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Politik

Erhöhte Bedrohung durch Iran

Britischer General widerspricht US-Aussagen

Laut den USA ist die Bedrohung durch von Iran unterstützte Kräfte in der Golfregion gestiegen - das amerikanische Militär hat deshalb seine Alarmstufe erhöht. Diese Einschätzung teilen aber nicht alle Verbündeten.

Delil SOULEIMAN/ AFP

US-Militärfahrzeuge im Nordosten Syriens

Mittwoch, 15.05.2019   04:25 Uhr

Die amerikanischen Streitkräfte haben im Iran-Konflikt ihre Alarmstufe für die im Irak und in Syrien stationierten Mitglieder der Antiterroroperation Inherent Resolve (OIR) erhöht. Das teilte das US-Regionalkommando Centcom am Dienstag mit. Es gebe glaubhafte Bedrohungen durch von Iran unterstützte Kräfte.

Die USA beurteilen die Lage in der Krisenregion damit anders als der stellvertretende OIR-Kommandeur Christopher Ghika: Der britische General hatte gesagt, die Bedrohung durch von Iran unterstützte Kräfte im Irak und in Syrien sei nicht gestiegen. Die US-Streitkräfte erklärten allerdings, diese Einschätzung Ghikas stehe nicht mit den Geheimdiensterkenntnissen der USA und ihrer Verbündeten im Einklang.

Die Militäroperation Inherent Resolve war 2014 gestartet worden. Sie wird von den USA angeführt und richtet sich gegen die Terrormiliz "Islamischer Staat" in Syrien und im Irak. Ghika ist in der US-geführten Allianz seit vergangenem Sommer stellvertretender Kommandeur für die Bereiche Strategie und Information.

In dem Konflikt zwischen den USA und Iran hatten beide Seiten zuvor beteuert, keinen Krieg zu wollen. Sowohl Washington als auch Teheran gaben sich am Dienstag aber unnachgiebig in ihren Positionen.

Videoanalyse zu Iran/USA: "Die Situation ist explosiv und gefährlich"

Foto: SPIEGEL ONLINE

Die Spannungen zwischen den beiden Ländern hatten in den vergangenen Tagen massiv zugenommen. Das US-Verteidigungsministerium hatte zuletzt unter anderem einen Flugzeugträger und eine Bomberstaffel in den Nahen Osten entsandt und dies damit begründet, dass es Hinweise darauf habe, dass Iran Angriffe auf US-Truppen unternehmen könne.

Angeheizt wurde die Lage zusätzlich durch Sabotageakte in der Golfregion. In Saudi-Arabien wurde am Dienstag eine der wichtigsten Ölpipelines des Landes von mit Sprengstoff beladenen Drohnen angegriffen - möglicherweise von jemenitischen Huthi-Rebellen. Sie werden von Teheran unterstützt. Iran und das von den USA unterstützte Saudi-Arabien sind Erzfeinde. Am Wochenende waren zudem aus den benachbarten Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) Sabotageakte an Öltankern gemeldet worden.

Der iranische Außenminister Dschawad Sarif warnte angesichts der Entwicklungen vor einer Eskalation. "Wir hatten es schon vorhergesehen, dass solche dubiosen Zwischenfälle passieren könnten, um Spannungen in der Region zu provozieren", sagte er laut der staatlichen iranischen Nachrichtenagentur Irna.

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Trump dementierte unterdessen einen Bericht über eine massive Entsendung von Soldaten in die Region. Die "New York Times" hatte berichtet, dass die USA die Entsendung von 120.000 Soldaten in den Mittleren Osten für den Fall prüften, dass Iran beschleunigt an Atomwaffen arbeite oder US-Truppen angreifen sollte. Trump sprach von "Fake News" und sagte: "Würde ich das machen? Absolut. Aber das haben wir nicht geplant. Hoffentlich werden wir das nicht planen müssen. Und wenn wir müssten, würden wir verdammt viel mehr Truppen schicken."

aar/dpa/Reuters

insgesamt 88 Beiträge
bernteone 15.05.2019
1. Wer hat wohl das größte Interesse
an einem Militärschlag ? Die haben einen der besten Geheimdienste , die auch vor Sabotage und Terror nicht zurück schrecken . Würde mich nicht wundern wenn die Geheimdienstinformationen bezüglich Anschläge aus Israel kommen [...]
an einem Militärschlag ? Die haben einen der besten Geheimdienste , die auch vor Sabotage und Terror nicht zurück schrecken . Würde mich nicht wundern wenn die Geheimdienstinformationen bezüglich Anschläge aus Israel kommen und geliefert wird auch gleich .
JDR 15.05.2019
2.
Nun, im Moment scheint Teheran den "pissing contest" zu gewinnen. Während der Angriff auf die Öltanker noch unter dem Schleier des nicht eindeutig leugnens der Verantwortlichkeit geschieht, war der offene Angriff der [...]
Nun, im Moment scheint Teheran den "pissing contest" zu gewinnen. Während der Angriff auf die Öltanker noch unter dem Schleier des nicht eindeutig leugnens der Verantwortlichkeit geschieht, war der offene Angriff der Houthis auf die Pipeline unter direkter Drohung des Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika ein ausgestreckter Mittelfinger im Gesicht von Donald Trump. Dieser scheint noch zu zögern, was die Revolutionsgarden schon jetzt als moralischen Sieg feiern dürften. Zugegeben hat Präsident Trump aus sehr vielen Optionen zu ziehen: Sollte er Houthi Stellungen zerstören, iranische Tanker sabotieren lassen, sollten amerikanische Aufklärer ein oder zwei treibende Minen, die vermutlich aus dem Iran-Irak-Krieg übrig geblieben sind, vor Bandar Abbas treibend entdecken und die Schifffahrt warnen, den Hafen vorläufig nicht anzulaufen oder zu verlassen? Vielleicht macht Trump auch gar nichts und lässt Khamenei gewinnen. Das scheint die Einschätzung der Revolutionsgarden in diesem Moment zu sein. Welcher Weg der beste ist, weiß offensichtlich niemand. Die Erfahrung lehrt, dass Teheran nur unter Druck seinen Kurs ändert und Präsident Trump hat schon einmal in Syrien bewiesen, dass er kein grundsätzliches Problem hat, Gewalt einzusetzen. Das Problem ist, eine der beiden Seiten wird am Ende den Konflikt dominieren. Und völlig unabhängig von Präsident Trump oder Bolton haben die Generäle vor Ort offenbar wenig Geschmack daran, das Regime deutlich "zu warnen". Was die 120.000 Soldaten angeht hat Präsident Trump übrigens Recht (und die NYT auch). Bolten hat updates zu den Plänen verlangt. Das ist unter den gegebenen Umständen vollkommen üblich und keine "Vorbereitung zum Entsenden." Die Tatsache, dass er erwähnt, er könne weitaus mehr schicken, wenn er wollte, zeigt, dass sich Washington ernsthaft auf die Möglichkeit eines Krieges einstellt. Er offenbart hier eine Diskussion, die noch nicht in die Presse geleaked ist. Aber er steht vor dem gleichen Problem: Kann er seinen Generälen vermitteln, was er von ihnen erwartet? Im Pentagon scheint man sich noch vor der Verantwortung drücken zu wollen, ihm klare Optionen zu geben, welche das Regime wirklich unter Druck setzen könnten.
nsiggelkow 15.05.2019
3. Bedenklich
Trump waere nicht der erste amerikanische Praesident der dankbar eine Gelegenheit ergreifen würde eine militärische Auseinandersetzung zu nutzen um von Problemen auf anderen politischen Feldern abzulenken. Wie man das macht [...]
Trump waere nicht der erste amerikanische Praesident der dankbar eine Gelegenheit ergreifen würde eine militärische Auseinandersetzung zu nutzen um von Problemen auf anderen politischen Feldern abzulenken. Wie man das macht haben wir auch schon gesehen.
hurryup 15.05.2019
4. Eskalation
Sieht mittlerweile für mich ganz danach aus, als wollten die Amerikaner die Situation gezielt eskalieren lassen, um dann einen Grund zu haben, ihre Truppen auch einzusetzen. Bleibt nur zu hoffen, dass es von der Bundesregierung [...]
Sieht mittlerweile für mich ganz danach aus, als wollten die Amerikaner die Situation gezielt eskalieren lassen, um dann einen Grund zu haben, ihre Truppen auch einzusetzen. Bleibt nur zu hoffen, dass es von der Bundesregierung ein klares Statement gibt, mit dem sie klarmachen, bei keiner kriegerischen Handlung mitzumachen.
manni0815 15.05.2019
5. Wunsch nach Destabilisierung Europas
Was man seit zwei Jahren zwischen den Zeilen liest, nimmt nun Gestalt an. Hat die Welt nicht genug Probleme? Man wird den Gedanken nicht los, dass es Trump und seinen Schergen um die Destabilisierung Europas geht und er dafuer [...]
Was man seit zwei Jahren zwischen den Zeilen liest, nimmt nun Gestalt an. Hat die Welt nicht genug Probleme? Man wird den Gedanken nicht los, dass es Trump und seinen Schergen um die Destabilisierung Europas geht und er dafuer einen Krieg mit dem Iran riskiert. Amerika kann sich abgesehen von seinen Soldaten sicher fuehlen. Diese Politik ohne Ruecksicht auf Verluste war zu befuerchten.

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