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Politik

Israel

US-Botschaft in Jerusalem eröffnet

Im Gazastreifen eskaliert die Gewalt - gleichzeitig hat US-Botschafter David Friedman die amerikanische Botschaft in Jerusalem eröffnet. Donald Trump äußerte sich in einer Videobotschaft.

Foto: DPA
Montag, 14.05.2018   16:47 Uhr

Seit Monaten sorgt die Entscheidung von US-Präsident Donald Trump, Jerusalem als Hauptstadt Israels anzuerkennen, für Aufregung und Konflikte. Jetzt ist die amerikanische Botschaft in Jerusalem eröffnet. Zuvor hatte sie sich noch in Tel Aviv befunden. Botschafter David Friedman begrüßte in Jerusalem rund 800 Gäste.

Zu den Gästen zählten unter anderem Israels Regierungschef Benjamin Netanyahu und dessen Frau Sara. Auch eine Delegation des Weißen Hauses nahm teil. US-Präsident Donald Trump schickte unter anderem seine Beraterin und Tochter, Ivanka Trump, und deren Mann Jared Kushner, nach Jerusalem. Zunächst stimmten die Gäste die US-Nationalhymne an. In seiner Ansprache erinnerte Botschafter Friedman daran, dass vor genau 70 Jahren der israelische Staat ausgerufen worden war.

Trump äußerte sich in einer aufgezeichneten Videobotschaft: "Israel ist eine souveräne Nation mit dem Recht, seine Hauptstadt selbst zu bestimmen", sagte der Präsident: "Wir haben in der Vergangenheit das Offensichtliche nicht anerkannt." Die USA verpflichte sich außerdem weiter, "eine anhaltende Friedensvereinbarung zu fördern".

"Großartiger Tag für den Frieden" - mehr als 40 Tote im Gazastreifen

Netanyahu sprach von einem "glorreichen Tag". Er sagte: "Das hier ist Geschichte." Der Regierungschef betonte, Jerusalem werde für immer in der Hand Israels bleiben. Das sei auch ein Verdienst von Generalstabschef Gadi Eizenkot, der israelischen Armee und sonstiger Sicherheitsorgane. "Unsere tapferen Soldaten verteidigen unsere Grenzen, während wir hier sprechen." Es sei "ein großartiger Tag für Israel und ein großartiger Tag für die USA und ein großartiger Tag für den Frieden".

Im Gazastreifen eskaliert währenddessen erneut die Gewalt. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums der Region sind bereits mehr als 40 Menschen getötet und weitere 1700 verletzt worden. Schon seit sechs Wochen kommt es am Gazastreifen immer wieder zu gewaltsamen Ausschreitungen.

Trump selbst ist bei der Eröffnung nicht vor Ort. Im Dezember hatte er angekündigt, die Botschaft zu verlegen. Die Entscheidung stellt einen scharfen Bruch mit der jahrzehntelangen US-Politik dar. Sein Beschluss löste in der arabischen Welt und vor allem unter Palästinensern scharfe Proteste aus.

Der endgültige Status Jerusalems ist einer der größten Streitpunkte im Nahostkonflikt. Die Palästinenser beanspruchen den 1967 von Israel besetzten und 1980 annektierten Ostteil Jerusalems als künftige Hauptstadt des von ihnen angestrebten eigenen Staates (mehr Details zu dem Thema finden Sie hier).

aev/AFP/Reuters

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