Schrift:
Ansicht Home:
Politik

Jahrestag des Sechstagekrieges

Vier Tote bei Protesten an der Gaza-Grenze

Tausende Palästinenser protestierten am Jahrestag des Sechstagekrieges an der Gaza-Grenze. Israelische Soldaten erschossen dabei nach palästinensischen Angaben vier Menschen.

AFP

Proteste im Gazastreifen

Freitag, 08.06.2018   18:30 Uhr

Bei gewalttätigen Auseinandersetzungen mit israelischen Soldaten an der Gaza-Grenze sind nach palästinensischen Angaben vier Menschen getötet worden. Einer davon sei erst 15 Jahre alt gewesen, teilte das palästinensische Gesundheitsministerium in Gaza am Freitag mit. Mehr als 525 weitere Menschen seien verletzt worden, 92 von ihnen durch scharfe Munition. Einem Fotografen der französischen Nachrichtenagentur AFP sei in den Fuß geschossen worden.

Rund 10.000 Palästinenser verbrannten nach Angaben der israelischen Armee an fünf Orten im Gazastreifen an der Grenze zu Israel Reifen und warfen explosive Gegenstände. Palästinenser hätten zudem Dutzende Drachen und Ballons mit explosiven Gegenständen über den Grenzzaun hinweg aufsteigen lassen, die in der Luft explodiert seien. Die Soldaten würden mit entsprechenden Maßnahmen reagieren, um die Unruhen aufzulösen, hieß es in einer Stellungnahme.

Das Nationale Komitee des "Marsches der Rückkehr" hatte für diesen Freitag zum "Eine-Million-Marsch-für-Al-Kuds" (Jerusalem) aufgerufen. Damit protestieren die Palästinenser am 51. Jahrestag des Sechstagekrieges. Am 5. Juni 1967 begann der Krieg, während dem Israel unter anderem den Ost-Teil Jerusalems und die Palästinensergebiete eroberte.

Lob von der Hamas

Palästinenser lenkten zudem Hunderte Drachen mit brennenden Stofffetzen nach Israel. Diese lösten zunächst allerdings nur kleinere Feuer aus, wie der Sprecher der israelischen Feuer- und Rettungsbehörde mitteilte. In den vergangenen Wochen hätten israelische Feuerwehrleute rund 450 Feuer gelöscht, die von Drachen dieser Art ausgelöst wurden.

Die Hamas lobte den Protest. "Heute ist unser Volk vereint, weil Jerusalem allen Arabern, Muslimen und Palästinensern gehört", sagte Fati Hamad, Mitglied des Hamas-Politbüros. Die Hamas lehne weiter die Anerkennung der USA von Jerusalem als Israels Hauptstadt ab. Die Palästinenser sehen Ost-Jerusalem als Hauptstadt eines künftigen unabhängigen Staates Palästina.

Israelische Armeeflugzeuge hatten am Donnerstag Flugblätter über dem Gazastreifen abgeworfen. Darin warnte die Armee nach eigenen Angaben die Palästinenser davor, sich dem Grenzzaun zu nähern oder ihn zu beschädigen. Die Menschen sollten "nicht der Hamas als Werkzeug dienen - so wie es in vergangenen Wochen während der gewalttätigen Proteste passiert ist", hieß es in einer Mitteilung der Armee.

als/dpa

Verwandte Artikel

Verwandte Themen

Der Nahost-Konflikt

Knackpunkte der Nahost-Gespräche

Sicherheit
DPA

Israel betont, es werde keinen Palästinenserstaat geben, solange die Sicherheit des jüdischen Staates nicht garantiert sei. Obwohl es in den vergangenen Jahren kaum noch Selbstmordanschläge palästinensischer Terroristen gibt, fühlen sich die Israelis bedroht.

Die israelischen Grenzstädte werden immer wieder von Raketen der radikalislamischen Hamas beschossen. Schlagen diese Geschosse auf israelischer Seite ein, kommt es regelmäßig zu Vergeltungsschlägen auf palästinensischem Gebiet. Die Palästinenser machen ihrerseits Angriffe durch das israelische Militär geltend.

Flüchtlinge
DPA

Als Folge der Kriege 1948/49 und 1967 gibt es in den palästinensischen Gebieten und Israels Nachbarländern 4,8 Millionen registrierte palästinensische Flüchtlinge und ihre Nachkommen.

Die Flüchtlinge beharren auf das Recht, in ihre Heimat im heutigen Israel zurückkehren zu dürfen, Israel verneint dieses Recht und will den Verzicht auf eine Rückkehr in einem Friedensvertrag festschreiben.

Grenzen
DPA

Nach dem Willen der Palästinenser soll ihr Staat die 1967 von Israel besetzten Gebiete Westjordanland, Gaza und Ost-Jerusalem umfassen. Israel beansprucht jedoch Teile dieses Territoriums – entgegen internationalem Recht – für sich. Israel hatte den Gaza-Streifen 2005 zwar geräumt, sein Embargo seit der Machtübernahme der Hamas 2007 aber verschärft.

Israel will zudem an Teilen des Westjordanlands festhalten. Dort gibt es rund 120 jüdische Siedlungen mit etwa 300.000 Israelis. In Ost-Jerusalem leben nach Angaben israelischer Menschenrechtler weitere 200.000. Nach internationalem Recht sind diese Siedlungen auf besetztem palästinensischen Gebiet illegal und müssen geräumt werden.

Jerusalem
AP

Der künftige Status der Stadt mit heiligen Stätten von Juden, Muslimen und Christen ist besonders umstritten. Israel beharrt auf dem ungeteilten Jerusalem als Hauptstadt. Die Palästinenser beanspruchen den Ostteil als Hauptstadt ihres künftigen Staates. Im Jahr 2000 scheiterte der Nahost-Gipfel an der Jerusalemfrage.
Golan
AP

Syrien dringt darauf, dass die 1967 besetzten Golanhöhen im Rahmen einer Friedenslösung zurückgegeben werden. Von der 1150 Quadratkilometer großen Hochebene hat Israels Armee einen guten Blick nach Syrien und in den Libanon. Umgekehrt könnten die Syrer vom Golan aus große Teile Israels überwachen. Heute leben in dem Gebiet neben rund 20.000 Syrern auch etwa 20.000 jüdische Einwohner.
Scheba-Farmen
DPA

Das 30 Quadratkilometer kleine Gebiet an der Grenze von Syrien, Libanon und Israel ist seit langem umstritten. Die Vereinten Nationen und die USA sind der Ansicht, dass das Territorium als Teil der Golanhöhen zu Syrien gehört. Der Libanon und Syrien haben ihre Ansprüche bislang nicht eindeutig formuliert und wollen den Grenzdisput nach einem israelischen Rückzug klären.
Wasser
REUTERS

Schon vor 20 Jahren wurde vor einem drohenden Nahost-Krieg um Wasserquellen gewarnt. Wegen des Bevölkerungswachstums und der oft rücksichtslosen Ausbeutung der Ressourcen werden die Süßwasservorräte immer knapper. Amnesty International wirft Israel vor, Palästinenser bei der Nutzung der gemeinsamen Ressourcen zu benachteiligen, was die Regierung zurückweist. Die Kontrolle des von Israel genutzten Wassers ist auch ein Streitpunkt im Ringen um die künftige israelisch-syrische Grenze auf den Golanhöhen.

Artikel

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung
TOP