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Politik

Nordirland-Konflikt

Katholischer Priester für Blutbad verantwortlich

Neue Erkenntnisse über einen blutigen Anschlag im Nordirland-Konflikt könnten die katholische Kirche in Bedrängnis bringen. Ein Priester soll für einen Anschlag mit neun Toten im Jahr 1972 verantwortlich sein. Regierung, Polizei und Kirche sollen den Mann gedeckt haben.

Dienstag, 24.08.2010   19:39 Uhr

London/Belfast - Wenige Wochen vor dem Besuch von in Großbritannien sind Verwicklungen der katholischen Kirche in ein Attentat im Nordirland-Konflikt bekannt geworden. Die Kirche soll gemeinsam mit der britischen Regierung und der Polizei einen katholischen Priester gedeckt haben, der 1972 für einen der schlimmsten Anschläge in verantwortlich gewesen sein soll. Das ergab eine unabhängige Untersuchung, deren Ergebnisse am Dienstag veröffentlicht wurden.

Am 31. Juli 1972, in der Hochphase des Terrors der damaligen nordirischen Untergrundorganisation , waren in dem Ort Claudy bei Londonderry neun Menschen umgekommen, nachdem drei Autobomben explodiert waren. Unter den Getöteten waren auch drei Kinder. Der katholische Priester James Chesney geriet unter Verdacht, wurde aber Ende 1973 in eine Pfarrei in der Republik Irland versetzt und damit der nordirischen Justiz entzogen. Chesney starb er 1980 im Alter von 46 Jahren an Krebs.

Der Ombudsmann der nordirischen Polizei, Al Hutchinson, hatte den Fall seit 2002 akribisch untersucht. Sein Bericht förderte zutage, dass der nordirischen Polizei damals "umfangreiche" Informationen vorlagen, die den Priester mit der IRA und den Anschlägen in Verbindung brachten. Zahlreiche Beamte hätten gefordert, gegen Chesney zu ermitteln. Der damalige Nordirland-Minister, William Whitelaw, und das Oberhaupt der katholischen Kirche in Irland, Kardinal William Conway, hätten sich daraufhin "privat" getroffen. Unmittelbar danach wurden die polizeilichen Untersuchungen in dem Fall gestoppt und der Priester über die Grenze nach Irland gebracht.

Hintergrund der Absprache war offenbar, dass in dem blutigsten Monat des mit mehr als hundert Toten nicht noch mehr Öl ins Feuer gelangen sollte. Eine direkte Beteiligung eines katholischen Geistlichen an Terrorakten hätte möglicherweise einen weiteren Aufruhr bis hin zum Ausbruch eines offenen Bürgerkriegs zur Folge gehabt, vermutet der Ombudsmann.

Irische Kirche bestreitet Beteiligung

Das heutige Oberhaupt der irischen Kirche, Kardinal Sean Brady, hat am Dienstag im Gespräch mit der BBC jede Beteiligung der Kirche an einer Strafvereitelung bestritten. Die Kirche habe über die Ergebnisse von Befragungen des Priesters kontinuierlich berichtet. Das Handeln der Kirche habe jedenfalls nicht die Strafverfolgung gegen den Mann verhindert.

Bis heute wurde niemand für das Blutbad zur Rechenschaft gezogen. Der Nordirland-Minister der britischen Regierung, Owen Paterson, drückte am Dienstag den Opfern und Hinterbliebenen des Terroranschlags seine "tiefe Entschuldigung" dafür aus, dass ihnen keine Gerechtigkeit widerfahren sei.

Papst Benedikt XVI. wird am 16. September in Schottland und England erwartet. Ein Besuch in Nordirland, wo der religiös geprägte gewaltsame Konflikt zwischen proirischen Katholiken und britisch geprägten Protestanten noch immer nicht vollkommen erloschen ist, steht nicht auf dem viertägigen Programm des Pontifex.

Der Nordirland-Konflikt begann Ende der sechziger Jahre. Bei dem blutigen Bürgerkrieg zwischen Katholiken und Protestanten wurden bis zum Friedensabkommen von 1998 mehr als 3500 Menschen getötet.

ler/dpa/AFP

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