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Politik

Palästinensisches Verwaltungszentrum

Israels Armee riegelt nach Anschlag Ramallah ab

Nach einem tödlichen Angriff auf Israelis im besetzten Westjordanland wächst die Furcht vor einer Eskalation der Gewalt. Die israelische Armee sucht nach den Tätern, Premier Netanyahu kündigt Konsequenzen an.

DPA

Ein Palästinenser wirft Steine auf israelische Sicherheitskräfte.

Donnerstag, 13.12.2018   19:10 Uhr

Israels Armee hat bei der Suche nach mutmaßlichen palästinensischen Attentätern Ramallah, das Verwaltungszentrum der Palästinenser im Westjordanland, abgeriegelt. Palästinensischen Medienberichten zufolge ist dies das erste Mal seit der zweiten Intifada. Der Palästinenseraufstand endete 2005.

Grund für das Vorgehen ist laut Armeeangaben ein Anschlag nördlich von Jerusalem. Demnach erschoss ein Palästinenser zwei israelische Soldaten. Zwei weitere Menschen wurden verletzt, teilte der israelische Rettungsdienst Zaka mit.

Der Armee zufolge habe der Angreifer am Vormittag das Feuer auf Menschen an einer Bushaltestelle eröffnet. Er sei mit seinem Auto geflohen. Die Armee durchsuchte daraufhin vor allem das Gebiet um Ramallah.

Auf der Suche nach den Attentätern töteten israelische Sicherheitskräfte zwei mutmaßliche palästinensische Attentäter aus dem Westjordanland bei versuchten Festnahmen. Zwei weitere Palästinenser wurden Armeeangaben zufolge bei ihren eigenen Attacken erschossen.

Netanyahu droht mit Ausbau von Siedlungen

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanyahu kündigte als Reaktion auf den Anschlag einen Ausbau der israelischen Siedlungen im Westjordanland an. Unter anderem solle der Bau von 82 Wohnungen in der Siedlung Ofra genehmigt werden. Außerdem sollten Tausende Wohnungen legalisiert werden.

Im Westjordanland und in Ost-Jerusalem leben mehr als 600.000 jüdische Siedler inmitten von etwa drei Millionen Palästinensern. Die Uno betrachtet sämtliche Siedlungen als illegal. Israel unterscheidet zwischen Siedlungen, die mit Genehmigung der Regierung gebaut wurden, und illegalen Außenposten.

Die radikalislamische Hamas lobte den Anschlag nördlich von Ramallah. Das Büro des Palästinenserpräsidenten Mahmoud Abbas verurteilte die Gewalt, machte aber die fehlenden Perspektiven für Frieden und das Vorgehen der israelischen Armee in den Palästinenserstädten dafür verantwortlich.

Die Attacke kommt nur wenige Tage nach einem Anschlag bei der israelischen Siedlung Ofra. Eine hochschwangere Frau war dabei am Sonntag schwer verletzt worden. Drei Tage später starb ihr Baby, das Ärzte mit einem Notkaiserschnitt in der 30. Woche geholt hatten.

Seit Herbst 2015 kommt es wieder verstärkt zu Anschlägen im Westjordanland. Israel hatte 1967 im Sechstagekrieg unter anderem Ost-Jerusalem und das Westjordanland erobert. Die Palästinenser fordern das Gebiet für einen eigenen Staat Palästina mit Ost-Jerusalem als Hauptstadt.

mho/dpa

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