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Politik

Weihnachtsmarkt-Anschlag

Anis Amri war Teil eines europaweiten Terrornetzes

Der Attentäter vom Berliner Breitscheidplatz schmiedete mehrfach Anschlagspläne mit anderen Dschihadisten. Nach SPIEGEL-Informationen reichen die Verbindungen bis zu den Hintermännern der Terrorattacken von Paris.

DPA

Der Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz nach dem Anschlag vom 19. Dezember 2016

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Freitag, 19.04.2019   13:53 Uhr

Ermittlungen in Deutschland, Frankreich und Belgien werfen ein neues Licht auf Anis Amri, den Attentäter vom Berliner Weihnachtsmarkt. Nach SPIEGEL-Informationen war der Tunesier in ein europaweites Netz von Anhängern des "Islamischen Staates" (IS) eingebunden, dessen Verbindungen bis zu Hintermännern der Anschläge von Paris 2015 reichen. Das geht aus Unterlagen des Generalbundesanwalts und des Bundeskriminalamts hervor. (Lesen Sie hier die ganze Geschichte bei SPIEGEL+.)

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Nach Überzeugung der Ermittler schmiedete Amri mehrfach Terrorpläne mit anderen Dschihadisten. Gleichzeitig stand er im Jahr vor dem Anschlag in Berlin in Kontakt mit vier Mitgliedern des IS in Libyen.

Entscheidende Erkenntnisse stammen vom französischen Terrorverdächtigen Clément Baur, dessen Gespräche mit Besuchern im Gefängnis monatelang überwacht wurden. Am 25. August 2018 deutete er laut der Ermittlungsakten an, dass es ursprünglich einen Plan zeitgleicher Anschläge in Deutschland, Belgien und Frankreich gegeben habe. Diesen hätten er, Amri und womöglich weitere Männer ins Auge gefasst. "Wir sollten in Berlin, Paris und Brüssel zuschlagen", sagte Baur laut der Gesprächsprotokolle. Er und Amri kannten sich aus einer radikalen Berliner Moschee.

"Fasziniert" vom Nizza-Attentat

Die abgehörten Gespräche belegen, dass Baur vielfältige Verbindungen zu Terroristen in Frankreich und Belgien hatte. Demnach offenbarte er, dass er den Drahtzieher der Anschläge von Paris am 13. November 2015 kannte, Abdelhamid Abaaoud. Aufgrund der heimlichen Aufzeichnungen glauben die Ermittler auch, dass Baur nur wenige Tage vor dem Paris-Anschlag bei einem Islamisten unterkam, der den Sprengstoff herstellte, mit denen sich die Attentäter während des Fußballländerspiels gegen Deutschland am Stadion in die Luft sprengten.

In Vernehmungen räumte der Franzose ein, mit Amri über einen möglichen Anschlag in Deutschland gesprochen zu haben. Der Lkw-Anschlag von Nizza vom Sommer 2016 mit 86 Toten habe Amri "fasziniert".

Am Abend des 19. Dezember 2016 hatte Amri einen Sattelzug in eine Menschenmenge auf dem Weihnachtsmarkt auf dem Berliner Breitscheidplatz gesteuert. Dabei starben zwölf Menschen, 55 wurden verletzt. Auf der Flucht wurde Amri am 23. Dezember 2016 bei einer Routinekontrolle von einem italienischen Polizisten erschossen.

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