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Politik

Tödlicher Hubschrauberunfall in Mali

Bundeswehr sieht Schuld für "Tiger"-Absturz bei Airbus

Im Juli 2017 stürzte ein Bundeswehr-Helikopter in Mali ab, zwei Menschen starben. Nach SPIEGEL-Informationen war eine fehlerhafte Rotorjustierung durch Airbus-Techniker Schuld an dem Unglück.

picture alliance / Britta Peders

Kampfhubschrauber "Tiger" in Mali.

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Mittwoch, 12.12.2018   10:51 Uhr

Der tödliche Absturz eines "Tiger"-Hubschraubers der Bundeswehr im Sommer 2017 in Mali soll maßgeblich durch einen Techniker-Fehler des Herstellers Airbus ausgelöst worden sein. Diese sollen den Hauptrotor falsch eingestellt haben. Dies geht nach SPIEGEL-Informationen aus einem Untersuchungsbericht der Bundeswehr hervor.

Laut dem 95-seitigen Bericht vom 7. Dezember war die falsche Anstellung der Rotorblätter letztlich dafür verantwortlich, dass der Helikopter mit zwei Piloten bei etwa 135 Knoten (rund 250 Kilometer pro Stunde) in einer Höhe von etwa 550 Metern völlig unerwartet nach vorne kippte und mit fast 180 Knoten (rund 333 Kilometer pro Stunde) gen Boden raste.

Die Crew konnte den Sturzflug nicht mehr korrigieren

Der Unfall ereignete sich auf einem Flug zu einem Einsatz für die Uno. Laut dem Bericht war die "fehlerhafte Nivellierung" des Rotorkopfs die Hauptursache für den Absturz. In der Folge sei es zu einer "Fehleinstellung der Hauptrotorsteuerung" gekommen, die "im Endergebnis zum Abkippen und zur Zerstörung des Hubschraubers führte".

Vereinfacht gesagt habe die falsche Einstellung am Unglückstag eine extreme Flugsituation erzeugt, daraufhin habe der Autopilot den Flieger erst nach unten gesteuert und sich dann abgeschaltet. Die Crew konnte den Sturzflug nicht mehr korrigieren.

Wörtlich heißt es in dem Bericht, die Hauptrotorsteuerung des Hubschraubers sei bereits im Mai 2016 "vom Personal des Herstellers", konkret von drei Airbus-Technikern, beim sogenannten Rigging "falsch eingestellt" worden. Dies sei ein "direkt wirkender Faktor" für den späteren Absturz.

Laut den Recherchen der Bundeswehr hatten die Airbus-Techniker ihre "vorgegebene Ausbildung noch nicht abgeschlossen" und verfügten nicht "über die erforderliche Qualifikation zur Durchführung bzw. der Abnahme der Einstellarbeiten an der Hauptrotor-Steuerung".

Diese Arbeiten aber, so der Report, "hätten unter Anleitung von erfahrenem Personal durchgeführt werden müssen".

Die Crew hatte keine Chance

Die Crew, zwei sehr erfahrene Piloten der Bundeswehr, hatten laut dem Bericht bei dem Crash keine Chance. Der Untersuchung zufolge hatten sie während des Autopilot-Flugs die Hände nicht an den Steuerhebeln. Nach dem völlig unerwarteten Abkippen aber wirkten die G-Kräfte so stark, das sie den Hubschrauber nicht mehr hätten stabilisieren können. Dass sie dies nicht schafften, wertet der Bericht als "nicht wirkenden Faktor".

An dem Tag im Juli 2017 waren zwei "Tiger" von der Uno für eine Mission angefordert worden, da sich nahe der Ortschaft Tabankort rund 150 Kilometer nördlich von Gao Gefechte abspielten. Der Absturz ereignete sich allerdings schon nach etwa 70 Kilometer Flug gegen 12 Uhr 20 Ortszeit, lange bevor die Rotte von zwei Helikoptern das Zielgebiet erreicht hatte.

Die Bundeswehr hatte nach dem Unglück die Benutzung des Autopiloten für alle "Tiger" bereits massiv eingeschränkt und Beschränkungen für Höhe und Tempo erlassen. Airbus gab seinerseits eine Warnmeldung heraus, laut dieser müssen die Piloten auch beim automatisierten Flug beide Hände am Steuer behalten, um jederzeit reagieren zu können.

Bundeswehr räumt Fehler ein

Trotz der klaren Schuldzuweisung in Richtung Airbus räumt die Bundeswehr in dem Untersuchungsbericht auch eigene Fehler ein. So seien Techniker, die die Helikopter nach der Lieferung durch die Industrie untersuchen müssen, noch nicht ausreichend für die fordernde Aufgabe ausgebildet gewesen.

Offenbar hatten die Bundeswehr-Techniker zwar die Papiere des später verunglückten Helikopters korrekt geprüft, kannten aber die technische Methode, die Airbus für die Rotoreinstellung eingesetzt hatte, nicht. Zudem sei eine erste Meldung über Flugauffälligkeiten an dem Unglückshubschrauber nicht ernst genug genommen worden. Die Bundeswehrexperten kommen trotzdem zu dem Urteil, dass dieser Mangel nicht direkt für den Absturz verantwortlich war.

Für die Angehörigen der beiden Piloten endet mit dem Bericht eine quälende Zeit der Ungewissheit. Noch vor den Abgeordneten hatte sie Peter Clement, der derzeit den Posten des General Flugsicherheit innehat, über die komplizierten Ergebnisse seiner Recherchen informiert.

Ob Airbus die klare Schuldzuweisung akzeptiert, ist unklar. Der Hersteller des "Tiger", der auch für andere europäische Armeen im Einsatz ist, hatte bei der Untersuchung kooperiert, war aber nicht an der Bewertung der Ergebnisse beteiligt.

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