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Politik

Italien

Marineboot mit Migranten darf Hafen anlaufen

Innenminister Salvini drohte, sie nicht an Land zu lassen. Aber jetzt gibt es Hoffnung für die knapp 70 Migranten an Bord eines italienischen Marineschiffes: Sie dürfen einen Hafen anlaufen.

ELIO DESIDERIO/EPA-EFE/REX

Die "Mare Jonio" im Hafen von Lampedusa

Freitag, 10.05.2019   16:40 Uhr

Hoffnung für Dutzende Migranten auf einem Schiff der italienischen Küstenwache und dem Schiff einer Hilfsorganisation. Die rund 70 Flüchtlinge werden trotz einer Drohung von Innenminister Matteo Salvini doch nach Italien gebracht.

Das Schiff der Marine, "Cigala Fulgosi", fuhr mit 36 Menschen an Bord in Richtung Augusta auf Sizilien, das NGO-Schiff "Mare Jonio" kam am Freitag mit 30 Migranten im Hafen von Lampedusa an. Dort sollte es allerdings beschlagnahmt werden, wie es aus dem Innenministerium in Rom hieß. Der Vorwurf sei Beihilfe zur illegalen Einwanderung. Was das für die Migranten an Bord bedeutet, ist unklar.

Salvini hält seit seinem Amtsantritt vor einem Jahr die Häfen seines Landes weitestgehend für Rettungsschiffe geschlossen. Mehrmals wurden Schiffe mit Geflüchteten teils wochenlang auf See blockiert. Mehrere NGO-Schiffe, wie zuvor auch schon die "Mare Jonio", wurden festgesetzt.

Auch dieses Mal hatte sich Salvini gegen die Anlandung gewehrt. Es gebe keinen Hafen, den das Patrouillenschiff "Cigala Fulgosi" anlaufen könne, sagte Salvini, Chef der fremdenfeindlichen Lega, bei einem Wahlkampfauftritt für die EU-Parlamentswahl. "Ich bin Minister, um die Grenzen zu verteidigen, Schmuggler zu stoppen, Illegale auszuweisen und die Italiener zu schützen", sagte Salvini. Er frage sich, was das Schiff vor der libyschen Küste getrieben habe und warum es nicht auf die libysche Küstenwache gewartet habe, um die Menschen von dem kenternden Boot zu retten.

Jedoch hatte Ministerpräsident Giuseppe Conte am Donnerstag gesagt, mehrere Länder hätten ihre Bereitschaft erklärt, Migranten zu übernehmen. Darunter ist laut Conte auch Deutschland.

Die Küstenwache erklärte, sie sei unter anderem zum Schutz des italienischen Schiffs "Capri" abgestellt worden, das der libyschen Küstenwache im Hafen von Tripolis logistische Unterstützung gebe. Dabei habe sie rund 140 Kilometer vor der Küste Libyens das kenternde Flüchtlingsboot entdeckt und deren Insassen vor dem Ertrinken gerettet, darunter auch zwei Frauen und acht Kinder. Dies sei "in Übereinstimmung mit dem italienischen und internationalen Recht" geschehen.

als/dpa

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