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Politik

Staatskrise

Guaidó schwört Venezolaner auf Massenproteste gegen Maduro ein

Noch hält sich Venezuelas Oppositionsführer Juan Guaidó im Ausland auf. Am Montag will er allerdings in seine Heimat zurückkehren - dort droht ihm die Festnahme. Am selben Tag sind Proteste gegen Machthaber Maduro geplant.

REUTERS

Juan Guaidó (M.) neben Ecuadors Präsident Lenin Moreno in Salinas

Montag, 04.03.2019   03:38 Uhr

"Wir sind stärker als je zuvor", sagt Juan Guaidó in einer aktuellen Videobotschaft. "Das ist nicht der Moment, um schwach zu werden."

Die Botschaft wurde am Sonntag über die sozialen Netzwerke verbreitet. Wo sich Venezuelas selbst ernannter Interimspräsident zum Zeitpunkt der Aufnahme des Videos befand, ließ er offen - Guaidó ist seit Tagen im Ausland, er reiste auf der Suche nach Unterstützung nach Kolumbien, Brasilien, Paraguay, Argentinien und Ecuador. Nun kündigte er allerdings an, am Montag nach Venezuela zurückzukehren. Seine Videobotschaft schloss er mit den Worten: "Wir sehen uns morgen."

Am Montagvormittag (16 Uhr MEZ) sollen in Caracas und weiteren Städten des Landes Massenproteste gegen Venezuelas Machthaber Nicolás Maduro beginnen. Guaidó schwor seine Landsleute in der Videobotschaft auf entschlossenen Widerstand ein und rief alle Staatsbediensteten auf, sich den Protesten anzuschließen. Da die Medien in Venezuela zensiert seien, solle die Bevölkerung den Protestaufruf und die Treffpunkte der Regierungsgegner über soziale Netzwerke verbreiten, sagte Guaidó.

Ob er selbst an den Protesten teilnehmen wird, ließ Guaidó offen. Seine angekündigte Rückkehr nach Venezuela ist heikel: Dem 35-Jährigen droht dort eine Festnahme, da er trotz einer Ausreisesperre das Land verlassen hatte. Gegen ihn läuft ein Ermittlungsverfahren, weil er sich am 23. Januar zum Interimspräsidenten des Landes erklärt hatte.

In der Videobotschaft nannte Guaidó eine Rückkehr in seine Heimat eine historische Herausforderung. "Sollte das Regime es wagen, uns zu entführen, wird dies der letzte Fehler sein, den es macht."

USA und EU drohen Maduro

Der nationale Sicherheitsberater der USA, John Bolton, warnte die venezolanische Regierung vor einer Festnahme Guaidós. Jegliche Drohungen oder Hintertreibungen einer sicheren Rückkehr des Oppositionsführers würden mit einer starken Reaktion der USA und der internationalen Gemeinschaft beantwortet, schrieb Bolton auf Twitter.

Nur kurz zuvor hatte auch die Europäische Union Maduro davor gewarnt, Guaidó festnehmen zu lassen. Jede Maßnahme, die die Freiheit, Sicherheit oder persönliche Integrität Guaidós gefährde, würde eine erhebliche Eskalation der Spannungen bedeuten, sagte die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini im Namen der Mitgliedstaaten.

Vergangene Woche hatte Maduro seinen Widersacher vor einer Rückkehr gewarnt. "Guaidó kann nicht einfach kommen und gehen, die Justiz hatte ihm das Verlassen des Landes verboten", sagte er in einem Interview des US-Senders ABC.

In Venezuela tobt ein erbitterter Machtkampf zwischen der Regierung und der Opposition. Oppositionsführer Guaidó wird von den USA, vielen lateinamerikanischen und europäischen Ländern - darunter auch Deutschland - unterstützt. Der amtierende Präsident Maduro hingegen kann auf China, Russland und seine Verbündeten Kuba, Bolivien und Nicaragua zählen.

Venezuela verfügt über die weltweit größten Ölvorkommen, leidet aber seit Jahren unter einer schweren Versorgungskrise. Vergangenes Wochenende scheiterte Guaidós Versuch, Hilfsgüter von Kolumbien und Brasilien aus nach Venezuela zu bringen. An Grenzübergängen kam es zu schweren Auseinandersetzungen zwischen Gegnern Maduros und venezolanischen Sicherheitskräften.

aar/Reuters/dpa

insgesamt 14 Beiträge
tf1964 04.03.2019
1. Soziale Netzwerke?
Wie geht das zusammen? Der Aufruf wurde über die sozialen Netzwerke verbreitet, es heißt doch das diese von Manduro gesperrt wurden. Ich glaube das sich der Spiegel die Berichte der letzten Tage noch einmal durchlesen sollte. [...]
Wie geht das zusammen? Der Aufruf wurde über die sozialen Netzwerke verbreitet, es heißt doch das diese von Manduro gesperrt wurden. Ich glaube das sich der Spiegel die Berichte der letzten Tage noch einmal durchlesen sollte. Widersprüche über Wiedersprüche.
lebaronblanc 04.03.2019
2. Titelkorrektur
"Guaidó schwört Venezolaner auf Strassenkrawalle gegen Maduro ein" (inklusive Molotovcocktails auf Sicherheitskräfte). Diese Umstürzler agieren derart aggressiv, dass, wenn dann Venezuela "die Freieheit" [...]
"Guaidó schwört Venezolaner auf Strassenkrawalle gegen Maduro ein" (inklusive Molotovcocktails auf Sicherheitskräfte). Diese Umstürzler agieren derart aggressiv, dass, wenn dann Venezuela "die Freieheit" erlangen würde, einem Angst und Bange wird um den Teil der Bevölkerung, der nicht dieser Opposition angehört.
horstenporst 04.03.2019
3.
Richtig. Insbesondere wenn man sich anschaut um welchen Teil der Bevölkerung es sich handelt. https://truthout.org/articles/in-venezuela-white-supremacy-is-a-key-driver-of-the-coup/
Zitat von lebaronblanc"Guaidó schwört Venezolaner auf Strassenkrawalle gegen Maduro ein" (inklusive Molotovcocktails auf Sicherheitskräfte). Diese Umstürzler agieren derart aggressiv, dass, wenn dann Venezuela "die Freieheit" erlangen würde, einem Angst und Bange wird um den Teil der Bevölkerung, der nicht dieser Opposition angehört.
Richtig. Insbesondere wenn man sich anschaut um welchen Teil der Bevölkerung es sich handelt. https://truthout.org/articles/in-venezuela-white-supremacy-is-a-key-driver-of-the-coup/
Raisti 04.03.2019
4. Worauf stützt sich die Überschrift ???
Wie kommt man dazu, die Vokabeln Machthaber und Oppositionführer zu verwenden ? richtig wäre gewählter Präsident und Putschist. Guaido und Ihn anerkennende Staaten, stützen sich auf Artikel 233 der venezulanischen [...]
Wie kommt man dazu, die Vokabeln Machthaber und Oppositionführer zu verwenden ? richtig wäre gewählter Präsident und Putschist. Guaido und Ihn anerkennende Staaten, stützen sich auf Artikel 233 der venezulanischen Verfassung, nur steht da auch drin das der Interimspräsident innerhalb von 30 Tagen Neuwahlen ausrufen muss. Dieser Zeitraum ist am 23. Februar verstrichen. Zu dieser Erkenntnis kommt auch der Wissenschaftliche Dienst des Bundestags. Siehe: https://www.bundestag.de/resource/blob/595056/c8bf53d8fb2a3f163e104a725c732b15/wd-2-017-19-pdf-data.pdf "Nach dem Wortlaut des Artikels hätten sonst Neuwahlen binnen 30 Tagen nach dem gesetzlichen Hinderungs-grund bezüglich der Amtsausübung des Präsidenten – also der am 29.10.2018 gerichtlich verfügten Absetzung des Präsidenten – erfolgen müssen. " Soviel zum Thema "Sagen was ist". aber damit will man den Leser anscheinend nicht belästigen. Lieber direkt den Diskurs setzen in den man zu solchen Vokabeln greift, aber dann wundern das sich immer mehr Menschen, alternativen Medien zu wenden.
bürgerl 04.03.2019
5. Venezuela
Guaido,dieser " Ehrenmann " schwört wohl jeden Tag irgendwas . Ausser die USA die einen Umsturz wollen und vieleicht noch die Venezuelanischen oberen Zehntausend die ihre Reichtümer zurück wollen steht doch niemand [...]
Guaido,dieser " Ehrenmann " schwört wohl jeden Tag irgendwas . Ausser die USA die einen Umsturz wollen und vieleicht noch die Venezuelanischen oberen Zehntausend die ihre Reichtümer zurück wollen steht doch niemand wirklich hinter Guaido . Die angebliche Massenbewegung ist doch nur eine Fatamorgana die nur Guaido sieht .

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