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Politik

Nach Anschlägen in Sri Lanka

Zahl der Toten auf fast 300 gestiegen

Die Explosionen in Sri Lanka haben Hunderte Menschen das Leben gekostet - und es gibt immer mehr Opfer. Die Polizei nahm inzwischen mehrere Verdächtige fest. Wurden mögliche Anschlagshinweise zuvor ignoriert?

Jewel SAMAD / AFP

War Ziel eines Bombenanschlags: die Sankt-Sebastians-Kirche in Negombo

Montag, 22.04.2019   08:06 Uhr

Die Zahl der Todesopfer ist nach den Bombenanschlägen auf Kirchen und Hotels in Sri Lanka auf 290 gestiegen. Das sagte ein Polizeisprecher am Montag. Weitere 500 Personen seien verletzt worden. Unter den Toten sollen mindestens 35 Ausländer sein. Ob es auch deutsche Opfer gibt, war zunächst noch unklar.

Die Motive für die Anschlagsserie sind weiterhin ungeklärt. Zwar gab es laut Polizei mittlerweile 24 Festnahmen, es bekannte sich jedoch bisher niemand zu den Angriffen.

Insgesamt hatte es am Sonntag mindestens acht Detonationen gegeben, darunter drei in Kirchen und drei weitere in Luxushotels. Die Explosionen geschahen fast zeitgleich. In den Kirchen fanden gerade Ostergottesdienste statt. Dort gab es laut Behörden auch die meisten Opfer. Die sechs Anschläge auf Kirchen und Hotels wurden dabei von Selbstmordattentätern ausgeführt. Das teilte ein Forensiker des Verteidigungsministeriums mit.

Stunden später entdeckten Sicherheitskräfte in der Nähe des größten Flughafens der Insel einen selbstgebauten Sprengsatz. Dieser sei an einer der Straßen zum Hauptterminal entdeckt worden, hieß es von den Behörden. Spezialisten der Luftwaffe entschärften demnach die Rohrbombe.

Wurden Hinweise ignoriert?

Sri Lankas Geheimdienst lagen offenbar Hinweise auf einen möglichen Anschlag vor, sagte Premierminister Ranil Wickremesinghe. Es müsse nun untersucht werden, warum keine entsprechenden Maßnahmen ergriffen worden seien.

Die Festgenommenen stammen laut dem Regierungschef alle aus Sri Lanka. Er wolle nun im Ausland um Unterstützung bitten, um herauszufinden, ob die Angreifer Verbindungen zum internationalen Terrorismus hätten. "Wir werden nicht zulassen, dass der Terrorismus in Sri Lanka seinen Kopf erhebt. Alle Maßnahmen werden ergriffen, um den Terrorismus auszulöschen", sagte Wickremesinghe.

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Sri Lanka: Mutmaßlicher Anschlag erschüttert Inselstaat

Vizeverteidigungsminister Ruwan Wijewardene machte Extremisten für die "terroristische Attacke" verantwortlich. Er verkündete eine landesweite Ausgangssperre, die bis zum frühen Montagmorgen galt. Zudem sperrte die Regierung vorübergehend den Zugang zu sozialen Medien. Auch nach dem Ende der Sperre blieben die Schulen und Universitäten zunächst geschlossen.

Der südasiatische Inselstaat im Indischen Ozean mit seinen tropischen Stränden ist ein beliebtes Touristenziel, auch für Deutsche und andere Europäer. Dort hatte es seit Jahren keinen größeren Anschlag mehr gegeben. 2009 war ein 26 Jahre dauernder Bürgerkrieg zu Ende gegangen. Nur etwa sieben Prozent der Bevölkerung Sri Lankas sind Christen. Die Mehrheit der 20 Millionen Einwohner sind Buddhisten.

Foto: Dinuka Liyanawatte/ REUTERS

Staats- und Regierungschefs - darunter US-Präsident Donald Trump, Russlands Präsident Wladimir Putin, Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Bundeskanzlerin Angela Merkel - verurteilten die Angriffe scharf.

Das Auswärtige Amt aktualisierte kurz nach den Attacken seine Reisehinweise und bat Reisende, die Anschlagsorte weiträumig zu meiden, die lokalen Medien zu verfolgen, engen Kontakt zu Reiseveranstaltern und Fluggesellschaften zu halten und Anweisungen von Sicherheitskräften Folge zu leisten (lesen Sie hier mehr dazu, wie sich Touristen verhalten sollten). Das US-Außenministerium sprach eine Reisewarnung wegen möglicher weiterer Terrorattacken aus.

mho/jap/dpa/AFP/Reuters

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