Schrift:
Ansicht Home:
Politik

Irakischer Premier

Prominente Schiiten drängen Maliki zum Amtsverzicht

Die Forderungen nach Machtverzicht prasseln auf Nuri al-Maliki ein - doch der irakische Ministerpräsident klammert sich an seinen Posten. Jetzt reden prominente Schiiten dem Politiker ins Gewissen. Sie fürchten den Zerfall ihres Landes.

DPA

Irakischer Politiker Maliki (r.): Besteht auf weiterer Amtszeit

Sonntag, 06.07.2014   16:06 Uhr

Bagdad - Trotz der Eskalation der Gewalt im Irak denkt der Ministerpräsident des Landes nicht daran, seine Macht abzugeben. Doch unter den irakischen Schiiten werden immer mehr Stimmen laut, die einen Verzicht von Nuri al-Maliki auf eine dritte Amtszeit fordern. Der frühere Regierungschef Ijad Allawi sagte in Istanbul: "Ich glaube, es ist für Herrn Maliki Zeit, die Bühne zu verlassen." Bei einer dritten Amtszeit Malikis werde es signifikante Probleme geben.

Malikis Partei war bei der Parlamentswahl im April stärkste Kraft geworden. Er stützt sich jedoch ausschließlich auf schiitische Unterstützer. Kritiker werfen ihm vor, die sunnitische Minderheit auszugrenzen und damit den Vormarsch der Dschihadisten im Irak mitverursacht zu haben.

Eine Versöhnung der Bevölkerungsgruppen gilt als Voraussetzung für eine Stabilisierung des Landes. Auch aus den USA gibt es Forderungen an Maliki, eine Einheitsregierung zu bilden, in der auch die Sunniten ein Mitspracherecht haben. Eine neue Regierung verlangt zudem der religiöse Führer der Schiiten, Großajatollah Ali al-Sistani. Er sieht Maliki als gescheitert.

Bei einer weiteren Amtszeit Malikis werde der Irak zerbrechen, so die Kritiker. "Definitiv wird es mehr Gewalt geben, die Sicherheitslage wird sich verschlechtern", sagte Allawi, der ebenso wie Maliki Schiit ist.

Maliki beharrt indes auf einer dritten Amtszeit. "Ich werde meine Kandidatur für den Posten des Ministerpräsidenten niemals aufgeben", erklärte er am Freitag. "Ich werde ein Soldat bleiben und die Interessen des Irak und seines Volkes im Angesicht der Terroristen und ihrer Verbündeten verteidigen."

Dschihadisten rücken weiter vor

Die Krise des Landes wurde durch den Vormarsch der radikalen Sunniten ausgelöst. Sie haben sich in "Islamischer Staat" umbenannt und ihren Anführer Abu Bakr al-Baghdadi zum Kalifen ausgerufen, nachdem ihre Bewegung große Teile des Nordirak erobert hatte.

Baghdadi soll in Mossul, der zweitgrößten Stadt des Landes, erstmals im Irak öffentlich aufgetreten sein. Ein am Samstag im Internet verbreitetes Video erweckt den Eindruck, dass Baghdadi in einer Moschee im Mossul gepredigt hat. Ob er tatsächlich die Person auf dem Video ist, lässt sich nicht nachprüfen. Die Regierung in Bagdad bezeichnete das Video als Fälschung.

jok/Reuters

Sagen Sie Ihre Meinung!

Verwandte Artikel

Verwandte Themen

Artikel

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung
TOP