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Politik

Irans Atomprogramm

Was Trump erreichen will - und was dabei rauskommt

Das Atomabkommen entspannte den Dauerkonflikt mit Iran. Dann kam Donald Trump. Welche Folgen haben dessen Sanktionen? Und was bedeutet Rohanis Ansage, Teile des Deals nicht mehr achten zu wollen?

Foto: Raheb Homavandi/ REUTERS
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Mittwoch, 08.05.2019   17:15 Uhr

Die Verhandlungen waren zäh, zogen sich über Jahre, doch im Juli 2015 wurde das Atomabkommen, der "Joint Comprehensive Plan of Action" (JCPOA), endlich in Wien besiegelt.

Damals schlossen sich Iran und die fünf Vetomächte im Uno-Sicherheitsrat, USA, Großbritannien, China, Russland und Frankreich, sowie Deutschland und die EU der Vereinbarung an. Die Islamische Republik verpflichtete sich darin, auf den Bau und die Entwicklung von Atomwaffen zu verzichten.

Formal ist das JCPOA kein völkerrechtliches Abkommen. Rechtsverbindlichkeit erhielt es, als der Uno-Sicherheitsrat die Resolution 2231 verabschiedete - und damit die Vereinbarung billigte.

Was sind die Kernpunkte des JCPOA?

Warum hat Donald Trump den Deal aufgekündigt?

Trump war immer ein Gegner der Vereinbarung mit Teheran, schon allein deshalb, weil diese von Barack Obama vorangetrieben wurde. Wiederholt sprach er vom "schlechtesten Deal aller Zeiten", der Iran nicht an der Entwicklung von Kernwaffen hindern könne. Dafür gebe es "definitive Beweise", die der US-Präsident aber bis heute nicht vorgelegt hat. Trump rechtfertigte die Aufkündigung des Deals am 8. Mai 2018 zudem damit, dass die Islamische Republik auch nach dem internationalen Abkommen weiter an der Entwicklung ballistischer Raketen gearbeitet habe, die mit nuklearen Sprengköpfen bestückt werden könnten.

Teherans Raketenprogramm stößt nicht nur in den USA, sondern auch in der EU auf Kritik. Irans Regime betont, man verstoße damit weder gegen das Atomabkommen noch gegen die Uno-Resolution 2231, die im Juli 2015 in Zusammenhang mit dem Nukleardeal einstimmig verabschiedet wurde. Darin heißt es: "Iran ist aufgefordert, keine Tätigkeiten im Zusammenhang mit ballistischen Flugkörpern durchzuführen, die dazu angelegt sind, Kernwaffen zum Einsatz bringen zu können, einschließlich Starts unter Verwendung von Technologie für solche ballistischen Flugkörper."

Iran behauptet, dass das kein striktes Verbot für Raketentests bedeute und bestreitet zudem, dass die getesteten Raketen überhaupt mit einem atomaren Sprengkopf bestückt werden könnten.

Was sagen die Inspekteure der IAEA?

Die Wiener Behörde hat Iran wiederholt bescheinigt, sich an die Abmachungen im JCPOA zu halten - auch, nachdem die USA den Deal einseitig aufgekündigt hatten. Seit 2015 hat die IAEA insgesamt 14 Zwischenberichte vorgelegt - stets gab es nur unbedeutende Beanstandungen. Auch die US-Regierung hatte bis zu Trumps Ausstieg jeden Bericht über die Einhaltung des Abkommens abgenickt.

Welche Sanktionen hat Trump verhängt?

Die erste Runde neuer Strafmaßnahmen greift seit August 2018. Die Vereinigten Staaten wollen damit erreichen, dass Iran keine US-Dollar erwerben und nicht mehr mit Gold und Edelmetallen handeln kann. Auch der Handel mit bestimmten Metallen, Rohstoffen und Industriesoftware soll unterbunden werden. Zudem wird der Import iranischer Lebensmittel und Teppiche in die USA untersagt.

Die zweite Sanktionsrunde ist im November 2018 in Kraft getreten. Die Strafmaßnahmen zielen auf die iranische Ölindustrie ab, den mit Abstand wichtigsten Wirtschaftszweig.

Vor einer Woche verschärfte Washington die Sanktionen abermals. Seit 2. Mai müssen alle Länder ihre Erdölimporte aus Iran aufgeben, wenn sie keine US-Sanktionen riskieren wollen. Damit sollen die iranischen Einnahmen aus dem Ölgeschäft so weit wie möglich gesenkt werden.

Wie verhalten sich Deutschland und die Europäer?

Der US-Botschafter in Deutschland, Richard Grenell, hatte direkt am Tag, als Trump das JCPOA aufkündigte, unmissverständlich klar gemacht, was Washington von anderen Ländern erwartet: "Deutsche Firmen, die in Iran tätig sind, sollten ihre Geschäfte sofort herunterfahren", forderte Grenell via Twitter. Diese Anweisung des Diplomaten wurde in Berlin brüsk zurückgewiesen. Trotzdem haben die Sanktionen ihren Zweck erfüllt und den Handel Deutschlands mit Iran massiv beschädigt.

Zwar haben Deutschland und die beiden anderen europäischen JCPOA-Partner Großbritannien und Frankreich stets betont, dass sie auch ohne die USA an der Vereinbarung festhalten wollen. Gleichwohl sind sie bislang mit dem Versuch gescheitert, Sanktionen wirkungsvoll zu umgehen. Denn fast alle Banken in Europa lehnen es ab, den Zahlungsverkehr für legale Iran-Geschäfte abzuwickeln - aus Angst, sie könnten aus den USA bestraft werden.

Die Bundesrepublik, Frankreich und das Vereinigte Königreich haben im Februar die Zweckgesellschaft Instex gegründet, die europäische Unternehmen mit Geschäftsbeziehungen nach Iran vor US-Sanktionen schützen soll. Doch vier Monate nach der Gründung ist die Gesellschaft mit Sitz in Paris immer noch nicht im operativen Geschäft.

Was will Trump erreichen?

Die US-Regierung setzt darauf, dass die Sanktionen die iranische Wirtschaft dramatisch schwächen und die Staatseinnahmen deutlich zurückgehen. So soll Teheran dazu gebracht werden, seine Unterstützung für schiitische Milizen in den arabischen Staaten zurückzufahren. Außerdem soll im iranischen Volk die Unzufriedenheit mit der Führung in Teheran steigen. Geht es nach Trumps Nationalem Sicherheitsberater John Bolton, führt die desaströse Wirtschaftslage über kurz oder lang zu einem Volksaufstand und schließlich zu einem Regimewechsel in Iran.

Wie reagiert Iran?

Auf den Tag genau ein Jahr nach Trumps JCPOA-Rückzug hat Irans Präsident Hassan Rohani bekannt gegeben, dass sein Land zwei Punkte aus der Vereinbarung nicht länger umsetzen werde. Konkret geht es um die Bestände an schwach angereichertem Uran und an Schwerwasser. Hier will Iran künftig die Obergrenzen von 300 Kilogramm beziehungsweise 130 Tonnen überschreiten. Es handelt sich dabei um zwei relativ milde Verletzungen des JCPOA.

Rohani richtete sich in seiner Ansprache in erster Linie an die Europäer. Er gab ihnen 60 Tage Zeit, einen Weg zu finden, die US-Sanktionen zu umgehen. Sollte in diesen zwei Monaten keine Veränderung festzustellen sein, könnten weitere Schritte folgen, unter anderem brachte Rohani eine Modernisierung des Schwerwasserreaktors Arak in Eigenregie ins Spiel.

Foto: AFP PHOTO / HO / IRANIAN PRESIDENCY

Vor allem aber verwies er darauf, dass Iran viel Geld ausgebe, um zu verhindern, dass Flüchtlinge und Drogen aus Afghanistan über Iran Richtung Europa gelangten. Dafür könne sein Land unter den jetzigen Umständen nicht länger aufkommen. Die indirekte Drohung: Ohne ein Entgegenkommen Deutschlands, Frankreichs und Großbritanniens könnte schon bald eine Drogen- und Flüchtlingswelle auf Europa zukommen.

insgesamt 113 Beiträge
DJ Bob 08.05.2019
1. schon komisch
das hier bei dem Beitrag darauf hingewiesen wird das die USA den Iran den ersten Forschungsreaktor schenkten. Hier ein kleiner kopierte Beitrag von Wiki über das Kernkraftwerk Buschehr Das Kraftwerk wurde bereits in den [...]
das hier bei dem Beitrag darauf hingewiesen wird das die USA den Iran den ersten Forschungsreaktor schenkten. Hier ein kleiner kopierte Beitrag von Wiki über das Kernkraftwerk Buschehr Das Kraftwerk wurde bereits in den 1970er Jahren geplant und sollte von der Kraftwerk Union, einem Joint-Venture-Unternehmen, an dem die Siemens AG und AEG-Telefunken beteiligt waren, errichtet werden. Der Bau begann am 1. Mai 1975, wobei ursprünglich zwei Druckwasserreaktoren vorgesehen waren, wie sie im Kernkraftwerk Biblis verwendet wurden. Die Fertigstellung war für 1982 geplant, wobei der Bau der Sicherheitshülle in die Zuständigkeit der Fried. Krupp AG fallen sollte. Die Gesamtkosten des Baus wurden auf vier bis sechs Milliarden US-Dollar veranschlagt. Ungefähr 5500 Deutsche lebten in dem zur Baustelle gehörenden Camp, davon etwa 2800 Familienangehörige. Zur Infrastruktur gehörte die Deutsche Auslandsschule Buschehr, das Krankenhaus und ein Fernsehstudio. Eine Auslandsbaustelle mit diesen Dimensionen gab es bis jetzt nicht wieder. Nachdem im Jahre 1979 jedoch das Schahregime im Verlauf der Islamischen Revolution gestürzt wurde, kam der Bau zum Erliegen – Block 1 war zu diesem Zeitpunkt zu 85 % fertiggestellt, Block 2 zu 50 %. Siemens zog sich aus mehreren Gründen aus dem Projekt zurück Das hat der Autor wohl vergessen?
rar.rar 08.05.2019
2. Verständlich
Beruflich Handel ich Getreide mit dem Iran (Nahrungsmittel sind von Sanktionen ausgenommen) und seit Mitte Dezember ist es sehr schwer geworden. Geldtransfer über Europa ist nahezu unmöglich, es ist einfacher Gelder aus China [...]
Beruflich Handel ich Getreide mit dem Iran (Nahrungsmittel sind von Sanktionen ausgenommen) und seit Mitte Dezember ist es sehr schwer geworden. Geldtransfer über Europa ist nahezu unmöglich, es ist einfacher Gelder aus China und Russland zu erhalten. Das zweite Problem ist aber, dass in Europe nicht genügen iranische Gelder sind d.h Europa muss Iranisches Öl kaufen oder die Iraner werden kein Geld in Europa haben.
spon_5217121 08.05.2019
3. Warum dreht Trump an der Eskalationsschraube?
Der Atomvertrag ist das eine-das andere bisher nicht erwähnte ist die Gefahr einer Achse, Peking,Moskau, Teheran 15.bis 17.April Sicherheitskonferenz in Moskau Dreiergesprächzwischen Moskau,Teheran Und Peking über eine [...]
Der Atomvertrag ist das eine-das andere bisher nicht erwähnte ist die Gefahr einer Achse, Peking,Moskau, Teheran 15.bis 17.April Sicherheitskonferenz in Moskau Dreiergesprächzwischen Moskau,Teheran Und Peking über eine engere militärische Zusammenarbeit.Die Gespräche sollen fortgesezt werden. Wenn Teheran Achsenmitglied wird,knallt es.
bicyclerepairmen 08.05.2019
4. Vergessen sollte bei der...
ganzen unseeligen Sache aber nicht das eigentlich das Scheitern des Atomabkommens schon unter Obama einkalkuliert wurde. Nicht mal 3 Monate nach Unterzeichnung wurden die SecondarySsanctions US seitig in Kraft gesetzt. Diese sahen [...]
ganzen unseeligen Sache aber nicht das eigentlich das Scheitern des Atomabkommens schon unter Obama einkalkuliert wurde. Nicht mal 3 Monate nach Unterzeichnung wurden die SecondarySsanctions US seitig in Kraft gesetzt. Diese sahen praktisch ein Handelsverbot amerikanischer Firmen und Privatpersonen vor, also ein klares Zeichen an die intl. Finanzwirtschaft hier sich nicht zu involvieren. Vor allen an jene Institute die schon Hunderte von Millionen and Konventionalstrafen an US Behörden wegen Sanktionsverstößen zahlen mussten. Sprich, zwischen dem Zeitpunkt des Abkommens und Trumps offiiziellen Rückzieher liefen die Geschäfte aufgrund fehlender Finanzierungsmöglichkeiten oder simpel der Weigerung der meisten europäischen Banken "iranisches" Geld anzunehmen, mehr als schleppend.
Elrond 08.05.2019
5. Wieder einmal mehr Unsicherheit geschaffen als Stabilität
Vielleicht erinnern wir uns daran, auf welcher Grundlage der amtierende Präsident das Atomabkommen gekündigt hat. Es waren Mutmaßungen Netanjahus, der angeblich "definitive Beweise" dafür vorgelegt hat, dass der Iran [...]
Vielleicht erinnern wir uns daran, auf welcher Grundlage der amtierende Präsident das Atomabkommen gekündigt hat. Es waren Mutmaßungen Netanjahus, der angeblich "definitive Beweise" dafür vorgelegt hat, dass der Iran sich nicht vertragskonform verhalte, sondern an Atomwaffen weiterbaue. Und wurde dieses angebliche Fehlverhalten überhaupt offiziell bestätigt? Ich kann mich nicht erinnern. Warum auch, Netanjahu hat´s doch gesagt, dann stimmt´s! (Ironie aus) Vielmehr erinnerte es an ein deja vu seines republikanischen Vorgängers JWB. Es geht darum, im Sinne Israels, den Iran zu destabilisieren auf Teufel komm raus, und wenn die US- Regierung (erneut) lügen muss, dass sich die Balken biegen. Warum haben wohl Frankreich, Deutschland, ja die EU, Russland, Großbritannien versucht, die Beziehungen zum Iran aufrechtzuhalten - etwa in dem Wissen, dass sich der Iran nicht an geschlossene Verträge hält? Wohl kaum. Und uns nun den schwarzen Peter zuzuschieben - obwohl wir alles versucht haben, dieses Land nicht vor die Hunde gehen zu lassen - ist eine beispiellose diplomatische Tragöde. Die US-Regierung versagt im Hinblick auf Diplomatie, Schaffung von Stabilität, Frieden auf ganzer Linie. Bravo kann man da nur sagen, dass Trump es wieder einmal geschafft hat, die Weltordnung weit zu destabilisieren.

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Irans Atomprogramm

Streit
AP

Iran unterzeichnete 1968 den Sperrvertrag für Atomwaffen . Dieser erlaubt die zivile Nutzung von Nuklearenergie und die dafür notwendige Forschung einschließlich der Urananreicherung .

Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) mit Sitz in Wien kontrolliert die Einhaltung des Atomwaffensperrvertrags; sie erstellt regelmäßig Berichte über das iranische Atomprogramm .

Der Uno-Sicherheitsrat hat in seiner Resolution 1696 vom 31. Juli 2006 Iran erstmals aufgefordert, die Anreicherung von Uran einzustellen; Teheran weigert sich unter Berufung auf den Atomwaffensperrvertrag.

Als Vermittler tritt seit einigen Jahren auch die "EU-Troika" auf, bestehend aus Frankreich, Großbritannien und Deutschland.

Anlagen
Arak : geplanter Schwerwasserreaktor
Buschehr : Atomkraftwerk, im Mai 2011 nach mehrfachen Terminverschiebungen in Betrieb genommen - zunächst zu Testzwecken. Im September 2011 ging der Reaktor in Regelbetrieb, allerdings noch nicht auf voller Leistung
Isfahan : Forschungsreaktor
Jasd: Uranminen
Natans : Anlage zur Urananreicherung, angeblich mit 6000 Zentrifugen in Betrieb. Im Herbst 2009 gab Iran bekannt, nahe der Stadt Ghom eine zweite Anlage zur Urananreicherung zu besitzen.
Teheran : Forschungsreaktor
Geschichte
1974: Unter Beteiligung von Siemens beginnt bei Buschehr der Bau eines Kernkraftwerks.
1979: Nach der Revolution und der Ausrufung der Islamischen Republik wird das Atomprogramm nicht weiter betrieben.
1980-1988: Im Irak-Iran-Krieg wird der Atomreaktor in Buschehr mehrfach bombardiert und dabei schwer beschädigt.
Neunziger Jahre: Deals auf dem Schwarzmarkt mit Abdul Qadir Khan , Pakistans "Vater der Atombombe"
1995: Abkommen mit Russland zum Wiederaufbau des Atomreaktors von Buschehr
2002: Iranische Oppositionelle im Exil berichten über ein geheimes Atomprogramm.
2003: Iran unterzeichnet das Zusatzprotokoll zum Atomwaffensperrvertrag (bislang aber nicht vom Parlament ratifiziert).
2006: Der Uno-Sicherheitsrat verlangt in seiner Resolution 1696 erstmals den Stopp der Urananreicherung .
Juli 2008: Iran droht bei einem Angriff auf seine Atomanlagen mit militärischen Gegenschlägen. Das Regime testet Schahab-3-Raketen, die auch Ziele in Israel erreichen könnten.
November 2008: Iran hat nach eigenen Angaben die Zahl seiner für die Urananreicherung benötigten Zentrifugen auf 5000 erhöht.
Juni 2009: Iran hat laut Internationaler Atomenergiebehörde IAEA weitere tausend Gaszentrifugen im Atomzentrum Natans in Betrieb genommen und bisher knapp 1,4 Tonnen niedrig angereichertes Uran produziert.
Mai 2010: Nach Verhandlungen mit dem brasilianischen Präsidenten Lula und dem türkischen Regierungschef Erdogan erklärt sich Iran bereit, schwach angereichertes Uran im Ausland zu tauschen. Wenig später kündigt Teheran an, an der umstrittenen Urananreicherung auf 20 Prozent festhalten zu wollen.
Juni 2010: Der Uno-Sicherheitsrat, die EU und die USA beschließen neue Sanktionen gegen Teheran. US-Präsident Obama spricht von den bisher härtesten Sanktionen überhaupt - doch Beobachter bleiben skeptisch, ob die Strafmaßnahmen Erfolg bringen.
Sanktionen
REUTERS

Uno-Sanktionen: Verbot von Waffen- und Nuklearhandel, Einfrieren von Konten, Reisebeschränkungen, verhängt in Resolution 1737 (23.12.2006), Resolution 1747 (24.03.2007), Resolution 1803 (03.03.2008)

Sanktionen der USA: Vollständiger Handels- und Investitionsboykott, beruhend auf Executive Order 12959 von 1995, neue Sanktionen im Juni 2010

Sanktionen der EU: Einschränkungen für Handel und Investitionen, Einfrieren von Vermögen, Reisebeschränkungen, beruhend auf Verordnung (EG) Nr. 423/2007 des Rates (19.04.2007)

Nahost
dpa

Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad erklärt, das israelische "Besatzungsregime" müsse "aus den Annalen der Geschichte verschwinden".
Israelische Politiker, darunter auch Kabinettsmitglieder, sprechen sich für präventive Militärschläge gegen Iran aus.
Personen
Said Dschalili , Atomunterhändler seit Oktober 2007
Yukiya Amano , Generaldirektor der IAEA
Der Verhandlungspoker um die Urananreicherung
Oktober 2009: Vertreter Irans, Deutschlands und der fünf Vetomächte im Sicherheitsrat kommen zu Atom-Gesprächen in Genf zusammen.
November 2009: Die IAEA kritisiert in einer Resolution die jahrelang geheim gehaltene iranische Urananreicherungsanlage bei Ghom. Teheran reagiert mit der Ankündigung, zehn neue Uran-Anlagen zu bauen.
Dezember 2009: Iran testet die Mittelstreckenrakete Sedschil 2. Diese habe größere Zielgenauigkeit als das Vorgängermodell Schahab 3.
2. Februar 2010: Ahmadinedschad zeigt sich bereit, auf einen Vorschlag der IAEA einzugehen, der eine Anreicherung iranischen Urans auf 20 Prozent im Ausland vorsieht. Wenige Tage später rudert er wieder zurück.
7. Februar 2010: Iran verkündet, man habe niedrig angereichertes Uran von 3,5 auf 20 Prozent gebracht und sei in der Lage, es auf 80 Prozent anzureichern. Damit könnten Atomwaffen hergestellt werden.
11. Februar 2010: US-Präsident Barack Obama kündigt als Reaktion umfangreiche neue Sanktionen gegen Iran an.
1. April 2010: Nach langem Widerstand gegen neue Sanktionen ist China bereit, sich an den Verhandlungen über den Text einer verschärften Uno-Resolution zu beteiligen.
25. April 2010: Zur Abwehr neuer Sanktionen besucht Irans Außenminister Manutschehr Mottaki Österreich. Gespräche mit dem Chef der IAEA, Yukija Amano, und Österreichs Außenminister Michael Spindelegger bringen jedoch keinen Durchbruch.
17. Mai 2010: Nach Verhandlungen mit Brasilien und der Türkei lenkt Iran ein und will Uran im Ausland anreichern lassen. Doch die internationale Gemeinschaft reagiert skeptisch auf die Ankündigung.
9. Juni 2010: Der Uno-Sicherheitsrat beschließt schärfere Sanktionen gegen Iran. Sie beinhalten weitere Hürden für die iranische Finanzbranche und eine Ausweitung des Waffenembargos. Auch die USA und die EU setzen schärfere Maßnahmen gegen Iran in Kraft.
Januar 2011: Die Atomgespräche zwischen Iran und den westlichen Mächten in Istanbul scheitern. Teheran hatte weiterhin "ein Recht auf Urananreicherung" gefordert.

Uran und Atomwaffen

Uran
Uran eignet sich sowohl für die Energiegewinnung als auch für den Einsatz in Atomwaffen. Entscheidend ist der Grad der Anreicherung. Der Ausgangsstoff Uranerz besteht zu rund 99,3 Prozent aus Uran 238; das spaltbare Uran 235 macht nur etwa 0,7 Prozent aus. Für die Nutzung in Kernreaktoren muss der Anteil von Uran 235 auf drei bis fünf Prozent gesteigert werden, für eine Atombombe ist ein Anreicherungsgrad von mindestens 85 Prozent notwendig.
Anreicherung
Uranerz wird nach dem Abbau zunächst zu einem gelblichen Pulver verarbeitet, dem sogenannten Yellowcake. Es dient zur Herstellung von Brennelementen für Reaktoren, kann aber zwecks Anreicherung auch in Uran-Hexafluorid (UF6) umgewandelt werden, das bis 56 Grad Celsius in kristalliner Form vorliegt und darüber gasförmig ist.

Die meisten Anreicherungsanlagen weltweit basieren auf der Gasdiffusion: Gasförmiges Uran-Hexafluorid wird durch halbdurchlässige Membrane gepresst, wobei sich das Uran 235 vom Rest trennt. Das Verfahren gilt inzwischen jedoch aufgrund seines hohen Energiebedarfs als veraltet.

Eine modernere Methode ist die Gaszentrifuge, an der auch in Iran experimentiert wird. Bei ihr macht man sich den Massenunterschied zwischen beiden Uran-Isotopen zunutze: Wird Uran-Hexafluorid in die Zentrifugen gegeben, sammeln sich die schwereren Uran-238-Moleküle bei bis zu 70.000 Umdrehungen pro Minute außen in den Zylindern, die Uran-235-Moleküle bleiben innen.
Einsatz in Atomwaffen
Für den Einsatz in Kernreaktoren genügt es bereits, wenn Uran 235 zu drei bis fünf Prozent in den Brennelementen angereichert ist. Ab 20 Prozent ist von hochangereichertem Uran die Rede. Für eine Atombombe ist ein Anreicherungsgrad von mindestens 80 Prozent erforderlich, da sonst eine zu große Uranmenge notwendig wäre.

Uran 235 kam in der ersten jemals eingesetzten Atombombe, die am 6. August 1945 Hiroshima zerstörte, als Sprengstoff zum Einsatz. Die Sprengkraft lag bei rund 13 Kilotonnen TNT. Die Bombe, die drei Tage später auf Nagasaki abgeworfen wurde, erreichte 20 Kilotonnen TNT. In ihr kam allerdings nicht Uran zum Einsatz, sondern Plutonium 239, das per Neutronenbeschuss in Brutreaktoren aus Uran 238 gewonnen wird.

Republik Iran

Land
REUTERS

Die Islamische Republik Iran ist mit einer Fläche von rund 1,7 Millionen Quadratkilometern fünfmal so groß wie Deutschland. Das Land besitzt nach Russland die zweitgrößten Erdgasreserven der Welt, beim Erdöl steht Iran auf Platz drei und ist derzeit nach Saudi-Arabien der größte Produzent innerhalb der Opec.
Politik
dpa

Seit der Islamischen Revolution von 1979 haben der Revolutionsführer, aktuell Ajatollah Ali Khamenei (Bild), und der Wächterrat die größte Macht im Staat. Der Wächterrat kontrolliert die Kandidaten für Wahlen. Der Regierungschef ist der gewählte Präsident - seit August 2013 Hassan Rohani.
Leute
Corbis

Iran hat rund 75 Millionen Einwohner. Auf dem Uno-Index menschlicher Entwicklung (HDI) für 179 Staaten belegt Iran Platz 76 (Deutschland ist auf Platz fünf). Die durchschnittliche Lebenserwartung liegt bei 73 Jahren (zum Vergleich: Die Lebenserwartung in Deutschland liegt bei 80 Jahren).
Wirtschaft
REUTERS

Die Wirtschaftsleistung pro Kopf betrug 2013 laut einer Schätzung des Internationalen Währungsfonds (IWF) rund 4750 Dollar. Nach der minimalen Lockerung der internationalen Wirtschaftssanktionen keimt im Land derzeit Hoffnung auf eine wirtschaftliche Erholung. 2013 schrumpfte die Wirtschaft noch um schätzungsweise 1,7 Prozent nach mehr als fünf Prozent 2012. Neben der Arbeitslosenquote, die offiziell bei rund 13 Prozent, inoffiziellen Schätzungen zufolge aber wohl weit höher liegt, ist die Inflation nach wie vor eines der größten wirtschaftlichen Probleme. 2013 lag sie bei 35 Prozent, für 2014 rechnet der IWF mit 23 Prozent. Im Jahr 2013 machte Teherans Verteidigungsbudget laut IISS rund vier Prozent der gesamten Wirtschaftsleistung aus (Deutschland: 1,2 Prozent).
Menschenrechte
REUTERS

Nach China ist Iran das Land, in dem die meisten Todesurteile vollstreckt werden. Laut Amnesty International wurden 2013 mindestens 369 Menschen hingerichtet. Dem International Centre for Prison Studies zufolge saßen 2012 pro 100.000 Einwohner 284 Menschen im Gefängnis (in Deutschland sind es 79). Korruption ist in Iran weit verbreitet. Auf dem weltweiten Index von Transparency International nimmt Iran 2013 bei 177 beobachteten Staaten den 144. Rang ein (Deutschland: 12).

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