Schrift:
Ansicht Home:
Politik

Fachkräftemangel in der Pflege

Herr Stopora sucht Krankenschwestern auf dem Westbalkan

In Memmingen fehlen Pflegekräfte, wie überall in Deutschland. Pflegedirektor Stopora sucht deshalb in Serbien und in Bosnien und Herzegowina nach Frauen, die bei ihm arbeiten wollen. Doch das schafft neue Probleme.

Jasmin Brutus/ SPIEGEL ONLINE

Hans-Jürgen Stopora im Krankenhaus von Sarajevo

Aus Belgrad berichtet
Mittwoch, 15.05.2019   17:57 Uhr

Seine letzte Dienstreise auf den Westbalkan beginnt in einem Café im Zentrum Belgrads. Herr Stopora sitzt auf dem Nikola-Pasic-Platz und hat die Hände im Nacken verschränkt. Der 64-Jährige ist braun gebrannt von der Gartenarbeit, er genießt die Sonne auf seinem Gesicht, die Gesellschaft der beiden Kolleginnen an seiner Seite, den Cappuccino, zu dem er die beiden eingeladen hat. "Kostet hier ja nix."

Im vergangenen Jahr war er schon einmal hier, hat im selben Hotel geschlafen, ist am Abend in dasselbe Restaurant gegangen, in dem er auch jetzt reserviert hat, hat den gleichen Grillteller bestellt, dazu italienischen Wein.

Er hat die gleichen Fragen gestellt wie heute:

"Warum sind Sie Krankenschwester geworden?"

"Warum wollen Sie nach Deutschland?"

"Wie reinigt man eine Wunde?"

Am Ende seiner Reise hat Hans-Jürgen Stopora damals zehn Menschen ausgewählt, die zu ihm kommen sollten: in das Klinikum im bayerischen Memmingen, dessen Pflegedirektor er ist.

Stopora und die beiden Frauen, die ihn begleiten, haben Geschenke in ihren Koffern mitgebracht. Schlüsselbänder und Schokolade aus der "Stadt mit Perspektiven", wie sich Memmingen gern verkauft.

Eine Perspektive wollen sie in den kommenden vier Tagen jenen verschaffen, die gut Deutsch sprechen und in ihrem Heimatland keine Chance für sich sehen. Dazu reist das Trio nach Serbien sowie nach Bosnien und Herzegowina.

Milena Hassenkamp/ SPIEGEL ONLINE

Stopora und Kollegin bereiten ein Bewerbungsgespräch in Belgrad vor

Am Ende wollen sie wieder mindestens zehn Krankenschwestern mitnehmen. In Deutschland sollen diese dann zunächst ein Jahr als Pflegeassistentinnen arbeiten - bevor sie eine Prüfung machen und ihre Anerkennung als examinierte Krankenschwestern erhalten.

Dafür zahlt das Krankenhaus in Memmingen dann eine Vermittlungsgebühr von 4000 Euro pro Person an das Projekt "Triple Win", das von der Bundesagentur für Arbeit und der GIZ gesteuert wird. "Triple Win" heißt es, weil alle gewinnen sollen: das Heimatland, der Bewerber und Deutschland. Eine gute Sache, findet Herr Stopora.

In drei Monaten muss sich jedoch ein anderer darum kümmern, dass die 600 Pflegerstellen im Krankenhaus besetzt bleiben und die Klinik in Memmingen dem Mangel an Pflegekräften, den es in Deutschland gibt, trotzt. Dann ist Stopora in Rente. Reist vielleicht noch öfter nach Spanien, in die Heimat seiner Frau.

Jasmin Brutus/ SPIEGEL ONLINE

Bewerberin schaut vor ihrem Gespräch noch einmal in ihre Notizen

Im Bewerbungsgespräch haben die Kandidatinnen ihr Ziel vor Augen: Es hängt in Form einer Deutschlandkarte an der Wand. An diesem Tag sind es neun Frauen. Sie nehmen nacheinander vor Stopora und seinen Kolleginnen Platz und schildern dieselben Träume: eine bessere Zukunft, ein besseres Arbeitsverhältnis, ein höheres Einkommen, mehr Freizeit. Sie wiederholen diese Träume mit den Sätzen, die sie in der Sprachschule gelernt haben. Manchmal schauen sie hilflos zu der Übersetzerin im Raum.

Stopora wiederholt die immer gleichen Fragen. Sie sind leicht, aber nicht immer leicht zu beantworten, weil nicht alle Bewerberinnen so Deutsch sprechen, wie Stopora es sich wünscht. Dann lächelt der Pflegedirektor ermunternd und beendet manchmal einen Satz, den die Kandidatin angefangen hat.

Es ist ein gegenseitiges Werben. Vor ihren Gesprächen haben die Kandidatinnen einen Imagefilm gesehen. Stopora hat ihn eigens produzieren lassen. Die Klinik investiert, um die Pflegekräfte anzulocken. Sie unterhält ein Schwesternwohnheim, das Bewohner monatlich 120 Euro pro Zimmer kostet, und sie hat Wohnungen gekauft, in die die Pflegekräfte später einziehen können.

Jasmin Brutus/ SPIEGEL ONLINE

Notizen fürs Vorstellungsgespräch

Stoporas Kolleginnen fragen die Bewerberinnen nach ihrer Familie, denn: Sind die Serbinnen erst einmal in Deutschland, kann es dauern, bis sie ihre Männer und Kinder wiedersehen. Die Memminger wollen wissen: Halten die Frauen das durch? Oder brechen sie ab?

Eine Kandidatin hat zwei Söhne im Alter von 10 und 15 Jahren. Sie zuckt auf die Frage die Schultern: "Alles kann man ertragen."

Nach dem Bewerbungsgespräch bekommt jede Kandidatin Merchandise aus Memmingen: ein Schlüsselband, ein Herz mit Pfefferminzpastillen, eine kleine Packung Pflaster, einen Prospekt über die bayerische Stadt und einen Flyer mit dem Ablauf des Anerkennungsverfahrens.

Stopora und seine Kolleginnen lächeln manchmal über die Fotos der Bewerberinnen. Die Frauen erscheinen darauf wie durchgestylte Models, in Posen, die eher in Modemagazine passen als in eine Bewerbungsmappe. Ein paar von ihnen arbeiten in Kliniken. Sie erzählen von Zwölfstundenschichten, in denen sich drei Schwestern um 60 Patienten kümmern. Davon, dass sie netto 400 Euro im Monat verdienen. Andere sind arbeitslos, wohnen bei ihren Eltern, arbeiten als Babysitter und haben nur wenig Arbeitserfahrung.

Jasmin Brutus/ SPIEGEL ONLINE

Bewerberin nach ihrem Vorstellungsgespräch - mit einem Prospekt über Memmingen

Als Stopora die Stadt am nächsten Tag gegen Mittag verlässt, hat er fünf Frauen ausgewählt, die nach Memmingen kommen werden. Er hat dem serbischen Fernsehen ein Interview gegeben und gesagt, dass er sie schätzt, seine neuen serbischen Mitarbeiterinnen.

Er hat seine Kolleginnen zum Abendessen eingeladen in das Restaurant vom letzten Jahr, in dem Kellner den Frauen die Stühle zurechtrücken. Er hat ein paar Fotos gemacht vom Nationalparlament, das nachts so schön erleuchtet ist, von dem Stopora aber nicht weiß, welche Regierung darin sitzt. Mehr hat er von Belgrad nicht gesehen.

"Keiner kann jemandem verbieten, wegzugehen"

In Sarajevo fährt das Taxi vorbei an Häusern, die wie löchrige, abgebrochene Zähne aussehen, zwischen den hoch gebauten Einkaufszentren und Hotels, in denen man nur wenige Menschen antrifft. Bosnien und Herzegowina hat eine sehr hohe Arbeitslosenquote, sie liegt bei 20,8 Prozent, vor allem die Jugendarbeitslosigkeit ist hoch. Dem Land scheint es an politischem Willen zu mangeln, aus dem Loch herauszukommen, in dem es der Krieg vor mehr als 20 Jahren verschüttet hat.

Stopora und seine Kolleginnen schweigen. Sie gucken auf die Hochhäuser Sarajevos, die vom Smog grau gefärbt sind. Je mehr sich das Taxi dem Stadtkern nähert, desto zahlreicher werden die Einschusslöcher in den Wänden. Der Fahrer summt die Songs im Radio mit. "Gimme Hope Jo'anna" läuft da, es ist ein komischer Soundtrack zu diesem kalten Mittwoch im März.

Jasmin Brutus/ SPIEGEL ONLINE

Bewerberinnen vor dem Gebäude der GIZ in Sarajevo

Elf Bewerberinnen stellen sich Herrn Stopora vor. Die meisten von ihnen stammen aus der serbisch-orthodoxen Republika Sprska, wo seit dem Krieg vor allem bosnische Serben leben. Die Anreise von der dortigen Hauptstadt Banja Luka ist langwierig, die Infrastruktur schlecht. Jetzt stehen sie aufgeregt vor dem Haus, in dem die Vorstellungsgespräche stattfinden.

Eine Bewerberin geht die Sätze durch, die sie sich für das Gespräch notiert hat. "Was gefällt Ihnen an Ihrem Beruf?", steht darauf. Notiert hat sich die junge Frau unter anderem: Menschlichkeit. Eine andere spricht Serbisch, Englisch, Schwedisch und Deutsch. Nach ihrer Ausbildung hat sie dennoch nur einen Job in einem schwedischen Callcenter gefunden.

Eine dritte möchte nicht auf der Straße fotografiert werden. Die Deutschen sollen nicht sehen, wie zerstört es hier aussieht, und denken, sie sei "so eine arme Krankenschwester", die nach Deutschland wolle. Alle drei möchten nicht, dass ihr Name veröffentlicht wird. Sie wollen einen sauberen Neustart.

Jasmin Brutus/ SPIEGEL ONLINE

Hans-Jürgen Stopora vor einem Krankenhaus in Sarajevo

Um die Ecke liegt das Krankenhaus, das nach dem Arzt Abdulah Nakas benannt ist, der während des Krieges viele Leben rettete, auch ohne Strom und Wasser. Die stellvertretende Klinikchefin Davorka Markovic, die Stopora und seine Kolleginnen empfängt, war ebenfalls schon während des Krieges Ärztin hier. Heute beobachtet sie, wie ihr die gut ausgebildeten Pflegekräfte davonlaufen.

"Keiner kann jemandem verbieten, wegzugehen", sagt die Frau mit den kurzen braunen Haaren. Trotzdem: "Bitte keine Angebote unterbreiten!" Jedenfalls nicht in ihrer Klinik.

Markovic beschreibt die Situation. Es gibt nicht genügend Stellen, um das Personal zu entlasten. Es gibt nicht genügend Budget, um die Gehälter zu erhöhen. Durch die Überlastung fallen die Pfleger öfter aus. Viele von ihnen haben außerdem Verletzungen und Behinderungen aus dem Krieg und sind kaum belastbar. Und die Jungen, die von der medizinischen Mittelschule kommen, wollen gleich weg.

Jasmin Brutus/ SPIEGEL ONLINE

Davorka Markovic zeigt Stopora und seinen Kolleginnen das Krankenhaus

Markovic versucht, die Pfleger zu halten. Sie schickt sie zu Weiterbildungen. Bald will das Krankenhaus eine Kinderstation eröffnen. Doch all das ändert nichts an ihrem Einkommen: Sie verdienen netto etwa 650 Euro im Monat, abzüglich Versicherung.

Herr Stopora nickt eifrig. In Deutschland kenne er das auch. "Auch bei uns haben viele Schwestern Rückenprobleme." Auch ihm laufen die Arbeitskräfte davon. "In Memmingen verdient eine examinierte Krankenschwester 2800 Euro brutto", erzählt er - netto mehr als doppelt so viel wie in Sarajevo. "Das ist viel Geld", sagt Markovic und nickt, als würde sie jetzt einiges verstehen.

Markovic ist stolz auf ihr Krankenhaus. Sie führt gern durch die dunklen Gänge, die aussehen, als würde die Zeit hier seit Jahren stillstehen. Stopora geht in die Zimmer und fotografiert. Die Intensivstation, auf der die Patienten Bett an Bett liegen, nur durch Vorhänge getrennt. Die Zimmer mit der "Einrichtung aus den Siebzigern", wie er sagt.

Seine Kolleginnen halten sich die Hände vor den Mund. Die Bettpfannen stehen auf dem Boden. "Das überträgt Keime auf die Patienten!", sagt eine von ihnen erschrocken.

Jasmin Brutus/ SPIEGEL ONLINE

Stopora vergleicht die Ausstattung seines Krankenhauses mit dem in Sarajevo

Nach dem Besuch sitzen Herr Stopora und seine Kolleginnen in einem Café neben dem Krankenhaus. Es gibt Cappuccino aus der Tüte und bosnischen Mokka. "Ich dachte, sie haben hier keine Chance, einen Job zu finden", überlegt Stopora, "aber es scheint anders zu sein." Das Gespräch hat ihn nachdenklich gemacht. Sie seien in Deutschland ja in der gleichen Situation.

Schließlich fasst es eine seiner Kolleginnen zusammen: "Ich möchte ungern jemandem etwas wegnehmen." Stopora schweigt. Er hat dem nichts hinzuzufügen.

Im Sommer werden die ersten neuen Pflegerinnen kommen.

Dieser Beitrag gehört zum Projekt Globale Gesellschaft, für das unsere Reporter von vier Kontinenten berichten. Das Projekt ist langfristig angelegt und wird von der Bill & Melinda Gates Foundation unterstützt.

Was ist das Projekt Globale Gesellschaft?
Unter dem Titel Globale Gesellschaft werden Reporterinnen und Reporter aus Asien, Afrika, Lateinamerika und Europa berichten - über Ungerechtigkeiten in einer globalisierten Welt, gesellschaftspolitische Herausforderungen und nachhaltige Entwicklung. Die Reportagen, Analysen, Fotostrecken, Videos und Podcasts erscheinen im Politikressort des SPIEGEL. Das Projekt ist langfristig angelegt und wird über drei Jahre von der Bill & Melinda Gates Foundation (BMGF) unterstützt.
Sind die journalistischen Inhalte unabhängig von der Stiftung?
Ja. Die redaktionellen Inhalte entstehen ohne Einfluss durch die Gates-Stiftung.
Haben auch andere Medien ähnliche Projekte?
Ja. Große europäische Medien wie "The Guardian" und "El País" haben mit "Global Development" beziehungsweise "Planeta Futuro" ähnliche Sektionen auf ihren Nachrichtenseiten mit Unterstützung der Gates-Stiftung aufgebaut.
Gab es bei SPIEGEL ONLINE bereits ähnliche Projekte?
SPIEGEL ONLINE hat in den vergangenen Jahren bereits zwei Projekte mit dem European Journalism Centre (EJC) und der Unterstützung der Bill & Melinda Gates Foundation umgesetzt: Die "Expedition Übermorgen" über globale Nachhaltigkeitsziele sowie das journalistische Flüchtlingsprojekt "The New Arrivals", in deren Rahmen mehrere preisgekrönte Multimedia-Reportagen zu den Themen Migration und Flucht entstanden sind.
Wo finde ich alle Veröffentlichungen zur Globalen Gesellschaft?
Die Stücke sind bei SPIEGEL ONLINE zu finden auf der Themenseite Globale Gesellschaft.

Anmerkung: In einer früheren Version des Artikels hieß es, die Arbeitslosenquote liege in Bosnien und Herzegowina bei 40 Prozent. Das ist so nicht korrekt. Der Wert lag laut ILO im Jahr 2018 bei 20,8 Prozent. Wir haben den Fehler korrigiert.

insgesamt 8 Beiträge
joshuaschneebaum 15.05.2019
1. Die Große Lüge
Guter Bericht, in sanften Worten wird knallhart die große Lüge des Kapitalismus "die Nachfrage reguliere den Markt" bloßgestellt. Wenn es so wäre, dann müssten die Fachkräfte einfach besser, nein, sogar einfach gut [...]
Guter Bericht, in sanften Worten wird knallhart die große Lüge des Kapitalismus "die Nachfrage reguliere den Markt" bloßgestellt. Wenn es so wäre, dann müssten die Fachkräfte einfach besser, nein, sogar einfach gut (!) bezahlt werden ... und siehe da ... ein Wunder: plötzlich würden alle Krankenschwester werden wollen. Wie läuft es aber wirklich? Pseudo-Kolonialismus: Es wird nicht mehr zusammengetrieben, angekettet und abgeführt, sondern mit Geld billige Arbeitskräfte angeworben, die hier die Notwendige Lohn-Reform behindert und das Heimatland der Billigarbeiter ausbluten lässt. That's how it goes .... Everybody knows
dodgerone 15.05.2019
2. Personalklau löst das Problem nicht
Einerseits ist es einfach nur asozial ärmeren Staaten das Personal abzuwerben, weil man es nicht hinbekommt deutsches Personal in ausreichendem Maße auszubilden und im Beruf zu halten, andererseits löst es das Problem nicht. [...]
Einerseits ist es einfach nur asozial ärmeren Staaten das Personal abzuwerben, weil man es nicht hinbekommt deutsches Personal in ausreichendem Maße auszubilden und im Beruf zu halten, andererseits löst es das Problem nicht. Ich bin seit 20 Jahren Altenpfleger (trotz Abitur, und aus vollstem Herzen). Andererseits arbeite ich seit 2 Jahren im Krankenhaus, weil die Arbeitsbedingungen auch für einen Menschen wie mich, der sich durchaus bewusst ist nur defizitär arbeiten zu können, nicht mehr zum aushalten gewesen. Im Krankenhaus ist es besser, aber auch hier fehlt das Personal und es ist einfach zuviel Stress. Die letzten 10 Jahren kamen viele Kollegen aus dem ehemaligen Ostblock. Die meisten sind nach einigen Jahren ausgebrannt... wie es Frauen oder Männern geht die dauerhaft von ihrer Familie getrennt sind möchte ich da garnicht mehr wissen. Ausserdem sind die Menschen nicht blöd, sie erkennen nach kurzer Zeit das die Bedingungen in der deutschen Pflegebranche schlecht sind. Und jeder wird irgendwie darauf reagieren... aber das ist deutsche Politik: von der Hand in den Mund!
carlwilde 16.05.2019
3. Anfang der 80er...
... haben wir in Deutschland noch die Kranken gepflegt, seither pflegen wir vor allem die Bürokratie. Die stets versprochenen Verbesserungen kamen nur in der Rhetorik, nie in der Realität. Der Stress hat im gleichen Maße [...]
... haben wir in Deutschland noch die Kranken gepflegt, seither pflegen wir vor allem die Bürokratie. Die stets versprochenen Verbesserungen kamen nur in der Rhetorik, nie in der Realität. Der Stress hat im gleichen Maße zugenommen wie der Personalmangel, viele arbeiten nur noch Teilzeit, weil sie selbst dem kaputten System nicht als Patient in die Hände fallen wollen. Das funktioniert allerdings nur, wenn man einen Partner hat, der ausreichend verdient, denn trotz hoher Verantwortung, Schicht-, Nacht- und Wochenenddienst reicht die Bezahlung niemals aus, um eine Familie zu ernähren. Wie lange verbleiben Krankenschwestern nach bestandenem Examen durchschnittlich im Beruf? Vier Jahre? Das kommt dabei heraus, wenn man Gesundheit als Geschäft betrachtet, das Gewinn bringen soll. Wenn sich im eigenen Land niemand mehr verheizen lassen will, beutet man andere Länder aus, koste es, was es wolle. Es ist an der Zeit, die Systemfrage zu stellen.
napoleonwilson 16.05.2019
4. Fachkräfte
Wie wäre es denn mit einer angemessenen BEZAHLUNG unserer deutschen Fachkräfte? Das würde den Beruf attraktiver machen. Was ist hier mit Angebot und Nachfrage? Die dubiosen Inhaber div. Pflegedienste betrügen uns [...]
Wie wäre es denn mit einer angemessenen BEZAHLUNG unserer deutschen Fachkräfte? Das würde den Beruf attraktiver machen. Was ist hier mit Angebot und Nachfrage? Die dubiosen Inhaber div. Pflegedienste betrügen uns Beitragszahler um extrem hohe Beträge. Und was bekommen die Mitarbeiter ? Betrug und Ausbeutung mit System. Die Politik sieht wie immer zu. Berichten Sie doch mal darüber, was mit unserer Beiträgen passiert. Diese kommen überall an, nur nicht in den Taschen der Leute die täglich Menschen pflegen.
det5904 16.05.2019
5. Die Lüge vom Fachkräftemangel
Um das Prestigeprojekt Deutschlands, den größten Billiglohnsektor Europas weiter ausbauen zu können, sehen sich die sich brechreizeerweckenderweise noch als Wohltäter aufspreizenden Profiteure offenbar gezwungen, andere [...]
Um das Prestigeprojekt Deutschlands, den größten Billiglohnsektor Europas weiter ausbauen zu können, sehen sich die sich brechreizeerweckenderweise noch als Wohltäter aufspreizenden Profiteure offenbar gezwungen, andere europäische Staaten um die dort dringend benötigten Fachkräfte zu erleichtern. Das ist umgekehrter Kolonialismus. Wir halten die Sklaven nicht im Ausland, sondern holen sie hierher.

Verwandte Artikel

Artikel

© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung
TOP