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Politik

Nach tödlichen Schüssen in Londonderry

Festgenommene Männer kommen frei

Im nordirischen Londonderry war eine Journalistin bei Ausschreitungen erschossen worden. Nun hat die Polizei die zwei zunächst verdächtigten, jungen Männer laufen lassen. Die Ermittler gehen von einem Terrorakt aus.

Charles McQuillan/Getty Images

Eine Polizistin legt am Tatort Blumen nieder.

Sonntag, 21.04.2019   23:12 Uhr

Nach dem Mord an der Journalistin Lyra McKee sind in Nordirland zwei festgenommene junge Männer wieder auf freien Fuß gesetzt worden. Anschuldigungen gegen sie seien nicht erhoben worden, teilte die zuständige Polizei am Sonntagabend auf Twitter und Facebook mit. Die beiden Männer sind 18 und 19 Jahre alt.

Die 29-jährige McKee war am vergangenen Donnerstag bei gewaltsamen Ausschreitungen in der Stadt Londonderry erschossen worden. Sie stand in einer Menschengruppe in der Nähe von Polizeifahrzeugen, als eine Kugel ihren Kopf traf.

Die Ermittler gehen von einem Terrorakt aus. Sie vermuten, dass hinter der Tat die militante Republikaner-Gruppe "neue IRA" stecken könnte. Sie hatte sich im März auch zu Paketbomben bekannt, die in London und Glasgow aufgetaucht waren.

Nach der Freilassung der Verdächtigen bat die Polizei die Bevölkerung um Unterstützung. "Wir haben viel Hilfe bekommen, müssen diese aber in konkrete Beweise umwandeln, die es uns ermöglichen, die Mörder von Lyra vor Gericht zu bringen", schrieb die zuständige Behörde auf Facebook.

Krawalle vor dem Schuss

Vor dem Mord waren in Tatortnähe am Rande von Londonderry mehr als 50 Brandsätze auf Polizisten geschleudert worden. Fahrzeuge brannten. Zuvor hatten die Beamten in dem Wohnviertel nach Waffen gesucht.

Auslöser für die Krawalle soll der jährliche Protest an Ostern im Zusammenhang mit dem Nordirland-Konflikt gewesen sein. Im Zuge der Brexit-Verhandlungen war die Sorge gewachsen, eine mögliche Einführung von Grenzkontrollen zwischen dem britischen Nordirland und der auch künftig zur EU gehörenden Republik Irland könnte wieder zu mehr Gewalt führen.

Jahrzehntelanger Konflikt

In dem über Jahrzehnte dauernden Konflikt standen katholische Nationalisten, die eine Vereinigung mit Irland anstreben, protestantischen Unionisten gegenüber, die weiterhin zu Großbritannien gehören wollen.

Die Vizevorsitzende der nordirischen Democratic Unionist Party (DUP), Arlene Foster, verurteilte die "sinnlose" Gewalt. Andere Politiker sprachen unter anderem von einem Angriff auf das Karfreitagsabkommen.

Das Karfreitagsabkommen von 1998 hatte den Nordirland-Konflikt beendet. Jahrzehntelang hatte die "IRA" gewaltsam für eine Loslösung Nordirlands von Großbritannien gekämpft. Erst 2005 schwor die Gewalt offiziell ab.

hba/dpa

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