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Politik

Protest gegen Peking

Junge Tibeterin stirbt nach Selbstverbrennung

Aus Protest gegen die Politik der chinesischen Regierung hat sich eine junge Frau aus Tibet selbst angezündet. Sie erlag ihren Verletzungen.

Dienstag, 23.12.2014   13:31 Uhr

Hamburg/Peking - Im Südwesten Chinas hat sich eine Tibeterin offenbar aus Protest gegen die Politik Pekings angezündet. Die Frau sei ihren schweren Verletzungen erlegen, meldete der US-Rundfunksender Radio Free Asia (RFA) unter Berufung auf örtliche Quellen. Demnach lebte die Tibeterin mit ihren Eltern als Nomadin.

Die junge Frau steckte sich demnach im Distrikt Aba in der Himalaja-Provinz Sichuan in Brand. Laut RFA handelte es sich um eine 20-Jährige, der Organisation International Campaign for Tibet (ICT) zufolge war sie 19 Jahre alt. Nach der Selbstverbrennung sei ihr Bruder von der Polizei abgeführt worden, meldet RFA.

130 Selbstverbrennungen in fünf Jahren

Erst in der vergangenen Woche hatte sich zum ersten Mal seit September ein Tibeter aus Protest gegen die chinesische Regierung angezündet, auch er starb. Der 33-Jährige Sangye K. habe sich vor einer Polizeistation im Kreis Xiahe der westchinesischen Provinz Gansu in Brand gesteckt, berichteten die Aktivistengruppe International Campaign for Tibet (ICT) und der US-Rundfunksender Radio Free Asia (RFA). Die Lage in der Gegend sei angespannt, und die Sicherheitsmaßnahmen seien erhöht worden.

Seit 2009 haben sich mehr als 130 Tibeter aus Protest gegen die chinesische Politik angezündet. Die meisten von ihnen überlebten nicht, wie aus einer Zählung von RFA und ICT hervorgeht. Die Tibeter klagen über religiöse Unterdrückung und angesichts des zunehmenden Zuzugs von Han-Chinesen über soziale Marginalisierung in ihrer Heimat.

Das geistige Oberhaupt Tibets, der Dalai Lama, hatte zuletzt die "freie Welt" aufgerufen, sich weiter für Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und Meinungsfreiheit in China einzusetzen. In einem Interview mit dem britischen Rundfunksender BBC sagte der Geistliche, der Westen habe eine "moralische Verpflichtung" dazu. Er könne aber verstehen, dass westliche Staaten "aus Geldgründen" bestrebt seien, gute Beziehungen mit der Wirtschaftsmacht China zu pflegen. Der 79-jährige Mönch lebt seit einem gescheiterten Volksaufstand in Tibet 1959 im indischen Exil.

mxw/AFP

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