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Politik

Rumänien

Referendum zur Verschärfung von Verbot der Ehe für alle scheitert

Rumäniens Regierungspartei wollte das Verbot der gleichgeschlechtlichen Ehe weiter verschärfen. Doch nur knapp 20 Prozent der Wahlberechtigten gaben ihre Stimme ab.

MUELLER/ EPA/ REX/ Shutterstock

Gleichgeschlechtliche Ehe

Sonntag, 07.10.2018   22:47 Uhr

Keine verfassungsrechtliches Verbot der Ehe für alle in Rumänien: Das zweitägige Referendum über eine Verschärfung des Verbots der gleichgeschlechtlichen Ehe ist wegen einer zu geringen Beteiligung der rumänischen Bürger gescheitert.

Nur 20,41 Prozent der mehr als 18 Millionen Wahlberechtigten haben am Samstag und Sonntag nach Angaben des Zentralen Wahlbüros ihre Stimmen abgegeben. Mindestens 30 Prozent wären für eine gültige Volksabstimmung notwendig gewesen.

Homosexualität ist in Rumänien noch immer weitgehend tabuisiert, erst seit 2001 ist sie nicht mehr strafbar. Die Verfassung des Landes definiert die Ehe jedoch noch geschlechtsneutral als Bund zwischen "Ehegatten". Christlichen Fundamentalisten und die orthodoxe Kirche wollten den Begriff durch "Mann und Frau" ersetzen.

Befürworter des Referendums fordern "Schutz der traditionellen Familie"

Auch die regierende Sozialdemokratische Partei (PSD) unterstützte die Verschärfung des Verbots. PSD-Chef Liviu Dragnea gab als einer der ersten Rumänen seine Stimme ab. Seine bereits im Vorfeld angekündigte Befürwortung für das Referendum sei kein Votum gegen eine Minderheit. Die Entscheidung begründete der 55-Jährige mit seinen Glaubenssätzen und seiner traditionellen Erziehung.

Befürworter in der Hauptstadt Bukarest forderten einen Schutz der traditionellen Familie. "Wenn Schwule heiraten dürfen, werden sie morgen verlangen, Kinder zu adoptieren, und das wäre unannehmbar", sagte ein Rentner.

Gegner der Verfassungsänderung riefen zum Boykott auf. Gegen die PSD gab es in den letzten Monaten bereits öfter Massenproteste. Besonders die von ihr geplante Unabhängigkeit der Justiz steht in scharfer Kritik.

mje/dpa

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