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Politik

Brasiliens Präsident

Drohung aus Berlin lässt Bolsonaro kalt

Das deutsche Umweltministerium stellt die Förderung von Schutzprojekten in Brasilien infrage. Brasiliens Staatschef Bolsonaro gibt sich desinteressiert - und rät, das Geld an anderer Stelle zu investieren.

REUTERS

Profit statt Umweltschutz: Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro will das Amazonasgebiet lieber wirtschaftlich nutzen

Montag, 12.08.2019   11:49 Uhr

"Sie können das Geld sinnvoll verwenden. Brasilien braucht es nicht": Mit diesen Worten hat Brasiliens rechtsextremer Präsident Jair Bolsonaro auf den möglichen Wegfall von Fördergeld für den Umweltschutz aus Deutschland reagiert. Das Umweltministerium hatte zuvor erklärt, wegen der zunehmenden Rodung im Amazonasgebiet die Unterstützung zum Schutz von Wäldern und Artenvielfalt in Brasilien zu beenden.

"Die Politik der brasilianischen Regierung im Amazonas(-Gebiet) lässt Zweifel aufkommen, ob eine konsequente Reduzierung der Entwaldungsraten noch verfolgt wird", sagte Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) dem "Tagesspiegel". Erst wenn darüber wieder Klarheit herrsche, könne die Projektzusammenarbeit fortgeführt werden.

Konkret geht es der Zeitung zufolge um einen Betrag von rund 35 Millionen Euro aus der internationalen Klimaschutzinitiative des Ministeriums. Aus dieser Initiative wurden demnach 2008 rund 95 Millionen Euro bereitgestellt. Bestehende Projekte würden vorerst fortgeführt, geplante neue auf Eis gelegt, teilte ein Sprecher des Umweltministeriums mit. Darüber hinaus rege man eine Überprüfung der weiteren Zusammenarbeit mit Brasilien im Amazonasfonds an. In diesen Fonds hat die Bundesregierung bisher 55 Millionen Euro einbezahlt, zuständig ist das Entwicklungsministerium.

Wald wird verstärkt abgeholzt

Bolsonaro will die Amazonasregion wirtschaftlich stärker nutzen, keine weiteren Schutzgebiete ausweisen und mehr Rodungen zulassen. Nach kritischen Worten von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zur Abholzung des Regenwaldes in seinem Land sagte er im Juni, Deutschland könne beim Umweltschutz noch viel von Brasilien lernen.

Seit Bolsonaro in Brasilien an der Macht ist, wird dort immer mehr Wald abgeholzt (mehr dazu lesen Sie hier). Jüngste Satellitenaufnahmen der Brasilianischen Raumfahrtbehörde zeigen, dass im Juni 60 Prozent mehr Regenwald gerodet wurden als im gleichen Monat des Vorjahres, wie CNN unter Berufung auf Daten des staatlichen Weltraumforschungsinstituts INPE berichtet.

mho/dpa

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