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Politik

Nach Militärputsch

Sudans gestürzter Präsident Baschir in Gefängnis gebracht

Nach seinem Sturz durch die Armee hat das Militär Omar al-Baschir tagelang an einem unbekannten Ort festgehalten. Nun wurde der frühere sudanesische Machthaber in ein Gefängnis in der Hauptstadt überstellt.

Mohamed Khidir/DPA

Omar al-Baschir (Archiv)

Mittwoch, 17.04.2019   13:33 Uhr

Sudans gestürzter Präsident Omar al-Baschir ist in ein Gefängnis in der Hauptstadt Khartum verlegt worden. Familienmitglieder des langjährigen Präsidenten sagten, Baschir sei in der Nacht in die Haftanstalt Kober im Norden Khartums gebracht worden. Bisher war der 75-Jährige vom Militär an einem unbekannten Ort festgehalten worden.

Wie mehrere Quellen bestätigten, soll Baschir sich in Einzelhaft befinden. Zudem sollen strenge Sicherheitsmaßnahmen für den gestürzten Präsidenten gelten.

Der seit drei Jahrzehnten autoritär herrschende Baschir war am Donnerstag vergangener Woche nach monatelangen Massenprotesten vom Militär gestürzt und festgenommen worden. Für eine Übergangszeit von zwei Jahren wurde ein Militärrat eingesetzt. Die Proteste in Khartum dauern aber an. Die Anführer der Protestbewegung fordern die rasche Einsetzung einer Zivilregierung.

Uganda würde Bashir wohl Asyl gewähren

Die Demonstranten verlangen, dass Baschir vor Gericht gestellt wird, was die neue Militärjunta auch in Aussicht gestellt hat. Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International fordert dagegen eine Auslieferung Baschirs an den Internationalen Strafgerichtshof (IStGH) in Den Haag, der schon vor Jahren einen Haftbefehl gegen Baschir wegen Kriegsverbrechen, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Völkermordes in Darfur erlassen hatte. Der Militärrat will darüber aber nicht entscheiden und die Entscheidung einer gewählten Zivilregierung überlassen.

Zuvor hatte Uganda dem gestürzten Machthaber Bashir angeboten, er könne dort Asyl beantragen. Das in Erwägung zu ziehen, sei nichts wofür sich Uganda entschuldigen müsse, sagte Außenminister Okello Oryem.

Uganda ist Vertragsstaat des IStGH und wäre eigentlich zur Auslieferung Bashirs an das Gericht verpflichtet. Bereits im Mai 2016 war Bashir allerdings unbehelligt zur Einführung von Langzeitherrscher Joweri Museveni in dessen fünfter Amtseinführung nach Uganda gereist. Menschenrechtsaktivisten hatten das scharf kritisierten.

asc/cht/AFP/Reuters

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