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Politik

Trotz Kämpfen im Nordirak

Regierungschef Maliki hält an seinem Amt fest

Politische Kräfte im Irak lehnen eine erneute Kandidatur Nuri al-Malikis vereint ab. Dennoch will der Regierungschef sich wieder wählen lassen. Im Norden des Landes haben Kurden einen Angriff auf die IS-Miliz gestartet.

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Regierungschef Nuri al-Maliki: Will sich trotz großem Widerstand erneut wählen lassen

Mittwoch, 06.08.2014   19:27 Uhr

Bagdad - Der Widerstand gegen den irakischen Regierungschef ist groß - doch Nuri al-Maliki hält an seinem Amt fest. Wer gegen den "Kontext der Verfassung" verstoße, der zünde im Irak "das Höllenfeuer" an und verletze den Willen des Volkes, sagte Maliki am Mittwoch in seiner wöchentlichen Fernsehansprache. Seit 2006 ist der schiitische Politiker im Amt. Um für eine weitere Amtsperiode zu kandidieren, beruft Maliki sich auf die Verfassung. Diese gibt dem größten politischen Block im Parlament das Recht, einen Kandidaten für das Amt des Regierungschefs zu nominieren.

Laut Verfassung muss Staatspräsident Fuad Massum bis Donnerstag einen Politiker mit der Bildung einer Regierung beauftragen. Doch die meisten Politiker in Bagdad lehnen eine erneute Kandidatur Malikis ab. Sie machen ihn für den Vormarsch der Terrorgruppe "Islamischer Staat" (IS) verantwortlich.

Angesichts der militärischen Erfolge der IS haben die Kurden und die Zentralregierung in Bagdad ihren Streit beigelegt und arbeiten nun militärisch zusammen. Maliki hat die Luftwaffe angewiesen, die kurdischen Kämpfer zu unterstützen. Kurdische Milizen haben nach den Gebietsverlusten vom Wochenende einen Gegenangriff auf Kämpfer der extremistischen IS gestartet.

"Wir haben unsere Taktik von defensiv auf offensiv geändert", sagte der Vertreter der kurdischen Peschmerga-Kämpfer, Dschabbar Jawar. Die Gefechte konzentrierten sich auf ein Gebiet rund 40 Kilometer südwestlich der kurdischen Regionalhauptstadt Arbil.

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IS im Nordirak: Kurden gehen gegen Dschihadisten vor

Vor den Kämpfen seien etwa 50.000 Mitglieder der religiösen Minderheit der Jesiden geflohen, sagte Jawar. Doch ihr Fluchtort ist gefährlich: Die Mitglieder der Glaubensgemeinschaft hielten sich auf einem Berg in der Nähe der Stadt Sindschar versteckt. Dort drohe ihnen nun der Hungertod, sollten sie nicht binnen 24 Stunden gerettet werden. In der Gewalt der IS-Kämpfer wären die Jesiden in Lebensgefahr: Die Dschihadisten halten sie für "Teufelsanbeter".

Im Nordirak soll sich ein deutscher Selbstmordattentäter in die Luft gesprengt haben. Wie die IS-Miliz am Mittwoch im Internet mitteilte, riss er 20 Kämpfer kurdischer Einheiten in den Tod. Demnach habe ein Mann mit dem Namen Abu Osama al-Almani in der Nähe der Stadt Mossul ein mit Sprengstoff beladenes Fahrzeug in einen Stützpunkt der kurdischen Peschmerga gesteuert, hieß es weiter. Die Angaben ließen sich von unabhängiger Seite nicht überprüfen.

Die Minderheit der Jesiden

Wo leben die Jesiden?
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Die Jesiden stammen aus dem Irak, aus Syrien, Iran und der Türkei. Sie leben vor allem in der Gegend um die nordirakische Stadt Mossul und im nahe gelegenen Sindschar-Gebirge. Wegen Verfolgungen, Diskriminierungen oder Anfeindungen in ihren Heimatländern sind viele ins Ausland geflohen.
Wie viele Jesiden gibt es?
Genaue Angaben zur Zahl der Jesiden weltweit gibt es nicht. Schätzungen schwanken zwischen 300.000 und 1,2 Millionen Anhängern.
Wie groß ist die Gemeinde in Deutschland?
Die Zahlen variieren auch in Deutschland - von um die 50.000 bis zu 120.000 Jesiden. Sie leben überwiegend in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen. Der Zentralrat der Jesiden in Deutschland hat seinen Sitz in Oldenburg, in Hannover gibt es eine Jesidische Akademie.
Woran glauben die Jesiden?
Ihr Glauben enthält Elemente anderer Religione wie der Zoroastrier, Juden, Christen und Muslime. Die Jesiden glauben an einen Gott und verehren sieben Engel. Der wichtigste heißt Malak Taus, der "Pfauenengel". Dieser wird im Christentum und im Islam als "gefallener Engel" oder Teufel angesehen, weil er sich nicht vor Adam verbeugen wollte. Aus Sicht der Jesiden bestand der Engel aber mit seinem Verhalten eine Prüfung seines Glaubens zu Gott. Die Jesiden verneinen die Existenz des Teufels. Ihnen ist es verboten, außerhalb der Gemeinschaft zu heiraten oder einen anderen Glauben anzunehmen.
Wo befindet sich ihr wichtigster heilige Ort?
Er liegt in Lalisch, einem abgelegenen Tal im Norden des Irak. Dort befindet sich das Grab von Scheich Adi, der im 12. Jahrhundert starb und den die Jesiden als Heiligen verehren. Jedes Jahr im Herbst kommen Zehntausende Menschen zu einer Wallfahrt in das Tal.

vek/dpa/Reuters

insgesamt 1 Beitrag
Realityisverydifferent 06.08.2014
1.
Das Wort Miliz ist aber ja falsch wurde schon festgestellt, da es sich bei diesen Jihadisten vielfach um Ausländer handelt, die mit dem bestehenden Staaten-Gefüge nicht viel am Hut haben. Rebellen ist wohl der bezeichnendere [...]
Das Wort Miliz ist aber ja falsch wurde schon festgestellt, da es sich bei diesen Jihadisten vielfach um Ausländer handelt, die mit dem bestehenden Staaten-Gefüge nicht viel am Hut haben. Rebellen ist wohl der bezeichnendere Ausdruck.

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Religiöse Gruppen und ethnische Minderheiten im Irak

Sunniten
Mit über 85 Prozent der Muslime weltweit bilden die Sunniten die größte Gruppe im Islam. Der Name der Glaubensrichtung leitet sich vom arabischen Wort "Sunna" ab, das im religiösen Zusammenhang die "Handlungsweisen des Propheten Mohammed" bedeutet. Zusätzlich zum Koran orientieren sich Sunniten anders als die Schiiten an der Sunna als einer zweiten Quelle des islamischen Rechts. Die Rebellen im Irak gehören der Glaubensrichtung der Sunniten an.
Schiiten
In den Augen der Schiiten haben nur Ali, der Vetter und Schwiegersohn des Propheten Mohammed, und dessen Nachkommen ein Anrecht auf die politische Führung aller Muslime. Zwar unterscheiden sich die Schiiten in der religiösen Praxis kaum von den Sunniten. Doch durch die historische Entwicklung beider Glaubensrichtungen trennen heute tiefe politische Gräben das sunnitische und das schiitische Lager. Im Irak sowie in Iran und dem Libanon stellen die Schiiten die größte Konfessionsgruppe. Auch der irakische Ministerpräsident Nuri al-Maliki ist Schiit.
Alawiten
Alawiten sehen ihre Glaubensgemeinschaft als Abspaltung des schiitischen Islam. Auch sie verehren Ali, den Vetter des Propheten, und seine Nachfolger. Im Unterschied zu den Schiiten hat Ali bei Alawiten aber sogar einen gottähnlichen Status. Anhänger der alawitischen Glaubensrichtung leben vor allem in Syrien. Der syrische Diktator Assad ist Alawit. Es gibt auch Alawiten im Südosten der Türkei und im Libanon.
Kurden
Die Volksgruppe der Kurden stammt aus einem Siedlungsgebiet in Vorderasien, das sich auf die Gebiete der Türkei, des Irak, Irans und Syriens verteilt. Jahrhundertelang war die Region Teil des Osmanischen Reiches. Nicht alle Kurden gehören derselben Glaubensrichtung an. Viele sind Sunniten. Manche sind Aleviten, deren islamische Glaubensrichtung derjenigen der Alawiten ähnelt. Eine kurdische Einheitssprache gibt es nicht, dagegen viele unterschiedliche Dialekte. Im Nordirak hat sich seit dem letzten Golfkrieg ein Kurdenstaat gebildet, der seine Unabhängigkeit fordert.
Jesiden
Die Jesiden leben vor allem in der Gegend um die nordirakische Stadt Mossul. Schätzungsweise gibt es zwischen 300.000 und 1,2 Millionen Anhänger, von denen viele wegen Verfolgung und Diskriminierung ins Ausland geflohen sind. Ihre monotheistische Religion enthält Elemente des Christentums, des Islam und des Zoroastrismus. Neben Gott verehren sie sieben Engel. Der wichtigste heißt Malak Taus, der "Pfauenengel". Die Jesiden verneinen die Existenz des Teufels. Ihnen ist es verboten, außerhalb der Gemeinschaft zu heiraten oder einen anderen Glauben anzunehmen. Ihre wichtigste Pilgerstätte liegt in Lalisch, einem abgelegenen Tal im Norden des Irak. Dort befindet sich das Grab von Scheich Adi, der im 12. Jahrhundert starb und den die Jesiden als Heiligen verehren.

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