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Politik

Unabhängigkeitsreferendum der Kurden

Irakischer Vizepräsident will kein "zweites Israel" dulden

Die Kurden im Irak träumen von der Unabhängigkeit, die Regierung will das mit allen Mitteln verhindern. Nun hat der Vizepräsident der Minderheit gedroht. Auch die Nachbarländer sind besorgt.

AFP

Kurden im Irak vor dem Unabhängigkeitsreferendum

Sonntag, 17.09.2017   20:22 Uhr

Vor dem umstrittenen Unabhängigkeitsreferendum der Kurden im Nordirak hat der irakische Vizepräsident Nuri al-Maliki der Minderheit gedroht. "Wir warnen die Unterstützer des Referendums vor den gefährlichen Auswirkungen, die diese Maßnahmen auf die Souveränität und Einheit des Iraks haben werden", sagte er nach Angaben seines Büros bei einem Treffen mit dem US-Botschafter im Irak.

Bagdad werde die Schaffung eines "zweiten Israel im Nordirak" nicht dulden. Das Referendum, das am 25. September abgehalten werden soll, sei weder im Sinne der Iraker noch der Kurden und müsse abgesagt werden.

Trotz internationaler Kritik halten die Kurden aber an den Plänen fest. Ihr Präsident Massud Barsani hatte am Freitag jede Verschiebung ausgeschlossen. Auch das Weiße Haus hatte die Pläne als "provokant und destabilisierend" kritisiert.

Auch UN-Generalsekretär Guterres äußert sich kritisch

Die US-Regierung habe der kurdischen Regionalregierung mehrfach erklärt, dass ein Referendum "von den Bemühungen zur Zerschlagung der Terrormiliz IS und zur Stabilisierung der befreiten Gebiete ablenkt", hieß es in einer Erklärung.

Iraks Nachbarn mit einer kurdischen Minderheit - die Türkei, der Iran und Syrien - sind angesichts der Abstimmung besorgt, dass auch die Kurden in ihren Ländern zu einem stärkeren Streben nach Unabhängigkeit ermutigt werden könnten.

So schloss der Iran, der die Kurden im Nordirak bislang als Brüder und Verbündete angesehen hatte, eine Zusammenarbeit im Falle der Unabhängigkeit aus. Das geplante Referendum sei weder legal noch vorteilhaft für die Sicherheit des Iraks und die Region. Der Iran wäre dann auch gezwungen, schärfere Grenzkontrollen einzuführen, sagte der Sekretär des nationalen Sicherheitsrats, Ali Schamchani, laut iranischer Nachrichtenagentur ISNA.

Auch UN-Generalsekretär Antonio Guterres hat sich kritisch über das geplante Unabhängigkeitsvotum geäußert. Ebenso wie die USA ist er der Meinung, dass das Referendum "von der Notwendigkeit eines Sieges" über die Extremisten-Miliz ablenken würde, hieß es in einer von einem UN-Sprecher verlesenen Erklärung. Stattdessen sollen offene Fragen "durch strukturierten Dialog und konstruktive Kompromisse" gelöst werden.

bam/dpa-afxp

insgesamt 51 Beiträge
sailor60 17.09.2017
1. Die Kurden
das größte Volk auf dieser Erde ohne eigenen Staat. Der Vergleich mit Israel ist sehr gut gewählt, den der Kurdenstaat wird in kurzer Zeit stärker als der Irak sein. Ähnlich wie das in Israel in den 40ger bis 50er jahren des [...]
das größte Volk auf dieser Erde ohne eigenen Staat. Der Vergleich mit Israel ist sehr gut gewählt, den der Kurdenstaat wird in kurzer Zeit stärker als der Irak sein. Ähnlich wie das in Israel in den 40ger bis 50er jahren des letzten Jahrhunders war. Diese Chance werden sie sich nicht nehmen lassen. Es ist gut und richtig wenn die Kurden endlich im eigenen Staat leben können - ein zweiter stabilitätsfaktor für die Region, neben Israel!
rubikon2016 17.09.2017
2. Peinlich für die USA und Europa,
anstatt die Kurden in ihrem rechtmäßigen Anliegen zu unterstützen, stellt man das Referendum als solches infrage. Die Grenzen im Nahen Osten, ebenso wie in Afrika, gehören ohnehin neu gezogen und sollten sich an ethnischen [...]
anstatt die Kurden in ihrem rechtmäßigen Anliegen zu unterstützen, stellt man das Referendum als solches infrage. Die Grenzen im Nahen Osten, ebenso wie in Afrika, gehören ohnehin neu gezogen und sollten sich an ethnischen Realitäten orientieren, nicht an den wirtschaftlichen oder militärischen Interessen der sogenannten Großmächte. Entschuldigung, ich träume schon wieder von moralisch integerer Politik. Sorry
cemalaslan01 17.09.2017
3. Irak und kurden
Ganz ehrlich, was soll passieren, wenn die Kurden ihren eigenen Staat bekommen? Haben sie es etwa nicht verdient? Ausgebildet und Ausgerüstet haben wir sie und sie haben sich gegen Mörderbanden und alle anderen behauptet. Sie [...]
Ganz ehrlich, was soll passieren, wenn die Kurden ihren eigenen Staat bekommen? Haben sie es etwa nicht verdient? Ausgebildet und Ausgerüstet haben wir sie und sie haben sich gegen Mörderbanden und alle anderen behauptet. Sie sind immer auf Konsens aus anstatt hart mit dem Verhandlungspartner zu verhandeln. Nur diesmal haben sie keine Wahl als hoch zu pokern, da alle Ihre Feinde sind und nur das schlechteste für sie wollen. Die Iraner besser gesagt die Perser als Brüder der Kurden zu bezeichnen ist schon ein Affront. Man sollte Mesut Barzani fragen, wer für den tot seines älteren Bruders verantwortlich ist.
Quarz 17.09.2017
4. Ein Staat der Kurden wird kommen, das ist doch unausweichlich
Es wird keinen Frieden geben, bis man endlich die natürlichen Gegebenheiten akzeptiert. Ich hoffe nur sehr, es wird eine friedliche Einigung sein.
Es wird keinen Frieden geben, bis man endlich die natürlichen Gegebenheiten akzeptiert. Ich hoffe nur sehr, es wird eine friedliche Einigung sein.
ad2 17.09.2017
5. Nationalismus – Zivilisation 1.0
Nationalismus ist das Gift der Zivilisation. Man stelle sich eine Menschheit vor, die es irgendwann schafft in friedlichem Miteinander zu leben, ohne sich mittels Grenzzäunen und Waffen in Völker oder gar Rassen einteilen zu [...]
Nationalismus ist das Gift der Zivilisation. Man stelle sich eine Menschheit vor, die es irgendwann schafft in friedlichem Miteinander zu leben, ohne sich mittels Grenzzäunen und Waffen in Völker oder gar Rassen einteilen zu wollen. Die Kurden mögen sehr viele sein und sicher viel ungerechtes Leid ertragen haben, aber eine weitere Zersplitterung ausgerechnet dieser blutgetränkten Regionen, nur damit noch mehr Volksgruppen ihren nationalistischen Traum ausleben können, kann überhaupt nichts Gutes für die Menschen dort bedeuten. Aber wie beim Brexit oder "America First": Wo einer schreit wir sind besser und brauchen ein eigenes Land, da brüllen alle gerne mit ohne über die Konsequenzen nachzudenken.

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