewundern" und von den USA nichts, aber auch gar nichts mehr halten. Und mit diesen will jetzt die EU ein "Freihandelsabkommen" treffen. Es ist nicht zu fassen!
thomas.b 11.06.2014
2. optional
Mission accomplished? Erinnert alles ziemlich an Vietnam. In Afghanistan wird es ganz ähnlich enden.
Mission accomplished? Erinnert alles ziemlich an Vietnam. In Afghanistan wird es ganz ähnlich enden.
w.bartz 11.06.2014
3. Wenn USA "hilft"...
Soetwas geschieht mit einem Staat, wenn die USA "hilft"! Afghanistan und Nigeria werden folgen... Gute Freunde muß man eben haben...
Soetwas geschieht mit einem Staat, wenn die USA "hilft"! Afghanistan und Nigeria werden folgen... Gute Freunde muß man eben haben...
ren1622 11.06.2014
4. Und alles weil Familie Bush
es so wollte. Aber dafür können wir lesen wie Bush sen. und jun. gemeinsam angeln. Wir können lesen wie diese Familie ihren Reichtum lebt, 4.500 US-Soldaten und unzählige Iraker starben. Ja..... der Familie Bush geht es [...]
es so wollte. Aber dafür können wir lesen wie Bush sen. und jun. gemeinsam angeln. Wir können lesen wie diese Familie ihren Reichtum lebt, 4.500 US-Soldaten und unzählige Iraker starben. Ja..... der Familie Bush geht es gut.
matijas 11.06.2014
5. Wie konnte das passieren?
Es hat doch funktioniert: das Land wurde erfolgreich destabilisiert. Um das Wohl der Bevölkerung ging es sowieso niemals. Bald können die Dschihadisten vom Irak aus massiv die Rebellen in Syrien unterstützen - und dann [...]
Zitat von sysopAFP/ IsilIm Irak übernehmen militante Islamisten in ganzen Regionen das Kommando, die Regierung in Bagdad kann dem Vormarsch der Dschihadisten nichts entgegensetzen - trotz jahrelanger US-Präsenz. Wie konnte das passieren? http://www.spiegel.de/politik/ausland/irak-ist-ein-gescheiterter-staat-nach-us-invasion-und-isis-terror-a-974613.html
Es hat doch funktioniert: das Land wurde erfolgreich destabilisiert. Um das Wohl der Bevölkerung ging es sowieso niemals. Bald können die Dschihadisten vom Irak aus massiv die Rebellen in Syrien unterstützen - und dann gelingt auch dort die vom Westen gewollte Zerschlagung des Staates. "Wir" sind ja auch dort ganz auf der Seite der menschenfreundlichen Assad-Gegner. Und in Libyen haben "wir" ebenfalls erfolgreich eingegriffen. Etc. pp. Deja vu, jedes Jahr von neuem. Aber nein, wirklich aggressiv sind doch nur die Russen. Und "wir" mischen uns nirgendwo ein, machen immer nur Vorschläge ...
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