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Politik

Tenno wider Willen

Japans Kaiser will in zwei Jahren abdanken

Akihito möchte nicht mehr das Staatsoberhaupt Japans sein. Bevor der Tenno zurücktreten darf, müssen jedoch Gesetze geändert werden. Die japanische Regierung will dem 83-Jährigen den Gefallen tun.

AFP

Akihito bei Neujahrsansprache am 2. Januar 2017 in Tokio

Mittwoch, 11.01.2017   11:59 Uhr

Das japanische Recht sieht einen Rücktritt des Kaisers eigentlich nicht vor. Wie japanische Tageszeitungen am Mittwoch unter Berufung auf Regierungskreise berichten, möchte die rechtskonservative Regierung das aber nun ändern.

Der 83-jährige Akihito hatte bereits im August indirekt den Wunsch ausgesprochen, zurücktreten zu dürfen, weil er gesundheitlich angeschlagen sei. Schon 2008 hatte der bei seinen Untertanen höchst beliebte Tenno unter stressbedingten Gesundheitsproblemen gelitten, unter anderem Magenbluten. Der Kaiser musste sich auch einer Bypass-Operation und einer Prostatakrebs-Behandlung unterziehen.

Ministerpräsident Shinzo Abe hatte angekündigt, auf die Äußerungen des Kaisers zu reagieren. "Angesichts der Pflichten des Kaisers sowie seines Alters und der Last seiner Funktion müssen wir schauen, was wir tun können", sagte Abe im August 2016.

Ein von der rechtskonservativen Regierung eingesetztes Gremium aus Fachleuten befasst sich nun mit den Modalitäten. Im Frühjahr wollen die Experten dem Parlament einen ersten Gesetzesentwurf vorlegen. Laut Medienberichten scheint es auf ein Sondergesetz hinauszulaufen, mit dem aber nicht vor 2018 zu rechnen sei. Chefkabinettssekretär Yoshihide Suga wollte die Pläne am Mittwoch noch nicht bestätigen oder kommentieren und verwies auf die anhaltenden Diskussionen.

Neuer Kaiser würde Kronprinz Naruhito

Akihitos ältester Sohn, Kronprinz Naruhito, 56, würde seinem Vater direkt auf den Thron der ältesten Monarchie der Welt folgen. Akihito hatte seine Verpflichtungen als Monarch zuletzt zurückgefahren und wird bereits öfter von Naruhito vertreten.

Als Termin für die erste Abdankung eines japanischen Kaisers seit zwei Jahrhunderten sei der 1. Januar 2019 im Gespräch, möglicherweise auch der 31. Dezember 2018. Neujahr ist für einen Wechsel deshalb passend, weil jeder Regent einen Regierungsnamen bekommt, der auch angibt, wie lange der Kaiser bereits im Amt ist. Akihitos Beinamen ist "Heisei" und dieses Jahr ist "Heisei 29".

Heisei steht für "Frieden schaffen". Akihito trägt diesen Beinamen seit seiner Krönung am 7. Januar 1989. Er ist der erste Tenno, der sein Amt nicht mehr als Gott antrat: Sein 1989 gestorbener Vater, Kaiser Hirohito, hatte nach der Niederlage im Zweiten Weltkrieg der Göttlichkeit des Kaisers entsagt.

Die meisten Japaner zeigen Verständnis

Laut Umfragen hättenen 90 Prozent der Japaner Verständnis für einen Rücktritt Akihitos. Viele konservative Anhänger von Regierungschef Abe sind allerdings dagegen. Sie fürchten eine Debatte darüber, ob auch Frauen den Thron besteigen dürfen sollen. Dies wäre für Traditionalisten ein Tabubruch.

Der aktuelle Kronprinz Naruhito hat keinen Sohn, sondern eine Tochter. In der offiziellen Thronfolge stehen deshalb Naruhitos Bruder Akishino und sein Neffe, der neunjährige Hisahito, an zweiter und dritter Stelle.

Der Kaiser verfügt in Japan über keine politische Macht. Er ist aber laut Verfassung ein Symbol für den Staat und für die Einheit des Volkes. Der Tenno nimmt repräsentative Aufgaben wahr, ernennt offiziell den Regierungschef, verkündet Gesetzesänderungen und empfängt Staatsgäste.

koe/dpa/rtr

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