Rede in Köln
30.000 wollen gegen Erdogan demonstrieren
Köln - Erdogan kommt. Alle Appelle deutscher Politiker, seine Rede in der Kölner Lanxess-Arena nach dem Grubenunglück in Soma abzusagen, ließ der türkische Ministerpräsident an sich abperlen. Zum zehnten Jubiläum der Union Europäisch-Türkischer Demokraten (UETD) will der Regierungschef vor 30.000 Anhängern sprechen. Die UETD gilt als Lobby-Organisation von Erdogans AK-Partei.
Ebensoviele Menschen wollen gegen den Besuch Erdogans protestieren: Die Alevitische Gemeinde will 30.000 Menschen auf die Straße bringen. Andere Kundgebungen, etwa die der Kurdischen Gemeinde, wurden mit der Großdemonstration zusammengelegt. Wegen der hohen Zahl der Teilnehmer, wurde die Demonstration auf eine Wiese in der Kölner Innenstadt verlegt.
Die Polizei wird mit "mehreren hundert Beamten" im Einsatz sein, sagte ein Sprecher. Ausschreitungen befürchtet sie aber nicht. "Der Alevitische Verein wollte selbst die räumliche Trennung", sagt der Polizeisprecher. Der Ort der Gegendemonstration ist fünf Kilometer von der Lanxess-Arena entfernt. Auch von Rechtsradikalen gehe keine Gefahr aus.
Der Besuch wird überschattet von dem Einsturz einer Kohlemine in der westtürkischen Stadt Soma vor gut einer Woche, bei der mehr als 300 Arbeiter getötet worden waren. Der Kölner Oberbürgermeister Jürgen Roters (SPD) kritisiert deshalb den Auftritt in seiner Stadt: "Ich fände es angebracht, wenn Erdogan an der Aufklärung des Grubenunglücks mitwirken würde, statt in Deutschland auf Wahlkampftour zu gehen", sagte er SPIEGEL ONLINE.
Erdogan gilt als wahrscheinlicher Kandidat für die türkische Präsidentschaftswahl am 10. August. Erstmals dürfen daran auch die 1,5 Millionen Türken, die in Deutschland wohnen, teilnehmen. Dabei sind sogar Wahllokale in Deutschland geplant, zum Beispiel im Berliner Olympiastadion.
Zuvor hatte Roters bereits kritisiert, dass Erdogan "innertürkische Konflikte und Gewalttätigkeiten" in seine Stadt trage. Nun müsse er Erdogans Entscheidung zwar respektieren. "Ich habe aber den Eindruck, dass die Mehrheit der Bevölkerung dem Besuch nicht positiv gegenübersteht", sagt der SPD-Politiker.




