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Politik

Journalistin in der Kritik

Sie hat die Stirn gerunzelt!

Die südkoreanische Journalistin Song Hyun Jung machte ein TV-Interview mit Staatspräsident Moon Jae In. Hinterher gab es massive Kritik an ihrem Verhalten.

The Blue House/ AFP

Song Hyun Jung im Interview mit Moon Jae In

Freitag, 10.05.2019   16:57 Uhr

Ein Interview mit Südkoreas Präsident Moon Jae In im heimischen Fernsehen hat überraschende Konsequenzen für die Fragestellerin: Die erfahrene Politikreporterin Song Hyun Jung sieht sich nach dem im Sender KBS ausgestrahlten Gespräch heftiger Kritik von Moons Anhängern ausgesetzt.

Im Internet wurde sie für ihre "unhöfliche Haltung" und Mimik sowie ihr "zu aggressives" Verhalten gerügt. Song habe "den Präsidenten unterbrochen", ihr Stirnrunzeln in Anwesenheit des Staatschefs sei "ungezogen" und "unerfreulich" gewesen, hieß es unter anderem.

Zwei Jahre nach seinem Amtsantritt war es das erste Interview Moons in Südkorea. Darin verteidigte er seine Wirtschaftspolitik und verurteilte die jüngsten Raketentests Nordkoreas. Nach westlichen Standards war Songs Befragung durchaus milde und ehrerbietig.

Onlinepetition mit 20.000 Unterschriften

In der hierarchischen Gesellschaft der stark von Traditionen geprägten ehemaligen Diktatur verdient der Präsident nach Ansicht vieler jedoch den allergrößten Respekt - auch wenn alle vier lebenden ehemaligen Staatsoberhäupter derzeit in Haft sitzen oder bereits Gefängnisstrafen verbüßten. Eine Onlinepetition an Moons Büro forderte für künftige Fernsehauftritte "einen besseren Interviewer". Bis Freitagnachmittag (Ortszeit) hatten rund 20.000 Menschen unterschrieben.

Songs Fürsprecher argumentierten, die Reporterin werde auch deswegen attackiert, weil es gegen die etablierten Geschlechterrollen verstoße, wenn sie als Frau einen älteren, mächtigen Mann befrage. Die Kritik an ihrem Benehmen und ihrer Mimik zeige, "wie ungewohnt es für die südkoreanische Öffentlichkeit ist zu sehen, wie Frauen mächtige Männer herausfordern", sagte die Frauenrechtlerin Bae Bok Ju.

Aus dem Präsidentenpalast in Seoul verlautete, es sei "unangemessen" für den Staatspräsidenten, die öffentliche Kritik an der Journalistin zu kommentieren. Moon sei nach dem Interview jedoch nicht "verärgert" gewesen und hätte auch nichts gegen einen "aggressiveren Kampf" gehabt.

asa/AFP

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