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Politik

AfD-Spendenaffäre

Neue Spur führt zu Unternehmer in der Schweiz

Woher kommen die umstrittenen Spenden an AfD-Spitzenpolitiker? Ein schwerreicher Immobilienunternehmer mit Sitz in Zürich könnte dahinter stecken. Der Fall wird immer dubioser.

DPA

AfD-Chef Meuthen, Fraktionschefin Weidel

Von
Donnerstag, 04.04.2019   18:04 Uhr

In der Affäre um verdeckte Wahlkampfhilfen und Parteispenden aus der Schweiz an Spitzenpolitiker der AfD gibt es womöglich erstmals eine Spur zu einem mutmaßlichen Geldgeber.

Wie NDR, WDR und "Süddeutsche Zeitung" in Kooperation mit dem Zürcher "Tages-Anzeiger" berichten, könnte hinter getarnten Zahlungen an AfD-Fraktionschefin Alice Weidel der 75-jährige Immobilienunternehmer Henning Conle aus Duisburg stehen, der heute in der Schweiz lebt und dessen Familie über ein Vermögen in mindestens dreistelliger Millionenhöhe verfügen soll.

Die Medien berufen sich unter anderem auf Recherchen, wonach ein Mittelsmann, der die Spende an Weidel über seine Zürcher Pharmafirma leitete, "als guter Bekannter" von Conle gelte. Dessen Familie habe auf Anfragen der Medien nicht reagiert.

Auch dem SPIEGEL und dem ARD-Politikmagazin "Report Mainz" liegen Indizien vor, die auf das Umfeld Conles deuten. Demnach könnten aus dem Conle-Vermögen auch verdeckte Wahlkampfunterstützungen zugunsten von AfD-Chef Jörg Meuthen finanziert worden sein.

Ausgangspunkt der Indizienkette von "Report Mainz" und SPIEGEL ist eine vertrauliche Liste mit zehn angeblichen Gönnern, die AfD-Chef Jörg Meuthen im baden-württembergischen Landtagswahlkampf mit einer rund 90.000 Euro teuren Werbekampagne unterstützt haben sollen.

Inzwischen ist klar, dass es sich bei einem Teil der Personen um angeheuerte Strohleute handelt. Mindestens zwei der zehn vermeintlichen Gönner haben allerdings direkte oder indirekte Verbindungen zu der Unternehmerfamilie Conle.

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So ist der auf der Liste aufgeführte Geschäftsmann M. aus der Provinz Antwerpen für eine belgische Conle-Firma tätig, die von Henning Conle und seinem Sohn geleitet wird.

Gegenüber "Report Mainz" stritt M. am Mittwoch ab, Geld für Meuthens Wahlkampf gegeben zu haben. Er bestätigte jedoch, dass er einmal einen Anruf aus der Schweiz erhalten habe und gebeten worden sei, seinen Namen zur Verfügung zu stellen. Für was genau, das habe er nicht gewusst. Um wen es sich bei dem Anrufer gehandelt habe, wollte er nicht sagen.

Bei einer weiteren Person auf der Liste der angeblichen Meuthen-Unterstützer handelt es sich nach Recherchen von SPIEGEL und "Report Mainz" um den Deutschen D., der in Zürich ein Geschäft betreibt.

Gegenüber "Report Mainz" bestritt auch er am Dienstag, jemals Geld für Meuthens Wahlkampf gegeben zu haben. Er könne sich nicht erklären, wie sein Name auf die Liste gekommen sei. Allerdings räumte er auf Nachfrage ein, dass er mit dem Junior des Immobilienpatriarchen Conle bekannt sei.

Conle Senior wiederum ist zumindest mittelbar mit Alexander Segert, dem Chef der Zürcher PR-Firma Goal AG bekannt, die für AfD-Chef Meuthen im Jahr 2016 kostspielige Werbemaßnahmen umsetzte.

So finden sich die Namen des Immobilientycoons Conle sowie des Agenturchefs Segert auf einer Liste mit Sponsoren, die Anfang 2017 eine Jubiläumsfeier der rechten Schweizerischen Volkspartei (SVP) mitfinanziert haben.

Ein Bevollmächtigter Conles war am Donnerstag für eine Stellungnahme zunächst nicht zu erreichen.

Meuthen hatte Vorwürfe illegaler Parteienfinanzierung immer wieder zurückgewiesen. Er habe sich stets korrekt verhalten, die Personen auf besagter Liste seien ihm nicht bekannt gewesen.

Auch Kontakte zu dem umstrittenen Unterstützerklub der AfD, dem "Verein zur Erhaltung der Rechtsstaatlichkeit und der bürgerlichen Freiheiten", hatte Meuthen stets abgestritten. Die Organisation, hinter der anonyme Finanziers stehen, machte in den vergangenen Jahren mit millionenschweren Werbekampagnen Stimmung für die AfD. Der Vizechef des Vereins taucht ebenfalls auf Meuthens Unterstützerliste auf.

Der Vorsitzende des Vereins ist David Bendels, der wie Conle aus Duisburg stammt. Zur Frage ob er Conle kenne und ob er oder andere Mitglieder der Familie Conle bei der Finanzierung des AfD-Unterstützerclubs eine Rolle spielten, schrieb Bendels dem SPIEGEL: "Ich werde diesen Themenkomplex nicht kommentieren."

insgesamt 50 Beiträge
Dr.T 04.04.2019
1. Ganz klar:
Eine Partei, die Gelder in nicht unerheblichen Umfange aus nicht nachvollziehbaren Quellen bekommen hat, sollte von der kommenden Wahl ausgeschlossen werden! Schluss mit dubiosen Gesellschaften, schwarzen Koffern usw,!
Eine Partei, die Gelder in nicht unerheblichen Umfange aus nicht nachvollziehbaren Quellen bekommen hat, sollte von der kommenden Wahl ausgeschlossen werden! Schluss mit dubiosen Gesellschaften, schwarzen Koffern usw,!
haarer.15 04.04.2019
2. Ominöse Gönner
Ein Teil auf dieser vertraulichen Liste sind wohl Strohmänner. Und die geben sich alle ahnungslos. Die Indizien zu den Hintermännern führen zu zwei schwerreichen Unternehmern aus D, die in der Schweiz leben. Und über die [...]
Ein Teil auf dieser vertraulichen Liste sind wohl Strohmänner. Und die geben sich alle ahnungslos. Die Indizien zu den Hintermännern führen zu zwei schwerreichen Unternehmern aus D, die in der Schweiz leben. Und über die Herkunft dieser Zuwendungen wollen weder Meuthen noch Weidel, die doch selbst in CH ihren Wohnsitz hatte, was gewusst haben ? Echt jetzt ... veralbern können die sich selbst. Eine saubere Alternative ! Macht lieber jetzt reinen Tisch. Das mafiöse Netz wird bald aufgelöst - und der Wahrheit könnt ihr sowieso nicht entfliehen.
bofich 04.04.2019
3. Eine freie Presse ist schon was ärgerliches
Wenn man etwas zu verbergen hat, ist es schon sehr ärgerlich, wenn man ertappt wird. Die Liebe der AfD zu den Medien wird auf diese Weise wohl kaum größer werden...
Wenn man etwas zu verbergen hat, ist es schon sehr ärgerlich, wenn man ertappt wird. Die Liebe der AfD zu den Medien wird auf diese Weise wohl kaum größer werden...
dasfred 04.04.2019
4. Lange nichts von Conle gehört
In den neunziger Jahren waren zwei Freude Mieter in Conle Häusern in Hamburg. Sein Ruf als Vermieter war damals unterirdisch. Billig kaufen, verfallen lassen, teuer sanieren. Passt also zur AfD.
In den neunziger Jahren waren zwei Freude Mieter in Conle Häusern in Hamburg. Sein Ruf als Vermieter war damals unterirdisch. Billig kaufen, verfallen lassen, teuer sanieren. Passt also zur AfD.
m.breitkopf 04.04.2019
5. Zur Vertiefung
Zu diesem Thema gibt es noch diesen interessanten SPON-Artikel vom 3.4.2019 zu lesen: http://www.spiegel.de/politik/deutschland/bundesrechnungshof-wirft-parteien-zweckentfremdung-von-steuergeldern-vor-a-1261038.html
Zu diesem Thema gibt es noch diesen interessanten SPON-Artikel vom 3.4.2019 zu lesen: http://www.spiegel.de/politik/deutschland/bundesrechnungshof-wirft-parteien-zweckentfremdung-von-steuergeldern-vor-a-1261038.html

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