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Politik

Bombenangriffe in Libyen

Krieg der Scheichs

Die Vereinigten Arabischen Emirate sollen Islamisten in Tripolis bombardiert haben. Das Emirat Katar dagegen unterstützt sie. In Libyen tobt ein Stellvertreterkrieg arabischer Autokraten.

AFP

Treffen der Arabischen Liga 2009: Der Emir von Abu Dhabi (3.v.l.) posiert noch direkt neben dem damaligen Emir von Katar

Von
Dienstag, 26.08.2014   16:54 Uhr

Es muss eine gespenstische Szenerie gewesen sein: Aus heiterem maghrebinischem Himmel fielen Bomben. Sie trafen wohl Stellungen islamistischer Milizen, die sich gerade anschickten, den Flughafen von Tripolis einzunehmen. Doch wer die Jets geschickt hatte, das war tagelang unklar.

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Nun haben hochrangige US-Beamte der "New York Times" verraten: Nach amerikanischen Informationen sollen die Vereinigten Arabischen Emirate (UAE) die geheimnisvollen Luftangriffe geflogen haben. Unterstützt worden seien sie dabei von Ägypten, wo sie Basen für ihre Flugzeuge nutzen durften. Sogar Spezialkräfte sollen die UAE von dort aus über die Grenze ins libysche Derna geschickt haben, das als Hochburg von Extremisten gilt.

Die Kämpfe und Bombenangriffe sind der vorläufige Höhepunkt eines Ringens um Einfluss: Der 66-jährige Emir von Abu Dhabi und Präsident der UAE, Chalifa Bin Sajid al-Nahajan, steht gegen den 34-jährigen Emir von Katar, Tamim Bin Hamad al-Thani. Chaos legt Ägypten, Syrien und Irak lahm, die kleinen, aber reichen arabischen Golfstaaten wittern deshalb ihre Chance, dort ihnen gewogene Gruppen an die Macht zu bringen.

Katar setzt auf einen politischen Islam, Abu Dhabi auf Moderate

In Libyen hatte Katar seit Beginn der Aufstände 2011 Islamisten-Milizen unterstützt. Das kleine Emirat hofft, zum Player in der Region aufzusteigen, wenn seine Verbündeten in Libyen in Tripolis herrschen. Das Land steht knapp drei Jahre nach dem Tod Gaddafis kurz vor dem Zerfall. Mehrere Machtgruppen hetzen ihre Milizen aufeinander, darunter sind auch Verbände, die einer extremen Auslegung des Islam anhängen. Der Ex-Militär Chalifa Haftar versucht, eine Koalition gegen diese Radikalen zu schmieden.

Libyens Nachbarn betrachten die zunehmende Instabilität mit Sorge. Vor allem die Regierungen Saudi-Arabiens und der Vereinigten Arabischen Emirate sind nervös - stellen die Extremisten doch in der gesamten Golfregion die Herrschaft arabischer Autokraten infrage.

Katar dagegen sucht mit den Islamisten den Schulterschluss: In Doha hat sich eine salafistische Szene unter dem radikalen Islamgelehrten Jussuf al-Karadawi gebildet. Der Geistliche darf seine Botschaften über den staatlichen Fernsehsender Al Jazeera in der Region verbreiten.

Die UAE setzen auf einen moderaten sunnitischen Islam, der sich aus der Politik heraushält. Im Juli wurde ein "Muslimischer Ältestenrat" in Abu Dhabi gegründet unter dem Vorsitz des Großimams der ägyptischen Al-Azhar-Moschee, einem der wichtigsten sunnitischen Islamgelehrten. Aufgabe des neuen Rates soll es sein, Extremismus und Salafismus entgegenzuwirken.

Die Rivalität der Emire durchzieht die ganze Region

Längst kommen sich der Emir von Katar und der Emir von Abu Dhabi nicht nur in Libyen in die Quere. Ihr Streit durchzieht die ganze Region. Saudi-Arabien hält es meistens mit den UAE.

Saudi-Arabien, der wichtigste arabische Golfstaat, hatte im Frühjahr versucht, ein Machtwort zu sprechen und Katar in seine Schranken zu verweisen, doch bisher ohne Erfolg. Es kam zum offenen Bruch, als Saudi-Arabien, die UAE und Bahrain ihre Botschafter aus Katar abzogen. Anstatt aufeinander zuzugehen, scheinen es die arabischen Golfstaaten weiterhin auf eine Kraftprobe ankommen zulassen.

insgesamt 157 Beiträge
cdrenk 26.08.2014
1. Ideal
Die Idioten schiessen sich gegenseitig tot - eine optimale Lösung.
Die Idioten schiessen sich gegenseitig tot - eine optimale Lösung.
Bonanza 26.08.2014
2. Auf vollen Touren
Der arabische Frühling läuft weiter auf vollen Touren. Wo bleibt der Live-Ticker?
Der arabische Frühling läuft weiter auf vollen Touren. Wo bleibt der Live-Ticker?
franko_potente 26.08.2014
3.
schön, haben wir den nächsten Konfllikt. Was ist denn nur los auf dieser Welt
schön, haben wir den nächsten Konfllikt. Was ist denn nur los auf dieser Welt
mariowario 26.08.2014
4. Es würde mich nicht wundern…
…wenn die katarische Politik irgendwann einen Rückschlagseffekt erzeugt: Die USA die Emirate nicht mehr sichert, Touristen wegbleiben und Passagierflugzeuge abgeschossen werden… Dubios ist nach wie vor die Herkunft der [...]
…wenn die katarische Politik irgendwann einen Rückschlagseffekt erzeugt: Die USA die Emirate nicht mehr sichert, Touristen wegbleiben und Passagierflugzeuge abgeschossen werden… Dubios ist nach wie vor die Herkunft der IS-Panzer.
hwy2001 26.08.2014
5. Manda, auf geht's!
Wird wohl die sinnvollste Variante sein, wenn sich die unterschiedlichen Richtungen gegenseitig blockieren.
Wird wohl die sinnvollste Variante sein, wenn sich die unterschiedlichen Richtungen gegenseitig blockieren.

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