Schrift:
Ansicht Home:
Politik

Neue Regierung im Irak

Abadi als Premier vereidigt

Zwei wichtige Posten sind noch offen, der Rest des Kabinetts aber steht: Im Irak ist die neue Regierung um Ministerpräsident Haider al-Abadi vereidigt worden. Sein umstrittener Vorgänger Maliki wird Vizepremier.

REUTERS

Haider al-Abadi (Archiv): Bedenkzeit für Besetzung der Innen- und Verteidigungsressorts

Montag, 08.09.2014   22:21 Uhr

Bagdad - Normalität inmitten der Kämpfe: Im Irak ist eine neue Regierung vereidigt worden. Die Mitglieder des neuen Kabinetts von Ministerpräsident Haider al-Abadi hätten im Parlament ihren Amtseid abgelegt, berichtete die Nachrichtenseite "Al Sumaria News".

Die Posten für das Innen- sowie das Verteidigungsressort wurden am Montag jedoch noch nicht vergeben. Abadi habe sich eine weitere Woche Bedenkzeit erbeten, um sie zu besetzen, berichtete der irakische Fernsehsender Al Sharqiya.

Das Regierungsprogramm wurde nach Angaben von "Al Sumaria News" mit 177 von 289 Stimmen angenommen.

Haider al-Abadi tritt die Nachfolge seines Parteikollegen Nuri al-Maliki an. Dieser wurde zum neuen Vizepräsidenten des Irak ernannt. Maliki war für seinen zunehmend autokratischen Regierungsstil in die Kritik geraten und hatte schließlich zugunsten Abadis auf eine weitere Amtszeit verzichtet.

Manch sunnitischer Abgeordneter boykottier Abstimmung

Dem Vormarsch der IS-Miliz Mitte Juni hatte Maliki nichts entgegensetzen können. Die Dschihadisten hatten die zweitgrößte irakische Stadt Mossul erobert und in einem raschen Vorstoß gen Bagdad viele weitere Orte eingenommen. 1,6 Millionen Iraker sind mittlerweile nach Angaben des Uno-Flüchtlingshilfswerk UNHCR auf der Flucht vor den Milizen.

Insgesamt waren nach Angaben von Al Sharqiya unter Berufung auf Parlamentssprecher Salim al-Dschaburis 289 der 328 Abgeordneten zur Sitzung erschienen. Einige sunnitische Abgeordnete seien der Abstimmung aus Protest gegen die schiitische Partei Abadis ferngeblieben.

Zuvor hatte auch ein Streit mit kurdischen Abgeordneten die Regierungsbildung gefährdet. Die Parlamentarier wollten Abadi mehr Zugeständnisse für die kurdische Autonomieregion im Nordirak abringen. Kurdische Peschmerga-Soldaten hatten in den letzten Wochen die Provinzen gegen Angriffe des IS verteidigt, nachdem irakische Truppen geflohen waren.

Abadi bezeichnete nun in seiner Antrittsrede den Kampf gegen die IS-Extremisten im Land als wichtigste Aufgabe. Weiterhin müsse die Sicherheit aller Flüchtlinge im Land gewährt werden.

sun/dpa

insgesamt 3 Beiträge
tatso 09.09.2014
1. solange dort
immer noch religiöse Zuordnungen Abstimmungen beeinflussen ( Boykott, weiles Schiiten sind) wird dort nie Demokratie einkehren. Leider
immer noch religiöse Zuordnungen Abstimmungen beeinflussen ( Boykott, weiles Schiiten sind) wird dort nie Demokratie einkehren. Leider
hubertrudnick1 09.09.2014
2. Arabische Länder
Solange man nicht halbwegs eine Demokratisierung anstrebt und nur die Macht auf einen religiösen Gruppe aufbaut, soange wird dort nie ein Frieden einkehren. Die dort bestehenden gesellschaftlichen Verhältnisse sind der Keim der [...]
Solange man nicht halbwegs eine Demokratisierung anstrebt und nur die Macht auf einen religiösen Gruppe aufbaut, soange wird dort nie ein Frieden einkehren. Die dort bestehenden gesellschaftlichen Verhältnisse sind der Keim der immerwiederkehrenden Gewalt gegen andere Menschen. Die Demokratisierung von George W Bush ist ausgeblieben, dafür ist nun das ganze Gebiet absolut unregierbar geworden. Man hat keinen Frieden gebracht, sondern relgiösen Anarchie.
meier_7 09.09.2014
3.
Ich finde es fast schon perfide, die Saddam Zeit gegenüber heute zu verklären. Saddam hat 2 äußerst brutale Angriffskriege gegen Iran und Kuweit geführt, zehntausende Menschen vergast, hunterttausende auf andere Art und Weise [...]
Ich finde es fast schon perfide, die Saddam Zeit gegenüber heute zu verklären. Saddam hat 2 äußerst brutale Angriffskriege gegen Iran und Kuweit geführt, zehntausende Menschen vergast, hunterttausende auf andere Art und Weise abgeschlachtet etc., das Chaos im Irak hat hingegen auch viel mit Syrien und den Fehlern der Amerikaner zu tun, wie kann da die Saddam Zeit ein Vorbild sein?!

Verwandte Themen

Video

Religiöse Gruppen und ethnische Minderheiten im Irak

Sunniten
Mit über 85 Prozent der Muslime weltweit bilden die Sunniten die größte Gruppe im Islam. Der Name der Glaubensrichtung leitet sich vom arabischen Wort "Sunna" ab, das im religiösen Zusammenhang die "Handlungsweisen des Propheten Mohammed" bedeutet. Zusätzlich zum Koran orientieren sich Sunniten anders als die Schiiten an der Sunna als einer zweiten Quelle des islamischen Rechts. Die Rebellen im Irak gehören der Glaubensrichtung der Sunniten an.
Schiiten
In den Augen der Schiiten haben nur Ali, der Vetter und Schwiegersohn des Propheten Mohammed, und dessen Nachkommen ein Anrecht auf die politische Führung aller Muslime. Zwar unterscheiden sich die Schiiten in der religiösen Praxis kaum von den Sunniten. Doch durch die historische Entwicklung beider Glaubensrichtungen trennen heute tiefe politische Gräben das sunnitische und das schiitische Lager. Im Irak sowie in Iran und dem Libanon stellen die Schiiten die größte Konfessionsgruppe. Auch der irakische Ministerpräsident Nuri al-Maliki ist Schiit.
Alawiten
Alawiten sehen ihre Glaubensgemeinschaft als Abspaltung des schiitischen Islam. Auch sie verehren Ali, den Vetter des Propheten, und seine Nachfolger. Im Unterschied zu den Schiiten hat Ali bei Alawiten aber sogar einen gottähnlichen Status. Anhänger der alawitischen Glaubensrichtung leben vor allem in Syrien. Der syrische Diktator Assad ist Alawit. Es gibt auch Alawiten im Südosten der Türkei und im Libanon.
Kurden
Die Volksgruppe der Kurden stammt aus einem Siedlungsgebiet in Vorderasien, das sich auf die Gebiete der Türkei, des Irak, Irans und Syriens verteilt. Jahrhundertelang war die Region Teil des Osmanischen Reiches. Nicht alle Kurden gehören derselben Glaubensrichtung an. Viele sind Sunniten. Manche sind Aleviten, deren islamische Glaubensrichtung derjenigen der Alawiten ähnelt. Eine kurdische Einheitssprache gibt es nicht, dagegen viele unterschiedliche Dialekte. Im Nordirak hat sich seit dem letzten Golfkrieg ein Kurdenstaat gebildet, der seine Unabhängigkeit fordert.
Jesiden
Die Jesiden leben vor allem in der Gegend um die nordirakische Stadt Mossul. Schätzungsweise gibt es zwischen 300.000 und 1,2 Millionen Anhänger, von denen viele wegen Verfolgung und Diskriminierung ins Ausland geflohen sind. Ihre monotheistische Religion enthält Elemente des Christentums, des Islam und des Zoroastrismus. Neben Gott verehren sie sieben Engel. Der wichtigste heißt Malak Taus, der "Pfauenengel". Die Jesiden verneinen die Existenz des Teufels. Ihnen ist es verboten, außerhalb der Gemeinschaft zu heiraten oder einen anderen Glauben anzunehmen. Ihre wichtigste Pilgerstätte liegt in Lalisch, einem abgelegenen Tal im Norden des Irak. Dort befindet sich das Grab von Scheich Adi, der im 12. Jahrhundert starb und den die Jesiden als Heiligen verehren.

Verwandte Artikel

Artikel

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung
TOP