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Politik

Vor Libyen

Rettungsschiff "Alan Kurdi" nimmt 65 Flüchtlinge an Bord

Ein Schiff der deutschen Organisation Sea-Eye hat im Mittelmeer Dutzende Migranten aufgenommen. Die Flüchtlinge waren in einem Schlauchboot vor Libyens Küste unterwegs. Kontaktversuche zu libyschen Behörden schlugen fehl.

Fabian Heinz/ Sea-eye.org/ AP/ DPA

Das Rettungsschiff "Alan Kurdi" der Regensburger Organisation Sea-Eye

Freitag, 05.07.2019   12:50 Uhr

Die deutsche Hilfsorganisation Sea-Eye hat eigenen Angaben zufolge 65 Flüchtlinge an Bord des Rettungsschiffes "Alan Kurdi" genommen. Die Menschen seien in einem überladenen Schlauchboot im Mittelmeer auf dem Weg nach Europa gewesen. Das Boot sei vor der libyschen Küste in internationalen Gewässern entdeckt worden, teilte Sea-Eye mit. Es war demnach manövrierfähig und mit ausreichend Treibstoff versorgt, hatte aber weder ein GPS-fähiges Telefon noch andere Navigationshilfen an Bord.

Laut Sea-Eye versuchten die Bootsinsassen zunächst, der "Alan Kurdi" zu entkommen. Offenbar hätten sie befürchtet, dass es sich um ein Schiff der libyschen Küstenwache handelte. Nach Angaben eines Geretteten befand sich das Schlauchboot bereits seit mehr als zwölf Stunden auf dem Meer, als es gesichtet wurde.

Nur zehn Liter Trinkwasser an Bord

"Ohne ein GPS-fähiges Telefon oder nautische Grundkenntnisse hätten diese jungen Menschen vermutlich keinen Ort erreicht und wären verschwunden", sagte Gorden Isler, Einsatzleiter auf der "Alan Kurdi". An Bord des Schlauchboots befanden sich offenbar nur zehn Liter Trinkwasser.

Die "Alan Kurdi" versuchte zunächst erfolglos, Kontakt zu den libyschen Behörden herzustellen. Die italienischen Rettungsleitstellen in Rom und Valletta schwiegen laut Sea-Eye ebenfalls. Die Seenotleitung Bremen antwortete laut Sea-Eye schnell und informierte das Auswärtige Amt.

Bereits wenige Stunden zuvor hatte ein Segelboot der italienischen Flüchtlingshilfsorganisation Mediterranea Saving Humans vor der libyschen Küste nach eigenen Angaben 54 Menschen aus Seenot gerettet. Unter den Migranten befänden sich auch drei Schwangere und vier Kinder, erklärte die Organisation. Italiens Innenminister Matteo Salvini lehnte eine Aufnahme der Geretteten in seinem Land umgehend ab.

Parallelen zur "Sea-Watch 3"

Nun wird befürchtet, dass sich die Ereignisse um das Rettungsschiff "Sea-Watch 3" wiederholen könnten. Das Schiff durfte mehr als zwei Wochen lang nicht anlegen. Nachdem Kapitänin Carola Rackete ihr Schiff mit zuletzt noch 40 Migranten an Bord trotz des Verbots der italienischen Behörden in den Hafen der Mittelmeerinsel Lampedusa gesteuert hatte, wurde sie zunächst festgenommen. Eine italienische Richterin erklärte die Festnahme später für ungültig.

Immer wieder ertrinken zahlreiche Flüchtlinge im Mittelmeer beim Untergang ihrer oft nicht seetüchtigen Boote. Trotz anhaltender Konflikte ist Libyen nach wie vor eines der wichtigsten Transitländer für Flüchtlinge aus anderen afrikanischen Staaten oder dem Nahen Osten, die über das Mittelmeer nach Europa gelangen wollen. Die EU hat die Rettung von Flüchtlingen im Mittelmeer vorerst eingestellt.

asc/AFP

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