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Politik

Trumps Richterkandidat

Zweite Frau wirft Kavanaugh sexuellen Übergriff vor

Deborah Ramirez studierte einst mit Brett Kavanaugh an der Universität Yale. Bei einer Party soll er sich entblößt und ihr seinen Penis ins Gesicht geschoben haben. Das berichtete sie nun dem Magazin "New Yorker".

REUTERS

Brett Kavanaugh

Montag, 24.09.2018   10:17 Uhr

Nach der Professorin Christine Blasey Ford erhebt nun eine weitere Frau schwere Vorwürfe gegen Donald Trumps Kandidaten für den Obersten US-Gerichtshof: Brett Kavanaugh soll Deborah Ramirez sexuell belästigt haben, als beide an der Universität Yales studierten. So schildert es die inzwischen 53-jährige Ramirez im US-Magazin "New Yorker".

Demnach kam es im Lehrjahr 1983/84 während einer Wohnheimparty zu dem mutmaßlichen Übergriff: Kavanaugh soll sich vor der betrunkenen Ramirez entblößt und ihr seinen Penis ins Gesicht geschoben haben, berichtet das Magazin unter Berufung auf Gespräche mit Ramirez. Sie sei so gezwungen gewesen, seinen Penis anzufassen; sie habe Kavanaugh von sich gestoßen, heißt es. Ramirez appelliere nun an das FBI, die Vorwürfe zu untersuchen.

Kavanaugh selbst weist die neuen Vorwürfe zurück. "Dieser angebliche Vorfall vor 35 Jahren hat nicht stattgefunden", heißt es in einer Erklärung des Richters. Es handle sich um eine "Schmutzkampagne, schlicht und einfach".

Ähnlich klang auch die Mitteilung aus dem Weißen Haus: Sprecherin Kerri Kupec sagte laut "New Yorker", es handle sich um einen Versuch der Demokraten, "einen guten Mann zu ruinieren". Das Weiße Haus "steht fest hinter Richter Kavanaugh". (Mehr zu den politischen Hintergründen der Kavanaugh-Nominierung erfahren sie hier.)

Ramirez studierte zum Zeitpunkt des mutmaßlichen Übergriffs im ersten Jahr Soziologie und Psychologie in Yale. Kavanaugh war laut dem Magazin ebenfalls in seinem ersten Yale-Jahr und damals 18 Jahre alt.

Ramirez hatte die Vorwürfe dem Bericht zufolge zunächst über einen Anwalt an mehrere Senatoren übermittelt. Dadurch wurde das Magazin aufmerksam und kontaktierte Ramirez. Verfasst wurde der Artikel von Jane Mayer und Ronan Farrow. Letzterer war mit dafür verantwortlich, dass die Vorwürfe gegen den einstigen Hollywoodmogul Harvey Weinstein ans Licht kamen. Farrow hat seitdem mehrfach über Fälle sexueller Belästigung und sexuellen Missbrauchs berichtet.

"Ernsthafter, glaubwürdiger und verstörender Vorwurf"

Dem Bericht zufolge untersuchen inzwischen die Büros von mindestens zwei demokratischen Senatoren die Vorwürfe von Ramirez. "Das ist ein weiterer ernsthafter, glaubwürdiger und verstörender Vorwurf gegen Brett Kavanaugh. Er sollte vollumfänglich untersucht werden", zitiert das Magazin die Senatorin für Hawaii, Mazie Hirono.

Ramirez ist die zweite Frau, die Kavanaugh eines sexuellen Übergriffs beschuldigt: Christine Blasey Ford aus Kalifornien hatte in einem Interview mit der "Washington Post" berichtet, der damals 17-jährige Kavanaugh habe versucht, sie am Rande einer Schülerparty Anfang der Achtzigerjahre zu vergewaltigen. Kavanaugh hat diese Vorwürfe mehrfach vehement zurückgewiesen. Unterstützung bekommt er dabei unter anderem von US-Präsident Trump.

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Am kommenden Donnerstag werden Kavanaugh und Ford vor dem Justizausschuss des US-Senats erwartet. Ihre Anhörungen wurden für 16 Uhr deutscher Zeit (10 Uhr Ortszeit) angesetzt. Fords Anwälte hatten zuvor tagelang mit dem Gremium über den Termin und die Umstände einer solchen Befragung verhandelt. Ford hatte zahlreiche Bedingungen für ihre Aussage vor dem US-Senat gestellt. Wie genau die Anhörung ablaufen wird, ist bisher unklar.

Der US-Senat muss der Nominierung Kavanaughs zum Supreme-Court-Richter zustimmen. Der Justizausschuss hat darüber zu entscheiden, ob die Personalie für das endgültige Bestätigungsvotum an das Plenum weitergereicht wird.

Die demokratische Senatorin Dianne Feinstein sprach sich nach Erscheinen des "New Yorker"-Artikels dafür aus, den Nominierungsprozess Kavanaughs zu unterbrechen und die Anhörungen am Donnerstag auszusetzen. Zunächst solle das FBI nicht nur Fords, sondern auch Ramirez' Vorwürfe prüfen, forderte Feinstein.

In der Debatte meldete sich in der Nacht zu Montag auch Michael Avenatti zu Wort, der Anwalt vertritt unter anderem die Pornodarstellerin Stormy Daniels und gilt als Trump-Gegner. Nun twitterte der Jurist, auch er vertrete eine Frau, die "glaubwürdige Informationen" über Kavanaugh habe. Es handle sich dabei nicht um Ramirez. Nähere Details nannte Avenatti allerdings nicht.

aar

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