Schrift:
Ansicht Home:
Politik

Erste Zahlen

Militär liegt bei Wahl in Thailand vorn

Bei der ersten Parlamentswahl in Thailand seit dem Armeeputsch 2014 konnte die amtierende Militärregierung offenbar punkten. Laut staatlicher Wahlkommission hat General Prayut Hunderttausende Stimmen Vorsprung.

Lauren DeCicca/ Getty Images
Sonntag, 24.03.2019   18:03 Uhr

Zum ersten Mal seit acht Jahren durften die Thailänder wählen - und sie haben sich offenbar für die amtierende Militärjunta entschieden. Aus Zahlen der staatlichen Wahlkommission ging am Abend (Ortszeit) hervor, dass Premierminister Prayut Chan-o-cha mit seinem Lager vorn liegt. Nach Auszählung von 91 Prozent der Stimmen habe seine Partei PPRP mehrere Hunderttausend Stimmen Vorsprung auf die größte Partei der Opposition.

Dem Zwischenergebnis zufolge kam die PPRP auf mehr als 7,3 Millionen Stimmen. Pheu Thai um den ehemaligen Premierminister Thaksin Shinawatra, den das Militär einst gestürzt hatte, lag bei etwa 6,8 Millionen. Es folgte die Partei Future Forward mit mehr als fünf Millionen. Insgesamt waren in dem südostasiatischen Königreich mehr als 51 Millionen Menschen wahlberechtigt.

Genaue Zahlen will die Kommission erst am Montag vorlegen. Prognosen oder eigene Hochrechnungen des Fernsehens gab es nicht. Damit blieb unklar, ob General Prayut - der 2014 mit einem Putsch gegen eine demokratisch gewählte Regierung an die Macht gelangt war - ziviler Regierungschef werden kann. Der 65-Jährige war der Spitzenkandidat der Partei Phalang Pracharat (PPRP). Auch zur wahrscheinlichen Sitzverteilung äußerte sich die Kommission nicht.

Es war ein anderes Ergebnis erwartet worden

In der Wahl ging es um insgesamt 500 Sitze im Repräsentantenhaus, dem Unterhaus des Parlaments. Im Oberhaus, dem Senat, hatte sich das Militär bereits vorab alle 250 Sitze gesichert. Ohne Wahl. Eine per umstrittenem Volksentscheid durchgesetzte neue Verfassung und Änderungen im Wahlrecht machten es möglich. Die Armee hat seitdem unter anderem das Recht, sämtliche Mitglieder des Oberhauses zu bestimmen.

Da Senat und Repräsentantenhaus den künftigen Premier gemeinsam wählen, reichen Prayut 126 der zu vergebenden 500 Mandate für eine alleinige Mehrheit. Die Wahl bedeutet also nicht, dass die Demokratie in Thailand vollständig wiederhergestellt wurde. Die Militärs waren gegenüber den anderen Parteien klar im Vorteil.

Ursprünglich war erwartet worden, dass Pheu Thai aus der Wahl zum Repräsentantenhaus als stärkste Partei hervorgeht. Auch Wählerbefragungen deuteten das an. Seit 2001 hatte das Shinawatra-Lager alle Wahlen in Thailand gewonnen.

löw/dpa/AP

Verwandte Artikel

Artikel

© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung
TOP