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Politik

"Gay Pride" in Istanbul

Behörden rechtfertigen Polizeieinsatz gegen Schwulenparade

Polizeigewalt gegen friedlich Feiernde: In Istanbul haben Sicherheitskräfte die "Gay Pride"-Demonstration mit Wasserwerfern und Tränengas aufgelöst - angeblich, weil der Marsch in den Ramadan fällt.

DPA

Polizeieinsatz gegen "Gay Pride"-Parade: Keine Genehmigung für den Marsch?

Montag, 29.06.2015   13:54 Uhr

Die türkischen Behörden haben das harte Vorgehen der Polizei gegen eine Homosexuellen-Kundgebung in Istanbul gerechtfertigt. Das Eingreifen der Beamten am Sonntag sei angemessen gewesen, erklärte das Istanbuler Gouverneursamt Medienberichten zufolge. Die Kundgebungsteilnehmer hätten keine Genehmigung für die Veranstaltung gehabt. Zudem habe es Hinweise auf mögliche Störaktionen anderer Gruppen gegeben.

Bei der gewaltsamen Auflösung des Marsches habe es keine Verletzten gegeben, erklärte die Behörde weiter. Augenzeugen hatten dagegen von mindestens fünf Verletzten gesprochen. Die Sicherheitskräfte waren mit Wasserwerfern, Tränengas und Gummigeschossen gegen Teilnehmer der "Gay Pride"-Parade im Stadtzentrum vorgegangen - das hatte scharfe Kritik ausgelöst.

Teilnehmer des geplanten "Marsch des Stolzes" wurden durch den Einsatz daran gehindert, sich auf dem zentralen Taksim-Platz zu versammeln. Zunächst hatte es geheißen, Gouverneur Vasip Sahin habe die Parade ohne Vorwarnung verboten, weil sie in den für Muslime heiligen Fastenmonat Ramadan fällt. Das war allerdings bereits im vergangenen Jahr der Fall, wo die Behörden die Demonstranten gewähren ließen.

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Istanbul: Einsatz gegen Regenbogenfahnen
In den vergangenen Jahren hatte der Marsch in Istanbul ohne Zwischenfälle stattgefunden. Die Türkei gehört zu den wenigen Ländern in der Region, in denen Homosexualität nicht verboten ist. Teile der mehrheitlich muslimischen Gesellschaft sind aber sehr konservativ. Weltweit erinnern derzeit Paraden zum Christopher Street Day an einen Aufstand von Schwulen, Lesben und Trans-Menschen am 28. Juni 1969 in der New Yorker Christopher Street.

mxw/AFP

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