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Politik

Hilfslieferungen für Venezuela

Maduro lässt Grenzbrücke nach Kolumbien blockieren

Das venezolanische Militär hat eine Autobrücke an der Grenze zu Kolumbien blockiert. Präsident Maduro will damit offenbar die Einfuhr von Hilfsgütern verhindern, die im Nachbarland bereitstehen sollen.

DPA
Donnerstag, 07.02.2019   09:40 Uhr

Inmitten des Streits um humanitäre Hilfe für Venezuela haben die Behörden des südamerikanischen Krisenlandes eine Autobrücke zum Nachbarland Kolumbien blockiert. Bilder zeigen, wie die Brücke Tienditas nahe der kolumbianischen Grenzstadt Cúcuta mit dem Auflieger eines Tanklastzugs und zwei Containern blockiert wurde.

Hintergrund ist die Forderung des selbst ernannten venezolanischen Interimspräsidenten Juan Guaidó, in den kommenden Tagen humanitäre Hilfe für die notleidende Bevölkerung von Kolumbien nach Venezuela schaffen zu lassen. Guaidó fordert rasche Neuwahlen - und die Absetzung des sozialistischen Präsidenten Nicolás Maduro.

Der lehnt bislang beides ab. Die humanitäre Hilfe sei lediglich ein Vorwand für eine US-Militärintervention in Venezuela, sagte der umstrittene Präsident in einem Interview des Fernsehsenders Russia Today. Er macht die US-Sanktionen für die Versorgungsengpässe im Land verantwortlich.

Guaidó fordert Ende der Blockade

Guaidó bezeichnete die Blockade der Brücke als "absurde Reaktion eines Regimes, das sich nicht für die Bürger interessiert". Er wolle alles unternehmen, damit die Hilfe doch nach Venezuela gelange. Die Streitkräfte, die hinter Maduro stehen, befänden sich in einem "Dilemma", sagte Guaidó.

In Venezuela herrscht als Folge der politischen und wirtschaftlichen Krise ein extremer Mangel an Nahrungsmitteln und Medikamenten. Nach Angaben Guaidós sind bis zu 300.000 Menschen in dem Land vom Tod bedroht.

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Nach Angaben US-amerikanischer Regierungsvertreter sind die ersten Hilfsladungen mit Nahrungsmitteln und Medikamenten bereits in Kolumbien eingetroffen. Der Chef der US-Behörde für internationale Entwicklung, Mark Green, twitterte Bilder der verpackten Lieferungen.

Neben den USA will auch Kolumbien bei der Unterstützung der notleidenden venezolanischen Bevölkerung helfen. Außenminister Carlos Holmes Trujillo sagte nach einem Treffen mit seinem US-Kollegen Mike Pompeo in Washington: "Kolumbien will dabei helfen, dass die Hilfsgüter das venezolanische Volk erreichen."

Pompeo selbst äußerte sich noch deutlicher: "Das Maduro-Regime muss die Hilfe zu der hungernden Bevölkerung durchlassen", forderte der US-Außenminister auf Twitter.

Anfang der Woche hatten zahlreiche EU-Mitglieder, darunter auch Deutschland, Guaidó als Interimspräsidenten anerkannt. Außenminister Maas hatte dabei auch die finanzielle Unterstützung humanitärer Hilfe in Aussicht gestellt. Die Europäische Union konnte sich bislang aber nicht auf eine gemeinsame Linie festlegen. Die italienische Regierung beispielsweise erkennt Guaidó weiterhin nicht als Übergangspräsidenten an.

Europäer und Lateinamerikaner suchen nach Ausweg aus Krise

Am Donnerstag wollen Europäer und Lateinamerikaner gemeinsam nach einem Ausweg auf der Krise in Venezuela suchen: Dann treffen sich in der uruguayischen Hauptstadt Montevideo Vertreter der sogenannten Kontaktgruppe zu ersten Gesprächen. Zu der Gruppe gehören die EU, Deutschland, Frankreich, Italien, die Niederlande, Portugal, Spanien, Schweden und Großbritannien sowie Bolivien, Costa Rica, Ecuador und Uruguay.

Anmerkung: In einer früheren Version dieses Artikels hieß es, die Autobrücke an der Grenze zwischen Venezuela und Kolumbien sei vom venezolanischen Militär gesperrt worden. Tatsächlich wurde die Tienditas-Brücke 2016 fertiggestellt, aber infolge der Spannungen zwischen den beiden Ländern bis heute nicht offiziell eröffnet und in Betrieb genommen. Seit wenigen Tagen wird die Brücke vom venezolanischen Militär physisch blockiert. Wir haben den Fehler korrigiert.

fek/aar/dpa/AP/AFP

insgesamt 78 Beiträge
28zwei27 07.02.2019
1.
Diese Aktionen wirken ziemlich hilflos. Der Putsch ist beschlossen, die Unterstützer haben sich öffentlich bekannt.
Diese Aktionen wirken ziemlich hilflos. Der Putsch ist beschlossen, die Unterstützer haben sich öffentlich bekannt.
jomiho 07.02.2019
2. Zynisch
Maduro will lieber, dass Menschen in Venezuela sterben, damit er die USA politisch dafür die Schuld geben kann. Das ist menschenverachtend bis zum Geht nicht mehr. Maduro ist als Präsident absolut unfähig. Wie bei jeder [...]
Maduro will lieber, dass Menschen in Venezuela sterben, damit er die USA politisch dafür die Schuld geben kann. Das ist menschenverachtend bis zum Geht nicht mehr. Maduro ist als Präsident absolut unfähig. Wie bei jeder sozialistischen Regierung kommt es zur Mangelwirtschaft. Aber die Bevölkerung hier in Geiselhaft zu nehmen, um politische Spielchen zu treiben, ist die Krönung der Perversität.
fubsan 07.02.2019
3. Zu Propaganda gehört es
Informationen wegzulassen, sonst hätte man hier sowohl Kolumbiens Rolle bei der Durchsetzung Amerikanischer Politik angesprochen und erst recht die Bolton Drohung '5000 soldiers to Colombia', aber das passt natürlich nicht ins [...]
Informationen wegzulassen, sonst hätte man hier sowohl Kolumbiens Rolle bei der Durchsetzung Amerikanischer Politik angesprochen und erst recht die Bolton Drohung '5000 soldiers to Colombia', aber das passt natürlich nicht ins Framing.
observerlbg 07.02.2019
4. Ein Präsident verweigert seinem Volk die Lebensmittel....
...mehr muss man über den Charakter von Nicolás Maduro nicht wissen. Die Vorgehensweise der USA im Umgang mit sozialistischen Regierungen auf dem amerikanischen Kontinent hatte mal wieder Erfolg. Und Maduro ist drauf [...]
...mehr muss man über den Charakter von Nicolás Maduro nicht wissen. Die Vorgehensweise der USA im Umgang mit sozialistischen Regierungen auf dem amerikanischen Kontinent hatte mal wieder Erfolg. Und Maduro ist drauf reingefallen und lässt seine Bürger dafür bezahlen. Ähnlich, aber weniger im Fokus der internationalen Presse, ergeht es Nicaragua.
freudentanz 07.02.2019
5. Hammer
Die sogenannte Weltgemeinschaft UNO und wie der ganze Mist heißt ist sowas für den Poppes. Da war diese Katastrophe in Jugoslawien, dann Ruanda und nun Venezuela ... Mann ein verbrecherisches Regime hält das Volk als Geiseln. [...]
Die sogenannte Weltgemeinschaft UNO und wie der ganze Mist heißt ist sowas für den Poppes. Da war diese Katastrophe in Jugoslawien, dann Ruanda und nun Venezuela ... Mann ein verbrecherisches Regime hält das Volk als Geiseln. Nix zu beißen, keine Medikamente. Im TV (ZDF Auslandsjournal) berichteten sie das es Trinkwasser nur noch an Regierungsmitarbeiter gibt die offenbar in anderen Vierteln leben als Normalos. Und die Welt guckt zu! Die Sanktionen betreffen nur Waffen und unsere alimentierten Kaffeehausbolschewiken träumen weiterhin vom Sozialismus. Wozu benötige ich diese internationalen Organisationen wenn diese erst helfen können wenn alles aber auch alles vernichtet worden ist ?

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