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Politik

Nach rechter Hetze

Bürgermeisterin von Arnsdorf gibt ihr Amt auf

Martina Angermann, Bürgermeisterin von Arnsdorf, verurteilte einen Übergriff auf einen Flüchtling, danach erhielt sie Morddrohungen. Nun gibt sie ihr Amt auf. Die sächsische SPD zeigt sich schockiert.

Arno Burgi/ DPA

Ortseingangsschild von Arnsdorf (Sachsen): AfD-Antrag zur Abwahl zuvorgekommen

Freitag, 22.11.2019   13:35 Uhr

Arnsdorf in Sachsen war vor drei Jahren in die Schlagzeilen geraten, nachdem eine selbst ernannte Bürgerwehr einen psychisch kranken Flüchtling an einen Baum gefesselt hatte. Der Prozess gegen die vier Täter wurde kurz nach Beginn eingestellt. Ruhe kehrte dennoch nicht ein: Nun sieht sich die Bürgermeisterin Martina Angermann (SPD) offenbar gezwungen, ihr Amt aufzugeben - als Folge von rechtsradikaler Hetze gegen ihre Person. Das berichtet der MDR .

Demnach bestätigte die Gemeindeverwaltung, dass Angermann einen Antrag auf vorzeitigen Ruhestand gestellt habe. Damit ist sie offenbar einem AfD-Antrag auf ihre Abwahl zuvorgekommen.

Der "Sächsischen Zeitung" zufolge verurteilte die sächsische SPD die Hetze gegen die Bürgermeisterin. "Seit Monaten wird sie verbal attackiert, bedroht, und es wird versucht, sie durch eine Anzeige einzuschüchtern. Sie soll schlicht fertiggemacht werden", erklärte SPD-Generalsekretär Henning Homann der Zeitung. "Wir dürfen nicht zulassen, dass rechte Kampagnen unsere demokratischen Werte und den Zusammenhalt in Frage stellen. So etwas darf nicht passieren." Es liege eine Anzeige wegen Verleumdung gegen die Politikerin vor.

Angermann war seit 2001 Bürgermeisterin von Arnsdorf, also auch zur Zeit des Angriffs auf den Iraker. Den Zwischenfall verurteilte sie scharf, daraufhin erhielt sie Morddrohungen. Beteiligt gewesen sei damals auch der heutige AfD-Gemeinderat Detlef Oelsner, schreibt die "Sächsische Zeitung".

Von dem Vorfall am 21. Mai 2016 gibt es ein Video. Darauf sind mehrere Männer zu sehen, die den Iraker aus dem Supermarkt zerren. Im Hintergrund ist eine Frauenstimme zu hören mit den Worten: "Ist schon schade, dass man eine Bürgerwehr braucht." Die Angreifer sollen den Iraker mit Kabelbindern gefesselt und zu Boden gedrückt sowie schließlich an einen Baum gebunden haben. Die Täter hatten ihr Verhalten als Notwehr dargestellt.

vks

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