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Politik

Annäherung zwischen Israel und Bahrain

"Das jüdische Volk hat einen Platz unter uns"

Beim Nahost-Gipfel in Bahrain tat sich jenseits der großen Termine Außergewöhnliches: Jüdische Gäste feierten einen Gottesdienst in einer Synagoge, der Außenminister des Golfstaats machte Israel Avancen.

Shaun TANDON / AFP

Bahrains Außenminister: "Das jüdische Volk hat einen Platz unter uns"

Von und
Donnerstag, 27.06.2019   16:00 Uhr

Es war ein seltsames Treffen. Die, um die es in Bahrain beim Nahost-Workshop "Frieden zum Wohlstand" ging, waren nicht dabei: Die Palästinensische Autonomiebehörde verweigerte die Teilnahme, Israels Regierung schickte keinen offiziellen Vertreter in das kleine Königreich. "Es ist wie eine Hochzeit, bei der Braut und Bräutigam nicht erscheinen", sagte Munib al-Masri, einer der reichsten und einflussreichsten palästinensischen Unternehmer. Er war der Einladung nach Bahrain nicht gefolgt.

Unter den Israelis vor Ort befand sich - offiziell als privater Geschäftsmann - hingegen Yoav Mordechai. Der pensionierte General war bis 2018 Koordinator der Regierungsaktivitäten im Westjordanland und dem Gazastreifen. Für viele Palästinenser ist Mordechai, der fließend Arabisch spricht, das Gesicht der Besatzung.

Für die Lösung des Nahostkonflikts, um den es eigentlich ging, brachte die zweitägige Veranstaltung in Manama keine neuen Impulse. Größere Bedeutung hat aber, was sich rund um den Workshop abspielte. Obwohl Bahrain und Israel bis heute keine offiziellen diplomatischen Beziehungen unterhalten, empfing das Regime israelische Geschäftsleute und Journalisten sowie Rabbiner mit großer Offenheit. Während Bahrain die Visa-Anfragen des SPIEGEL und der meisten europäischen Medien ablehnte, ließ man die Reporter der wichtigsten israelischen Medien ins Land.

Am Mittwochmorgen feierten amerikanische und israelische Juden, die zu dem Workshop angereist waren, in der einzigen Synagoge Bahrains einen Gottesdienst. Raphael Ahren, Korrespondent der "Times of Israel" hatte das Gebet organisiert, zusammen mit der bahrainischen Diplomatin Houda Nonoo, die selbst Jüdin ist. Am Ende des Gottesdienstes sang die kleine Gemeinde gemeinsam "Am Yisrael chai" - "Das Volk Israel lebt".

Jenseits dieser symbolischen Geste sorgten politische Aussagen von Bahrains Außenminister Khalid bin Ahmed Al Khalifa für großes Aufsehen. Er gab mehreren israelischen Journalisten Interviews. "Israel ist ein Land im Nahen Osten. Israel ist ein Teil des Erbes der gesamten Region", sagte Khalifa im Interview mit dem israelischen Fernsehsender Channel 13. Und fügte hinzu: "Das jüdische Volk hat einen Platz unter uns."

Dass ein arabischer Spitzenpolitiker anerkennt, dass die jüdische Geschichte im Nahen Osten Jahrtausende zurückreicht und Israel kein kolonialistisches Gebilde ist, hat auch 2019 immer noch Seltenheitswert.

In den sozialen Netzwerken bejubelten viele Israelis Khalifas Worte. Eine Journalistin schrieb: "Ein paar Millionen Israels werden erstarren und feuchte Augen bekommen."

Khalifas Aussagen und die Gastfreundschaft gegenüber den israelischen Teilnehmern sind ein weiteres Zeichen für die Annäherung zwischen Israel und den arabischen Golfstaaten. Schon im vergangenen Jahr war Israels Premierminister Benjamin Netanyahu in den Oman gereist, Kulturministerin Miri Regev hatte Abu Dhabi besucht. Angesichts des Konflikts mit Iran, von dem sich Israel und die Golfmonarchen gleichermaßen bedroht fühlen, suchen die Herrscher auf der arabischen Halbinsel die Nähe zu Israel.

Bahrains Handlungen deuten darauf hin, dass bald mit Saudi-Arabien auch das mächtigste Land der Region seine Beziehungen zu Israel normalisieren könnte. Seitdem saudi-arabische Streitkräfte vor acht Jahren dem Königshaus in Manama halfen, einen Aufstand der schiitischen Bevölkerungsmehrheit niederzuschlagen, ist Bahrain so etwas wie ein Protektorat der Saudis.

Das Regime in Bahrain kann keine maßgebliche außenpolitische Entscheidung treffen, ohne vorher die Schutzmacht in Riad zu konsultieren. Daher dürften auch die Avancen an Israel das Wohlwollen des saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman gefunden haben.

Damit ist es wohl nur noch eine Frage der Zeit, bis auch Saudi-Arabien israelische Gäste willkommen heißen wird.

insgesamt 8 Beiträge
rohfleischesser 27.06.2019
1.
Eine Normalisierung, Annäherung und Versöhnung zwischen Israel und ersten Teilen der arabischen Welt wäre wünschenswert, aber seien wir ehrlich: Die Chance ist deutlich größer, dass Bahrains Außenminister in Kürze zur [...]
Eine Normalisierung, Annäherung und Versöhnung zwischen Israel und ersten Teilen der arabischen Welt wäre wünschenswert, aber seien wir ehrlich: Die Chance ist deutlich größer, dass Bahrains Außenminister in Kürze zur Zielscheibe irgendeines hasserfüllten Hardliners wird.
Beat Adler 27.06.2019
2. 80% der Einwohner Bahrains sind Shiiten. Koenigshaus ist sunitisch.
80% der Einwohner Bahrains sind Shiiten. Koenigshaus ist sunitisch. Es wirft sich jedem an den Hals, der die militaerischen Muskeln hat, es beim Machterhalt zu schuetzen. Vor ueber 10 Jahren schon wurde in Teheran oeffentlich [...]
80% der Einwohner Bahrains sind Shiiten. Koenigshaus ist sunitisch. Es wirft sich jedem an den Hals, der die militaerischen Muskeln hat, es beim Machterhalt zu schuetzen. Vor ueber 10 Jahren schon wurde in Teheran oeffentlich darueber diskutiert, in Bahrain einzumarschieren und es Heim ins shiitische Reich zu holen. Die iranische 5. Kolonne in Bahrain ist stark. In Saudi Arabien, mit um die 10% der Einwohner Shiiten, vorallem im Osten, im Haupt-Erdoelfoerderungsgebiet, Region Dahran, sind ganz andere Voraussetzungen gegeben, um Israel zu "befreunden" oder nicht. Auch dort bildete der Iran seine 5. Kolonne. Im Februar 1990 war ich persoenlich Augen -und Ohrenzeuge wie in Buraidah hunderte Shiiten von den Saudi Nationalgardisten, Polizisten und Militaers verhaftet wurden. In Saudi Arabien begehen Terroristen des Islamischen Staates Anschlaege gegen die Shiiten, ihre Moscheen und Schulen, sowie auch gegen Saudi Sicherheitsktaefte. Da in Saudi Arabien kaum freie Journalisten und Reporter unterwegs sind, dringt nur selten etwas nach Aussen, das vom Koenigshaus NICHT vorher freigegeben wurde. Wenn sich das Koenigshaus Al Saud zu weit in die Richtung dem Liebhaben von Israel aus dem Fenster lehnt, kann das innerhalb von Saudi Arabien Folgen haben. Solange das Koenigshaus die volle militaerische Unterstuetzung der USA braucht, um an der Macht zu bleiben, tolerieren sie die Naehe der Trumpleute, besonders wegen der Freundschaft Kushner - Mohamed Ben Salman, zu den Rechten und Ultra-Rechten in Israel. mfG Beat
Beobachter21 27.06.2019
3. Ich weiß nicht, ob Sie es mitbekommen haben
aber es gibt seit 1979 einen Friedensvertrag zwischen Ägypten und Israel.Jordanien hat 1994 auch einen mit Israel abgeschlossen.PLO hat im Züge des Oslo-Abkommens Israel annerkannt.Es gibt sogar eine arabische [...]
Zitat von rohfleischesserEine Normalisierung, Annäherung und Versöhnung zwischen Israel und ersten Teilen der arabischen Welt wäre wünschenswert, aber seien wir ehrlich: Die Chance ist deutlich größer, dass Bahrains Außenminister in Kürze zur Zielscheibe irgendeines hasserfüllten Hardliners wird.
aber es gibt seit 1979 einen Friedensvertrag zwischen Ägypten und Israel.Jordanien hat 1994 auch einen mit Israel abgeschlossen.PLO hat im Züge des Oslo-Abkommens Israel annerkannt.Es gibt sogar eine arabische Friedensinitiative,die 2002 von der Arabischen Liga verabschiedet wurde.Leider hat Israel die Initiative abgelehnt.Israel hat leider nach Rabin keinen mutigen Regierungschef,der an Frieden und Versöhnung mit den Palästenesern glaubt und arbeitet.Rabin wurde im übrigens von einem israelischen Fanatiker ermordet.
Beat Adler 27.06.2019
4. Fuer Friedensverhandlungen Palestina - Israel fehlen wichtige Vorausse
Fuer Friedensverhandlungen Palestina - Israel fehlen aktuell wichtige Voraussetzungen, das kann die Kushernshow in Bahrain nicht zukleistern, auch nicht uebertuenchen: 1. Anerkennung der Existenz Israels in den Grenzen von [...]
Fuer Friedensverhandlungen Palestina - Israel fehlen aktuell wichtige Voraussetzungen, das kann die Kushernshow in Bahrain nicht zukleistern, auch nicht uebertuenchen: 1. Anerkennung der Existenz Israels in den Grenzen von Anfang Juni 1967 durch alle direkten Nachbarn, nicht nur Aegypten und Jordanien, auch Libanon und Syrien, sowie die arabische Liga und den islamischen Rat, damit auch von Iran. 2. Die Palestinenser muessen sofort Wahlen durchfuehren, die sie seit 2006 "vergessen". Sie muessen mit gewaehlten Vertretern ihrer Bevoelkerung zu den Verhandlungen antreten. und 3. Es fehlt ein serioeser, unvoreingenommener Vermittler. Die USA koennen das mit Trump im Weissen Haus nicht leisten: Ganz im Gegenteil, nach Anerkennung von Jerusalem als Hauptstadt Israels, der Verlegung der US Botschaft dorthin und nun auch noch der Anerkennung der voelkerrechtswidrigen Annexion der Golanhoehen durch Israel, fallen die USA aus. mfG Beat
Affenjones 27.06.2019
5. Good News
Diese Nachricht ist ein Lichtblick in einer Welt in der die Völker und Nationalstaaten immer mehr auseinander zu driften scheinen. Ob Riad bald wohl eine Botschaft in Jerusalem eröffnet? *schmunzel*
Diese Nachricht ist ein Lichtblick in einer Welt in der die Völker und Nationalstaaten immer mehr auseinander zu driften scheinen. Ob Riad bald wohl eine Botschaft in Jerusalem eröffnet? *schmunzel*
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